Plötzlich war da ein Bett

Es heißt, die Haut würde einen Sonnenbrand nie vergessen, egal, wie wieviel Zeit seither vergangen ist. In unserem Langzeitgedächtnis wird alles fein säuberlich in diversen Ordnern archiviert. Gut, wir haben vielleicht nicht immer darauf Zugriff, manchmal sind wir dermaßen offline, dass uns Namen von Menschen entfallen, mit denen wir sehr oft zu tun haben. Aber wenn wir tagein, tagaus durch unsere Wohnung laufen, müssten wir uns doch selbst bei Dunkelheit gut zurecht finden, oder? Ich meine, wenn ich mal nachts aufs Klo muss, finde ich das unbeschadet auch ohne Notbeleuchtung. Meine Füße wissen also, wo sie langzugehen haben, b.z.w. bekommen die passende Ansage irgendwo aus den Tiefen meines Hirnes.
Gestern früh plötzlich schickt es ein Signal an den linken Fuß: Stop!!! Aber zu spät, der Fuß war schneller. Und schon ist es passiert. Der Zeh gleich neben dem kleinen donnert mit aller Wucht gegen ein Bettbein, das offensichtlich gestern und vorgestern und die Wochen, Monate, Jahre vorher nicht da gewesen sein kann. Oder die Erinnerung daran war gerade mit etwas anderem beschäftigt. Oder der Fuß vorlaut. Wer weiß?
Jedenfalls vermutete  mein Chef, dass der Zeh gebrochen sein könnte. Die Farben sprächen Bände. Also hat eine Kollegin die letzten drei Zehen zwangsvereint. Der lädierte war somit ruhig gestellt.
So fuhr ich humpelnderweise in die Kita, um meine Enkeltochter abzuholen. Meine Schwiegertochter ist gerade dienstlich nicht im Lande, mein Sohn wollte zu einem Richtfest und ich mich mit Laura vergnügen. Ich sollte sie abholen, mit ihr nach Hause fahren und bis heute früh dort bleiben.
Um 15:00 wollten wir uns in der Kita treffen, damit mein Sohn mich den Erziehern der neuen Gruppe vortellen und die Räumlichkeiten zeigen konnte. Übrigens, ihr erinnert euch an den Pinguin-Rucksack ?

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Sie trägt ihn mit solch einem Stolz, das freut mich natürlich.
Wir fanden eine tolle Lösung. Ich blieb einfach in der Kita (die Erzieher hatten nichts dagegen), Laura zeigte mir ganz stolz die ganzen Spielgeräte, wie hoch sie schon klettern und wie toll sie alleine Treppen vorwärts runtergehen kann. Eine Stunde verbrachten wir noch auf der wunderbaren Freifläche.
Als mein Sohn die Kleine zwei Stunden später abholte, hatten wir wirklich viel Spaß miteinander gehabt. Meinen kaputten Zeh hatte ich fast vergessen.
Laura wurde schließlich mit zum Richtfest genommen. Einige Bahnsstationen konnten wir gemeinsam fahren, dann stieg sie mit dem Papa aus. Es war das erste Mal, dass ich einen fetten Kuss von ihr bekam, das hat mich sehr gerührt. Und es war das erste Mal, dass noch eine ganze Weile lautes Drama war, als sie begriff, dass Oma in der Bahn weitergefahren ist. Mein Sohn hatte lange zu tun, sie zu beruhigen, immer wieder rief sie nach Oma. Erst ein Obststand lenkte sie ab, da änderte sich der Ruf in Mone, Mone, was so viel heißen soll wie „Ich will jetzt Melone“. Leider ging das nicht, es gab nur ganze Melonen. Na, gut, wird sie sich gedacht haben, dann muss eben Oma her. Also wurde wieder nach mir gejammert. G.s.D. standen an einer Ecke Straßenmusikanten. Die haben die Lütte dann ganz ablenken können, wofür es eine Dankbarkeitsspende meines Sohnes gab.
Und mein Zeh? Tapeverband habe ich heute abgenommen. Er schmerzt nicht mehr so wie gestern. Wenn ich gleich in die Praxis gehe, werde ich ihn aber erneut tapen lassen.
Und die Moral von der Geschicht? Gibt es nicht!

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13 Antworten zu Plötzlich war da ein Bett

  1. Eva schreibt:

    Eine schön „unmoralische“ Geschichte. 😉 Weiter gute Besserung für Deinen unachtsamen Zeh.

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  2. Frau Momo schreibt:

    Ach immer diese Teile, die so plötzlich im Weg sind und garantiert da nicht schon seit Jahren still und stumm am selben Platz verweilen 🙂
    Heute bin ich allerdings mal damit beschäftigt, Dinge wegzuräumen, die nicht dahin gehören, wo sie gerade liegen 😦
    Gute Besserung Du Arme. Zum Glück wirst Du ja ärztlich sofort gut versorgt.

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  3. monisertel schreibt:

    Endlich mal eine Leidensgenossin, ja , ich bin auch so eine immer-wieder-dieZehen-Anstosserin!!!! Da hilft nichts, das ist schlechtes Zehen-Karma! 🙂
    Gute Besserung und lieben Gruß
    moni

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  4. april schreibt:

    Na so was?! Das braucht man aber gar nicht. Gute Besserung für deinen Zeh und einen Tritt für das blöde Bettbein. (Ich würde es absägen – zur Strafe).

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  5. Absägen wäre o.k., einen weiteren Tritt könnte ich höchstens noch mit rechts ausführen, aber ich glaube, da würde ich den kürzeren ziehen.

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  6. mayarosa schreibt:

    Aua. Ich spüre es quasi nochmal wieder. Zwischen meine Zehen hat sich vor zwei Jahren auf Hiddensee schmerzhaft ein Stuhlbein geschoben. Gute Besserung für deinen Zeh!

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  7. Manfred F. schreibt:

    Aua! Kann den Schmerz gut nachempfinden.Hatte im Frühjahr ähnliches gehabt. Passiert in der Regel nur Abends bzw. im dunkeln.Gute Besserung. Pass bloß auf das dir niemand auf den Fuß tritt. Das tut dann sehr weh. Wahrscheinlich wirst Du dann nicht alleine Schmerzen haben! Alles Liebe. Der kleine Bruder.

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    • Es war morgens. Es war hell. Und ich war wieder mal spät dran. Statt am Abend davor alles für Mittwoch zusammen zu suchen, muss ich das natürlich auf den letzten Drücker machen. Aber er ist nicht gebrochen, da hatte ich Glück, Anders als Du.
      Auch Dir liebe Grüße aus dem heißen Berlin!
      Deine große Schwester – damit Du weist wie es hier heute war und noch ist, stell ich mal schnell ein Lied für Dich ein

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  8. Der Emil schreibt:

    Ähm. Ich weiß ja nicht, ob es an der Verkleinerungsaktion liegt oder ob Du nur noch nicht ganz fertig bist, aber hier ist das Bild verschwunden …

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    • Elvira schreibt:

      Danke, Emil! Habe ich wieder eingefügt. Ich habe etliche Beiträge und auch Fotos gelöscht. Leider weiß ich nicht so genau, in welchen Artikeln ich diese Fotos auch noch veröffentlicht hatte.

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