Gestern noch im Wald – heute auf den Tellern
Nun halten sich bitte alle Feministinnen ganz ganz doll die Ohren bzw. die Augen zu, ja? Ich muss ein Geständnis ablegen. Als ich gestern mit meiner Freundin so zusammensaß und eine Stunde Pilze putzte, anschließend in den (sehr großen) Garten ging um frische Petersilie zu holen, ging es mir, die ich Kochen nicht gerade verabscheue, aber sehr ungerne mache, so rundum richtig gut. Vielleicht lag das auch an dem Frieden, den ich im Wald bis in die letzte Faser meines Seins spürte. Als zum Mittag nicht nur die Pilze und die Petersilie auf den Tellern von eigener Hand geerntet waren, sondern die Kartoffeln vom nachbarschaftlichen Bauern und der Speck vom ansässigen Metzger stammte, dachte ich mir, wie schön es doch ist, die Dinge zu essen, die man selbst ernten kann. Und wie gut es mir gefallen würde, bei ausreichender finanzieller Grundlage – Achtung! Jetzt kommts! – sogar in Abhängigkeit von einem Mann, meinen Garten bestellen zu können. Heute putzte ich für uns am heimischen Küchentisch die Pilze, alleine zwar, ohne die anregenden Freundinnengespräche, aber bei angenehmen eigenen Gedanken. Und ich fühlte mich erneut wohl, geriet nicht ein einziges Mal in Versuchung, die kleinsten Pfifferlinge versehentlich zu übersehen.
So, Schluss mit der frühabendlichen Tagträumerei! Es ist nun einmal nicht so. Und mein Rücken und die Knie würden das auch nicht mehr lange mitmachen. Aber so ein kleines, klitzekleines bisschen davon träumen gestatte ich mir. Und nächste Woche, nach diesen fünf Urlaubstagen, gehe ich auch brav wieder meine Brötchen verdienen! Versprochen!







Och, weißt du, Elvira. Es muss ja nicht die Abhängigkeit von einem Ehemann bzw. Lebensgefährten sein. Es kann ja auch ein Gönner oder eine Mäzenin sein oder ein Lottogewin, die/der einem den Rücken finanziell freihält, so dass man das tun kann, was einem gut tut.
Aber so ist es nun mal nicht, gelle? Die Frage stellt sich dann auch, ob ich, wäre ich so finanziell unabhängig, mir genau das erfüllen würde, wovon ich heute so vor mich hingeträumt habe. Denn dann gäbe es auch noch den Wunsch des Reisens. Meine Landkarte hat so viele weiße Flecken….
Das hast du sehr schön geschrieben. Ich kann die Gedanken gut nachvollziehen. Und was lerne ich daraus: Genießen was man hat. Oder hab ich was falsch verstanden? LG Margarethe
Das hast Du absolut richtig verstanden! Nur nimmt man das, was man hat, häufig nicht mehr richtig wahr.
LG von Elvira
Och, Elvira, was beschäftigen Dich die Gedanken, die irgendeiner oder -eine denken könnte, diese Pilzlebensgenussgeschichte ist einfach nur wunderbar! Meint die “Kleine Professorin. Kennste Transaktionsanalyse? Wenn nicht, macht nichts, wir reifen Damen benötigen keinerlei merkwürdige Rechtfertigungen, wem auch immer gegenüber, wir dürfen einfach….
Gruß von Sonja
Dem “wir dürfen einfach” komme ich schrittchen- und häppchenweise immer näher
Liebe Grüße von Elvira
Wildgans hat Recht….und wir haben schließlich ein eigenverantwortliches Leben vorgelebt. Soll ich Dir was sagen. ich bin komplett von meinem Mann abhängig, wenn es darum geht, die Bohrmaschine zu betätigen
Es gibt Abhängigkeiten, mit denen kann ich gut leben, ich muß nämlich nicht alles können.
Yep! Bei uns bin ich die Bohrerin
Dafür kocht mein Mann besser. Das Zubereiten des Pilzgerichtes habe ich mir allerdings nicht nehmen lassen – darauf hatte ich riesige Lust!
Liebe Grüße von Elvira
Wir leben in so vielen großen und kleinen Abhängigkeiten, die uns diktiert werden. Freiheit ist, sich seine “Abhängigkeiten” selbst zu wählen.
Übrigens, das Menü sieht so was von einladend aus …
Lieben Gruß
Eva
Es hat auch sehr gut geschmeckt und beide Portionen – nee, nicht die beiden vom Foto (!), sondern meine gestrige und vorgestrige – sind mir ausgesprochen gut bekommen. Das habe ich nämlich schon einmal anders erlebt. Vor vielen Jahren kauften mein Mann und ich Karten für den gerade in die Kinos gekommen Film “Die wunderbare Welt der Amelie” und hatten noch Zeit, etwas essen zu gehen. Ich entschied mich für ein Pfifferlingsgericht. Da wir und ein bisschen beeilen mussten, aßen wir also schneller als gewöhnlich. Die Folge war bei mir so heftiges Bauchweh, dass ich den Film nicht richtig genießen konnte. Ich musste ihn ein zweites Mal ansehen.
Liebe Grüße von Elvira
Das hätte ich Dir auch nicht abgenommen, dass Du beide Portionen auf einmal verzehrst.
Deine Geschichte lehrt, man sollte Pilze nicht nur mit Vorsicht sondern auch langsam genießen.
Hat Dich Dein Mann beim zweiten Mal “Amelie” wieder begleitet?
Ja, denn er war von dem Film sehr berührt!
Oh, das ist schön und spricht für Deinen Mann.
Heute begleitet er mich nicht mehr. Irgendwo in den letzten Jahren ist nicht nur seine Gesundheit auf der Strecke geblieben, sondern auch der Genuss an guten Filmen.
“Freiheit ist, sich seine Abhängigkeiten selbst zu wählen.” Welch’ wunderbarer Satz!
genau, wir dürfen jetzt…
gerade heute dachte ich auch, dass es doch schön wäre im Sommer nur für den Garten, die Pflanzensammelei etc. dasein zu dürfen- aber das war einmal und jetzt ist wieder arbeiten gehen angesagt und da bleibt eben anderes auf der strecke, weil ich eben nicht mehr dreißig bin, schade eigentlich… ;o)
herzliche grüße, mit einem lachenden und einem weinenden auge
von frau blau