Wortbeflügler: Träne

Valentiners heutiger Wortbeflüger:

Die Träne

Als er sein Gesicht sah, das sich in ihrer Träne widerspiegelte, erschrak er. Er vergaß, sich zu entschuldigen, flüchtete vor dem, was er gesehen hatte. Wie schon einmal.

Damals vor seinem Vater, um sich zu befreien, diesmal vor dessen Ebenbild, um sie zu befreien.

© Valentiner

Ich dachte da an folgenden Dialog:

Das ist jetzt aber nicht Dein Ernst, oder?

Warum?

Weil Stefanie jetzt  das Bett mit Dir teilt, bist Du ihr wohl einen Gefallen schuldig?

Mit Steffi hat das überhaupt nichts zu tun!

Und warum willst Du dann ihren Vater in die Staffel schreiben?

Er hat einfach eine Chance verdient.

Der Typ schmeißt doch sämtliches Timing über Bord. Ganz zu schweigen von seiner ewigen Besoffenheit.

Das kannst Du nicht sagen! Du hast ihn doch auch schon ewig nicht mehr gesprochen.

Das muss ich auch nicht, nur  um zu wissen, was uns da blühen würde. Wie stellst Du Dir das überhaupt vor? Bisher war nie von einem Vater die Rede?

Na, ja, ich dachte an einen Konflikt zwischen Jochen und seiner Mutter. Der eskaliert in einen Streit. Jochen verliert die Beherrschung und hebt die Hand gegen Eva. Die steht einfach da – die Szene könnte in der Küche spielen –  und beginnt stumm zu weinen. Fassungslos. Als Jochen ganz nahe vor sie tritt, immer noch wütend, hält er plötzlich inne.

Ich glaube nicht, dass Du das wirklich gerade sagst!

Doch! Und dann Großaufnahme auf eine Träne, verzerrt sieht Jochen sein Gesicht gespiegelt, plötzlich brechen alte Wunden auf, sein Gesicht verwandelt sich in das seines Vaters, Erinnerungen überschwemmen ihn, wie sein Vater die Mutter schlug oder so etwas in der Art. Erschreckt rennt er aus der Küche. Und da setzen wir an. Da könnte Steffis Vater in die Szene kommen.

Soll er jetzt plötzlich in der Küche erscheinen?

Natürlich nicht! Aber wir könnten Jochens Erinnerungen filmen, ihn seinen Vater suchen lassen, das gäbe unendlich Stoff für neue Folgen. Wir könnten ein naues Zielpublikum ansprechen. Die Menschen werden älter. Auch unsere Zuschauer. Stell Dir mal das Wahnsinnspotenzial vor.

Ich stell mir jetzt erstmal nichts vor. Meinetwegen schreib ein paar Ideen auf, aber auf keinen Fall, hörst Du, auf keinen Fall bekomt Steffis Vater diese Rolle – falls wir das überhaupt bei den Produzenten durchbringen können. So, ich muss jetzt  ins Studio.

Denk noch mal drüber nach, ja?

Ciao!

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2 Antworten zu Wortbeflügler: Träne

  1. valentiner schreibt:

    Ich wiederhole mich hier einfach mal:

    Vielen Dank, Elvira! Ich bin ganz hin und weg. Schreibst du das Drehbuch noch fertig und sagst mir, wann der Film Premiere hat? Bin schon ganz gespannt! 🙂

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  2. Ach weißt Du, im Kleinen mags ja noch reichen, aber fürs große Schreiben eher nicht. Ist aber auch nicht schlimm – weil das hier einfach Spaß macht! Meine Kinder sagen immer, ich hätte die Geschichten, die ich Ihnen früher vor dem Zubettgehen erzählt habe, aufschreiben sollen. Aber das ist wie mit dem Nähen: Nur das Spontane führt bei mir zum Erfolg.
    Es freut mich, dass Dir meine Beflügelung gefallen hat. Aber es sind ja auch tolle Vorgaben! Nur denke ich gerne um die Ecke!
    Liebe Grüße aus dem regnerischen Berlin,
    Elvira

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