Bargello

Es ist Sonntag! Schön! Draußen scheint die Sonne! Noch schöner! Ich sollte raus gehen, spazieren, radeln, joggen (ach, geht ja nicht, Knie ziemlich defekt), wenigstens auf den Balkon setzen. Jeder vernünftige Mensch würde das tun in Anbetracht der saisonalen Begebenheiten. Der Herbst packt schließlich schon die Reisetasche und wartet auf seinen Zug. Bin ich vernünftig? Im Großen und Ganzen schon, im Besonderen eher nicht. Und dieses Besondere ist der Bargello. Ich muss ihn endlich probieren. Kann doch nicht so schwer sein. Seit Wochen fesselt mich dieser Gedanke. Kein großer Bargello, auch kein unglaublich verschlungener, schon gar kein gespiegelter. Die gefallen mir auch nicht wirklich, obwohl sie natürlich von wahrer Kunst zeugen. Was für eine Kunst wollt ihr wissen? Also, was sollte das Hauptthema diese Blogs sein? Philosophieren? Schwätzen? Plaudern hier, plaudern da? Könnte man denken, denn das Hauptthema hat sich auf Nebenschauplätze verkrümelt. Nun ist es wieder da! Unter Fanfarenklängen betritt es die Bühne: Patchwork!

Wer wissen möchte, wie wunderschön ein Bargello sein kann, soll einfach den Begriff in seine bevorzugte Suchmaschine eingeben und staunen. Es sind genähte Kunstwerke.  Man muss sie planen. Stoffe aussuchen, mögliche Muster skizzieren , und wenn man sich entschieden hat, wie er aussehen soll, eine maßstabsgetreue Zeichnung anfertigen. Patcherinnen, die über eine spezielle Software verfügen, haben es da einfacher. Dieses Programm verfügt über eine schier unendliche Stoffbibliothek mit deren Hilfe sich jedes Projekt genauestens planen lässt. Ich gehöre zu der Kategorie der Nichtplaner. Für meinen kleinen und einfachen Bargello habe ich zunächst einmal Stoffe gekauft. Diese werden über die gesamte Stoffbreite in Streifen geschnitten. Jedenfalls theoretisch. Ich habe mir eine Jelly Roll gekauft. Was das schon wieder ist? Eine tolle Sache für Leute wie mich, die es hassen, Streifen zu schneiden. Denn eine Jelly Roll besteht aus fertig geschnittenen Streifen.

Die sehen in meinem Fall so aus:

DSC07602

Insgesamt sind es 2×20 Farben. Ich habe mich für diese 16 entschieden. Nachdem ich die Reihenfolge der Farben festgelegt hatte, habe ich die Streifen zusammengenäht. Das hört sich zwar einfach an, es müssen aber bestimmte Regeln eingehalten werden um ein perfektes – gutes reicht hier nicht! – Ergebnis zu erhalten. Die Streifen müssen immer abwechselnd von oben und unten aneinander genäht und die Nahtzugaben nach einem bestimmten Schema gebügelt werden.

Die fertige Fläche:

DSC07599

Jetzt komme ich ums Schneiden nicht herum. Diese Streifenfläche wird erneut in Streifen geschnitten. Diesmal in verschieden breite. Ich habe mir keine Skizze gemacht, hatte aber eine Vorstellung im Kopf. Also schnitt ich einfach los. Sehr, sehr sorgfältiges Schneiden ist hier ganz wichtig! Eine kleine Abweichung würde das ganze Projekt verderben. Nach drei Streifen habe ich immer überprüft ob der rechte Winkel noch stimmt. Wenn nicht musste ich korrigieren und einen klitzekleinen Korrekturstreifen abschneiden. Nachdem auf diese Weise viele neue Streifen vor mir lagen, konnte ich mit dem Musterlegen beginnen.

Vielleicht so?

