Vom Rauchen und Stricken

Im Frühjahr 2008 war ich zur Reha um meinen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule aus dem Herbst 2007 endgültig zu kurieren. In der Einrichtung wurde auch ein Rauchentwöhnungstraining angeboten. Ich muss da etwas ausholen: Als junges Mädchen begann ich sporadisch zu rauchen – beide Elternteile luden als Vorbilder quasi dazu ein. Mit 20 rauchte ich eine Schachtel pro Tag auf. Mit 22 heiratete ich. Mit 23 machten wir uns Gedanken über Familienplanung. Als das „Ja“ dazu nicht mehr nur vage im Raum stand, hörte ich ad hoc mit dem Rauchen auf. Ein Jahr später wurde ich schwanger (solange wollten wir nach Rauchende mit dem Schwangerwerden warten), als ich 25 war, wurde mein erster Sohn geboren. Zigaretten spielten keine Rolle mehr in meinem Leben. Erst 22 Jahre später, während einer Lebenskrise, begann ich erneut mit dem Rauchen. Wie verrückt war das denn? Heute weiß ich, dass das mit dem Rauchen wie mit dem Alkohol ist: Man darf sich niemals  Nichtraucher nennen, höchstens nichtrauchender Raucher. Nun, ja, das Rauchen war leider keine Eintagsfliege. Also meldete ich mich zu dem Kurs an. Am 7.April 2008 rauchte ich meine letzte Zigarette. Was das jetzt mit dem Stricken zu tun hat? Ganz einfach! Beim Stricken sind nicht nur beide Hände beschäftigt, sondern auch das Gehirn. Maschen und Runden zählen, Muster beachten, da hat der Gedanke an eine Zigarette keine Chance.

Stricken also! Als die Kinder klein waren, habe ich viel gestrickt. Norwegerjacken und Bilderpullover waren angesagt. Auch in diesem Fall  war es günstig, dass ich die Grundbegriffe des Strickens kannte. Und so wurde  die ganze Familie Weihnachten 2008 mit Socken und zum Teil mit Schals beschenkt.

Es haben sich wirklich alle gefreut! Was bei Socken sonst nicht immer zu erwarten ist.

Im Januar 2010 brauchte ich wieder eine Ablenkung. Meine Mutter war überraschend zwei Tage nach Weihnachten gestorben. Ich musste die Beerdigung organisieren und die Wohnung auflösen und was sonst noch alles zu tun war. Meine Brüder unterstützten mich soweit es ihnen möglich war. Einer lebt in Wolfsburg, konnte der Arbeit und der Witterung wegen nur kurzzeitig helfen. Mein anderer Bruder lebt im Ausland. Zwei Tage nach Muttis Tod reiste er an und flog erst nach der Beerdigung wieder fort. Während dieser Wochen kam ich nicht groß zum Nachdenken. Erst als ich wieder alleine war begann die große Trauer. Um nicht nur an meine Mutter zu denken holte ich das Strickzeug hervor. Ich hatte schließlich eine kleine Enkeltochter bekommen. Das war doch ein guter Strickgrund.

Ich entschied mich für eine Jacke, fand auch bald eine passende Anleitung, kaufte Wolle im Wollstübchen und legte los. Optimistisch, wie ich eigentlich veranlagt bin, dachte ich, dass im Herbst 2010 das Ensemble (eine Mütze strickte ich noch dazu) passen müsste. Nein, Laura ist der Jacke zwar schon sehr entgegen-, aber noch nicht reingewachsen. Egal, mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden!

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2 Antworten zu Vom Rauchen und Stricken

  1. Margarethe schreibt:

    Die Babygarnitur ist dir doch sehr gut gelungen. Und mit so kleinen Teilen hat man auch in kurzer Zeit ein Erfolgserlebnis. Auch die Socken, da macht das Garn ja solche Effekte, ich habe mir gerade eine Ladung Sockenwolle bestellt. Ich finde Socken sehr erholsam, um vor der Glotze was vernünftiges zu tun. Für wen das Stricken nicht anstrengend ist, für den ist es Abschalten und Erholen. Es gibt keinen Tag, ohne ein Stück gestrickt zu haben bei mir. Eine meine Freundinnen bekommt jedes Jahr welche zum Geburtstag. Sie erwartet sie schon! Auch Enkel- und Patenkinder tragen sie begeistert.
    Und schön ist es, dass du die schweren Zeiten hinter die lassen konntest.
    Herzliche Grüße von Margarethe

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    • Elvira schreibt:

      Meine Enkeltochter ist jetzt zwei und passt langsam in die Garnitur rein 🙂
      Heute habe ich mir erst einmal eine Stricktasche genäht. Sieht aus wie ein kleiner Kulturbeutel. Morgen muss ich noch ein Bisschen mit der Hand nähen, dann fotografiere ich das Teil und poste es. Und dann hat eine Kollegin Einkaufsbeutel bei mir bestellt – da gibt es so tolle Stoffe! – wann soll ich da noch stricken? Ins Blog möchte ich ja auch noch schauen. Wahrscheinlich muss ich mich krankschreiben lassen, um all das zu schaffen 😉
      Eine Gute Nacht wünscht
      Elvira

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