Sonntagsgedanke ist nicht selbstgedacht

Auch wenn der Autor sein Gedicht „Advent 2010“ nannte, passt es auch für 2011 und überhaupt!

Advent 2010

Und wiederum ist es Advent,
am Kranz die erste Kerze brennt,
und mir kommt es nicht in den Sinn,
warum ich deshalb traurig bin.
Wie hatten wir vor langer Zeit,
uns so auf Weihnachten gefreut,
wo sich die Oma hat getraut,
und selbst das Spielzeug hat gebaut,
dazu gab´s Sterne mit vielen Zacken,
und das dazu noch selbstgebacken,
dazu Kakao und Schokolade,
das gibt´s heut nicht mehr, ach wie schade.

Und wie ich hier so traurig sitz,
durchfährt es mich grad wie ein Blitz.
Es könnte doch, so fällt mir ein,
noch einmal so wie früher sein.
Und aus ist es sofort mit rasten,
ich wühle schon im alten Kasten,
und ein Rezept find ich dabei,
von dieser Hirschhornbäckerei,
die uns als Kinder so geschmeckt,
und die heut kaum mehr einer bäckt,
und während ich so weiter schau,
da find ich Formen, alt und grau,
die wir mit heißer Masse füllten,
und dann im Schnee gleich wieder kühlten,
und die schlussendlich ganz und gar,
die beste Schokolade war.

Und so hab ich ganz unverdrossen,
für diese Weihnachten beschlossen,
ich will mein Feuer neu entfachen,
und wieder Schokolade machen,
die ich verschenk zur Weihnachtszeit,
als Hoffnung gegen Einsamkeit,
und jeder der eins haben will,
bekommt ein Stück, das ist nicht viel,
doch wenn´s auch nur einmal gelingt,
dass dieses Stück wem Freude bringt,
dann ist ein kleiner Schritt passiert,
der dadurch gleich viel größer wird,
kommt noch ein kleines Stück dazu,
und dieses kleine Stück schenkst du,
denn wichtig, wie viel man auch schenkt,
ist nur, dass jemand an dich denkt.

Nun sitze ich beim Kerzenschein,
und muss jetzt nicht mehr traurig sein,
ich hab´s geschafft und sag´s geschwind,
ich fühl mich wieder wie ein Kind.

Autor: Ewald Reiter

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16 Antworten zu Sonntagsgedanke ist nicht selbstgedacht

  1. fudelchen schreibt:

    Das ist toll und paßt so gut, denn früher war vieles anders. Kann mich noch daran erinnern, wie mein Vater Amerikaner gebacken hat, mit Hirschhornsalz, das waren die leckersten Amerikaner, die ich jemals gegessen habe.

    Liebe Grüße zu dir.

    Marianne ♥

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    • Elvira schreibt:

      Die habe ich auch gemacht! Und mit den Kindern Plätzchen gebacken, die bis Ostern reichten. In diesem Jahr ist es das erste Mal, dass ich nicht gebacken habe. Dafür habe ich heute doch mein Adventsgesteck reanimiert – es fehlte mir plötzlich etwas 🙂
      Ganz liebe Grüße auch an Dich!
      Elvira

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  2. Barbara schreibt:

    Ich liebe solche Gedichte. Gebacken hab ich dies Jahr *noch* nicht, denn es fehlt einfach die Zeit, leider, aber wer weiß. Auf jeden fall freu ich mich auf Weihnachten 😉 Mal ganz viele herzliche Grüße hier lass, Barbara

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    • Elvira schreibt:

      Ich backe dieses Jahr auch nicht, bis auf einen Kuchen zum 2.Feiertag. Da gehen wir zum älteren Sohn und Familie. Und da in diesem Jahr bei uns nichts stattfindet, werde ich den Kindern wenigstens das Backen eines Kuchens abnehmen. Oh, oh, zum Rezeptraussuchen ist ja auch nicht mehr wirklich viel Zeit.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  3. Eva schreibt:

    Na, wenn das Gedicht mal keine Lust auf Selbstgemachtes macht. Der Advent hat noch ein paar Tage.