DSC07606

Ich habe mich dann ganz anders entschieden. Um mit der Reihenfolge nicht durcheinander zu kommen, habe ich eine provisorische Designwand „gebastelt“, die Streifen mit Stecknadeln daran befestigt und Streifen für Streifen zu einem neuen Bild zusammengenäht. Jeden einzelnen musste ich vorab zu einem Ring zusammennähen, dann schauen, wie er an den Vorstreifen gehört und die Naht zwischen den entsprechenden Farben auftrennen. Hört sich kompliziert an? Ist es auch! Zwar nicht bei meinem kleinen und einfachen Bargello, aber bei den großen Kunstwerken ganz bestimmt.
Mein Top war schließlich fertig, ich mit dem Ergebnis zwar zufrieden (habe wirklich ziemlich sorgfältig genäht, die paar kleinen Ungenauigkeiten fallen später nach dem Quilten sicher nicht mehr auf) – ABER das Ding ist mit seinen Maßen 65x76cm eindeutig zu klein!!!

DSC07608

Darum werde ich die anderen 16 Farbstreifen erneut zu einer Fläche zusammen nähen und weitere Streifen in verschiedenen Breiten zuschneiden. Mal sehen, an welcher Seite ich meinen Bargello wie weiterwachsen lassen werde.
Jetzt musste ich aber erst einmal eine Pause machen, Fotos auf die Festplatte laden, verkleinern und in verschiedene Ordner speichern, bei Picasa hochladen (da gibt es alle Nähprojekte ohne viel Text in kompakter Form), mein Blog aus der Sonntagsruhe holen, andere Blogs besuchen, Hallo sagen, und dann endlich die erste Hälfte meines Bargellos einstellen.

Und jetzt? Jetzt besuche ich meinen Enkel Emil – und natürlich seine Eltern 😉

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13 Antworten zu Bargello

  1. minibares schreibt:

    Wow, ich bin platt!
    Was aus solchen Streifen doch werden kann, du hast Recht, es sind Kunstwerke, wunderschön!
    Ich bin begeistert.
    Ist aber eine ganz schön knibblige Arbeit, denke ich.
    Viel Freude mit Emil und seinen Eltern 😉

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  2. fudelchen schreibt:

    Raus in die Sonne, arbeiten kannst du später…Workoholic 😀

    GLG Marianne 😆

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    • Ach, die nächsten 14 Tage werden arbeitsmäßig schlimm, da weiß ich nicht, ob ich zum Weiternähen kommen werde. Darum musste das heute einfach sein! Die Sonne scheint nächstes WE hoffentlich auch wieder. Dann geht es wirklich raus. Versrochen! Dickes Indianerehrenwort!

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  3. Barbara schreibt:

    Einfach Klasse deine Arbeiten. Mal ganz herzliche Grüße hier lass, Barbara

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  4. Bis jetzt bin ich mit dem Bargello ganz zufrieden. Weiß nur noch nicht wie ich den Rand arbeiten könnte. Ein schmaler schwarzer Rand bringt die Farben zum Leuchten, darum vielleicht einen breiteren in einem Violettton – oder umgekehrt? Fragen über Fragen. Nur wie ich ihn quilte, das weiß ich schon.

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  5. Frau Momo schreibt:

    Ich kann das nur bewundern. Ich hätte weder die Geduld noch das Talent für sowas. Ich hab eine Patchworkdecke auf unserem Sofa liegen, ich liebe sowas ja, aber selber könnte ich das nicht.

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  6. Gudrun schreibt:

    Ich bewundere deine Ausdauer und Geduld. Meine Güte, ein schönes Stück ist da entstanden. Es bringt Farbe in jede Wohnung.
    Mir geht es da wie Frau Momo. Ich bräuchte einen Lehrer mit Stahlseil-Nerven. Ich glaube, so dicke Nerven hat keiner.

    Liebe Grüße von der ungeduldigem zappeligen,…. Gudrun

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    • Gerade verlässt mich meine Geduld, denn ich finde einfach in keinem meiner Onlineshops den passenden Randstoff. Ich glaube nicht, dass Du ungeduldig bist. Deine Malerei erfordert doch einen sehr scharfen Blick, eine ruhige (von wegen zappelig!) Hand und auch sehr viel Geduld. Farben müssen doch erst trocknen bevor es weiter gehen kann.
      Liebe Grüße
      Elvira

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  7. NixZen schreibt:

    Great! hier ein spannender Link für dich:
    http://www.museum-waeschefabrik.de/Aktuelles.html

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  8. NixZen schreibt:

    immer gern

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