Freude und Trauer

liegen oft so nahe beieinander.

Große Freude hat mir heute der Besuch im Bode-Museum bereitet. „Gesichter der Renaissance“ mit einstündiger Führung. Der ehemalige Abijahrgang meines Mannes trifft sich sehr regelmäßig. Jedes Mal wird etwas besonderes gemacht. Liebermann-Villa, Museum der Dinge, Haus der Wannseekonferenz, Stadtrundfahrt auf dem Wasser – und heute diese wunderbare Ausstellung. Durch die gebuchte Führung mussten wir keine drei bis vier Stunden anstehen, sondern konnten zügig das Museum betreten. Dieses Mal waren Familienangehörige gerne gesehen. Das minimierte den Preis für die Führung erheblich (80,00€ für eine Stunde/Gruppe).

Ohne diese Führung wäre uns als Laien viel unbekannt geblieben. So viele Antworten auf Fragen, die sich mir ohne Führung nicht gestellt hätten. Wer hätte sonst die Augenstellung eines Mannes besonders beachtet? Er schaut durch halbgeschlossene Augenlider nach unten. Ist er müde? Zeigt er Demut? Weit gefehlt: Der Portraitierte war bereits gestorben, als sein Konterfei für die Familie gemalt wurde. Warum hat die Dame mit dem Hermelin (übrigens das einzige Gemälde, das bewacht wurde) eine so große Hand? Warum wurden die Frauen Anfang des 15. Jahrhunderts nur im Profil abgebildet? Erst zum Ende dieser Periode enstanden auch Gemälde, die Frauen im 3/4-Portrait zeigten. Etwas, das bei Männern schon weit früher üblich war. Warum schauen alle so ernst?

Die Führung war auch von der Akkustik sehr angenehm. Trotz einer relativ hohen Geräuschkulisse konnten wir dank moderner Kommunikationstechnik den Ausführungen unserer Führerin über Kopfhörer gut folgen. Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal diese Ausstellung zu besuchen und mir dann mit einem Audio-Guide alles in aller Ruhe anzusehen und anzuhören. Als ich gegen 14:00 Uhr das Museum verließ, war die Warteschlange beachtlich geschrumpft – und 1 bis 1,5 Stunden Wartezeit werde ich schon überstehen.

Schwerer zu überstehen ist die Mitteilung von Freunden, dass sie wegziehen. Nicht weit weg, nein. Aber sie wohnen (noch ) im gleichen Haus wie wir. Wir haben zwei Jahrzehnte  mal enger, mal weniger eng, miteinander verbracht, Freud und Leid geteilt, Kinder groß werden und ausziehen sehen….ach, ich bin wirklich sehr, sehr traurig! Es ist wie ein vorgezogener Tod.

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11 Antworten zu Freude und Trauer

  1. fudelchen schreibt:

    Ihr könnt euch doch öfter besuchen, wenn es nicht weit ist.
    Manchmal muß man sich trennen, das ist im Leben oft so.

    Nicht traurig sein!!

    Herzlichst ♥ Marianne

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  2. NixZen schreibt:

    ich kenne das Gefühl…

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  3. kreadiv schreibt:

    Aber so wie es war als Nachbarn in einem Haus wird es nicht mehr. Es wird auf alle Fälle anders.

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  4. Frau Momo schreibt:

    2 Jahrzehnte sind eine lange Zeit und gute Nachbarn einfach kostbar. Da kann ich schon verstehen, das Du traurig bist.

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  5. Gudrun schreibt:

    Ich kann dein Traurigsein verstehen, liebe Elvira. Mir ging es damals auch so, als meine Freundin, die im gleichen Haus in Grünau wohnte, weg zog. Ganz weit weg, nach Frankfurt.

    Liebe Grüße an dich

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  6. april schreibt:

    Da müsst ihr euch aber sehr eng verbunden sein, wenn das so traurig ist. Aber sieh mal das Gute: sie sind nicht weit weg. Das wäre viel, viel schlimmer gewesen.

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  7. mayarosa schreibt:

    Ich wünsche dir, dass sich eure Nachbarschaft in eine angeheme Freundschaft wandelt. Und dass angenehme neue Nachbarn einziehen. Dann wäre der Verlust über die Zeit gesehen vielleicht auch wieder ein Gewinn an angehmen neuen Menschen in eurem Leben.

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  8. mayarosa schreibt:

    angenehme muss es natürlich heißen

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  9. Elvira schreibt:

    @ all: Diese Freundschaft war schon sehr eng – in letzter Zeit hatte ich sie ein wenig vernachlässigt. Das macht das Traurigsein nöch größer. Ich hatte mich aber von allen etwas zurückgezogen und mehr Zeit an der Nähmaschine und hier im Netz verbracht. Aber so ist das Leben eben! Altes geht, Neues kommt. Schaun wir mal!

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  10. Eva schreibt:

    Liebe Elvira, ich kann Deine Trauer nachvollziehen, denn viele unserer besten Freunde sind zwischenzeitlich aus der Enge des dörflichen Landlebens geflüchtet.
    Manche Freundschaften sind mit der Entfernung gewachsen, andere wiederum kamen abhanden.
    Bei ersteren sind die Treffen zwar selten, aber dann doch so vertraut, als hätte man sich gestern erst gesehen – das ist immer wieder wunderbar und das wünsche ich Dir und Deinen (Noch-)Nachbarn auch.

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    • Elvira schreibt:

      Da bleibt es abzuwarten, wie es bei uns geht. Irgendwann hatte ich eine Studie gelesen, dass die Anzahl der Freundschaften im Leben ziemlich konstant bleibt. Es gäbe nur einen schleichenden Wechsel zwischen den Freundschaften, so ca. alle sieben Jahre. Und, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich auch schon oft an einen Umzug gedacht – weil mir für uns beide diese Wohnung einfach zu groß (und teuer) wird. Nur der zu Fuß erreichbare Arbeitsplatz (null Fahrkosten!), das Grün drumherum, die relativ gute Nachbarschaft und die Tatsache, dass kleinere Wohnungen mittlerweile fast unser Mietpreisniveau erreicht haben, hielten uns davon ab. Aber mit zunehmenden Alter und sicher damit einhergehenden Beschwerden, werden wir uns über kurz oder lang intensiver damit auseinandersetzen müssen.

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