    Ich bin dieses Jahr mit der Weihnachtsbäckerei und -deko später dran als sonst. Zwar ist das erste Blech Kekse schon leer gegessen, doch es fehlen noch Leckereien, die bis zum Fest gut versteckt werden. Aber der Advent ist ja eine Zeit des Wartens und so kommt bestimmt noch Tag für Tag ein kleines Stück Weihnachtszauber ins Haus.

    Schön, dass Du Dir nun doch mit dem Adventsgesteck das Licht ins Haus holst.
    Ich wünsch Dir eine schöne Zeit
    Eva

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  4. NixZen schreibt:

    Eigentlich sehr schön, aber es steckt auch etwas menschentypisches drin. Die Sehnsucht nach der heilen Vergangenheit, die manchmal nicht unbedingt so heile war. Anstatt zu schauen, warum wir uns in der Gegenwart traurig fühlen schauen wir zurück und suchen die heile Welt, die Schokolade in unseren Erinnerungen.
    Warum ändern wir nicht gegenwärtig was uns traurig macht?
    Ich möchte mit dem Kommetar keine Adventskerze auspusten, sondern eher noch eine anzünden.
    „Aus der Zeit wollt ihr einen Strom machen, an dessen Ufern ihr sitzt und zuschaut, wie er fließt.
    „Doch das Zeitlose in euch ist sich der Zeitlosigkeit des Lebens bewußt
    Und weiß, daß Gestern nichts anderes ist, als die Erinnerung von Heute
    und Morgen der Traum von Heute.
    Khalil Gibran, Der Prophet“

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    • Elvira schreibt:

      Es ist die Sehnsucht des Kindes im Erwachsenen, denke ich. Nicht die Sehnsucht nach einer heilen Vergangenheit, sondern eher der Wunsch, noch einmal wie ein Kind zu fühlen. Meine Kindheit war nicht wirklich berauschend, aber Weihnachten war etwas ganz Besonderes. Friede, Freude, Eierkuchen war da zwar auch nicht vom Aufstehen bis zum Abend, aber diese Gemeinschaft unter uns Geschwistern, die Spannung, das Üben der Gedichte und Lieder, die verschlossene Wohnzimmertür – und was wohl der wichtigste Sehnsuchtsfaktor ist: Wir waren noch vollständig! Am 28.12. jährt sich der Todestag meiner Mutter zum zweiten Mal, mein jüngerer Bruder ist schon länger tot. Ein Bruder lebt auf den Kanaren, ein anderer auch nicht hier in Berlin. Auch wenn ich Dir vom Kopf her voll zustimme, meine Seele spricht aber gerade eine andere Sprache.
      (Buchstaben habe ich ergänzt ;-))
      Ich schicke Dir herzliche Grüße!

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  5. Gudrun schreibt:

    Liebe Elvira,
    du hast mir ein Gedicht aufgeschrieben zum blauen Teddy. Ist das von dir? Oder kannst du mir einige Zeilen schreiben. Du kannst das so gut. Wenn das Bild fertig ist, dann würde ich den Text gerne daneben setzen. Der blaue Teddy hat nämlich ein Säbelchen, mit dem er die Traummonster verjagt. 😀

    Liebe Grüße und eine schöne besinnliche Adventszeit.

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  6. Frau Momo schreibt:

    Man sollte sein inneres Kind nicht nur zum Advent beachten….. aber vielleicht für viele die einzige Möglichkeit, es überhaupt wahrzunehmen.

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  7. Valentiner schreibt:

    Ein schöner Blick zurück, auch wenn er nicht meinem Empfinden entspricht. Weihnachten ist für mich mit schönen Erinnerungen verbunden, lange vergangenen und kürzlichen, aber ich vermisse nichts, obwohl oder vielleicht gerade weil die Adventszeit für mich kaum aus dem Alltag heraustritt.

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    • Elvira schreibt:

      Da hast Du es ja wirklich gut! Ich meine mit dem nichts vermissen. Dass der Advent kaum aus dem Alltag heraustritt, finde ich etwas schade. Aber da spielen ja viele verschiedene Faktoren eine Rolle.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  8. giselzitrone schreibt:

    Grüsse dich mal wunderschönes Gedicht und so passend Plätzchen habe ich schon gebacken für meine Engelkinder macht ja auch spass ist aber auch viel Arbeit.Wünsche dir noch eine schöne vor weihnachtliche Woche und liebe Grüsse Gislinde.

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