Philosofix

Im letzten Jahrhundert – das hört sich so herrlich altalt an – gab es in Berlin-Charlottenburg  einen Frauenschreibwettbewerb. 1998 und 1999 gab Birgit Jochens die Wettbewerbsbeiträge in Büchern heraus, die hießen: „Durch die kalte Küche“. In der Remise des Ägyptischen Museums wurden die Preise vergeben. Vorher durften die Teilnehmerinnen, die es in die letzte Runde geschafft hatten, ihren Beitrag vortragen. 1999 gehörte ich dazu. Ich erinnere mich sehr genau, wie ich da am Rednerpult stand und mit zitternder Stimme mein Gedicht vorgelesen habe, das ich doch in und auswendig kannte. Zu den ersten drei Preisträgern gehörte ich dann nicht, aber das hat meinen Stolz auf meinen „Mut“ nicht gemindert.

Hier nun mein Beitrag:

PHILOSOFIX

ein X verlässt sein alphabet
was keiner dort so recht versteht
„was du da machst, das ist verkehrt
gemeinsam nur sind wir was wert“

als drittjüngstes kind
schlägt es die mahnung in den wind
es wandert in die welt hinaus
und löst ein großes chaos aus

„das X ist los, das X ist los“
manch beine finden das famos
„tät das gleiche doch das O“
seufzen andre hoffnungsfroh

im bund die lachende dritte
ist die zänkische xanthippe
„endlich hab ich meine ruh
blödes X – weg bist du
doch zickig bleib ich weiterhin
auch wenn ich ohne namen bin“

die heXe ist total geschafft
das X nimmt ihr die zauberkraft
moritz muss von maX sich trennen
niemand wird ihre streiche kennen

die schweine laufen froh umher
keiner grillt ihre haXen mehr
traurig aber ist der clown
wer mag ihn ohne faXen schon

die miXer werden arbeitslos
was macht die arme niXe bloß
Xaver, X-mas, Xylophon
alle wären schnell verlorn

Y- ohne X-chromosom?
da nutzt auch nichts der papst in rom
es gäb uns menschen einfach nicht
wär die moral von der geschicht

dem X wird klar, das darf nicht sein
und brav reiht es sich wieder ein
denn des menschen verstand
erst unser alphabet erfand

©Elvira V.

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3 Antworten zu Philosofix

  1. valentiner schreibt:

    Schöne Idee. Hat mir gut gefallen.

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Mensch, ist das reizend – ich hätte auf Anhieb auch nicht gedacht, dass es so viele „wichtige“ Begriffe mit x gibt. Mein vorhergehendes Auto, das ich immerhin 13 Jahre fuhr, hieß „Maxx“ – nicht auszudenken, wenn er nur „Ma“ geheißen hätte.
    Ich mag ja Wortspielereien sehr und deswegen hast du mir damit eine große Freude gemacht.
    Herzlich Clara

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