Bekiffte Mäuse

Mein Mann hat vor einigen Jahren ein Abo geschenkt bekommen für die Zeitschrift „Kakteen und andere Sukkulenten“. Er liebt alle Pflanzen und kann sich an bestimmten Gartensendungen, hervorheben möchte ich an dieser Stelle „Queerbeet durchs Gartenjahr“, nicht satt sehen. Wir haben keinen Garten, aber das muss die Leidenschaft nicht schmälern. In seinem Zimmer hat mein Mann ein besonders tiefes Fensterbrett konstruiert, auf dem seine Kakteen und Sukkulenten ein recht nettes Leben haben.

In der letzten Ausgabe der Kakteenzeitschrift bedauert auf der ersten Seite ein Herr L. das Abholzen großer Teile Regenwald in Malaysia. Das Geld, das mit dem Holz verdient wird, wird u.a. in Schulen investiert.  In Mexiko erlebte er, wie die armen Bauern wunderbares Kakteenland umackern, um ein paar steinige Felder zu gewinnen.

Auf der letzten Seite  verwünscht Herr L. seine  ureigensten Überzeugungen: Achtung vor der Natur, Schutz der Kreaturen. Denn in seinem Gewächshaus hatten sich Mäuse an diversen Kakteen und Sukkulenten gütlich getan. Nun ist es wohl so, dass diese Gewächse geringe psychedelische Inhaltsstoffe haben und die Mäuse sich offensichtlich einen Rausch angefressen haben. Herr L. schreibt nun, dass er trotz seiner Achtung vor der Natur bekiffte Mäuse in seinem Gewächshaus nicht dulden wird. Das nur zum besseren Verständnis  des Leserbriefes, den mein Mann an das Magazin gemailt hat.

Ich möchte mich gern dem Wunsch von Herrn L. – s. KuaS Febr.2012 – anschließen, daß wir auch zukünftig außerhalb der KuaS die Wunderwelt der Natur betrachten können. Aber ich bin da sehr skeptisch.

So hätte der im Artikel „Aus der Redaktion“ zitierte Tourismusmanager aus Malaysia sagen können:“ Wo sind bei Euch in Deutschland die flächendeckenden Wälder mit Wisenten, Bären und Wölfen und die ausgedehnten Auenwälder mit Bibern und See- und Fischadlern? Die gibt es nicht mehr, genauso wie es die großen Moore mit heimischen Orchideen nicht mehr gibt.

Wenn wir über Deutschland fliegen, sehen wir nur Felder, Felder und nochmals Felder. Ganz selten hat man kleine Buschreihen als Refugium für allerlei Getier gelassen. Ferner sehen wir Wälder in Monokultur für den Borkenkäfer ohne Luchs und Wildkatze.

Es kommt noch schlimmer. Große Weideflächen, aufgekauft von Investmentsfonds als Spekulationflächen für Biodieselanbau – sprich Mais u.ä. – oder als rentable Flächen für riesige Solarparks, läßt man f ü r   s p ä t e r brach liegen. Lebensmittel und Holz, aber auch Boden, sind Gegenstand von Spekulationen geworden. Die Milchbauern, die gestern noch die Weideflächen gepachtet hatten, müssen heute ihre Milchkuhbestände drastisch reduzieren.

Vielleicht holzen eben diese Spekulanten gedankenlos auch die wunderbaren Regenwälder in Malaysia ab. Wobei: gedankenlos scheinen sie mir gar nicht zu sein; sie haben nur eine andere Sicht auf die Dinge.

Aber trösten wir uns; wenn der letzte Mensch die Erde verlassen haben wird, werden die Sukkulenten sich neu und schön entwickeln……und die Mäuse werden sich nicht mehr in unseren Treibhäusern bedienen müssen.

Aber dann gibt es wahrscheinlich auch keine Gründe mehr, um sich bekiffen zu müssen, möchte ich noch hinzufügen.

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20 Antworten zu Bekiffte Mäuse

  1. Hans-Georg schreibt:

    Heisst die Sendung wirklich „Queerbeet durchs Gartenjahr“ – mit 2 „ee“?

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    • Elvira schreibt:

      Na, ja, 1x2e reicht sicher 😉 Aber stell Dir vor, ich hätte statt am Anfang ein „e“ zuviel, am Ende des Wortes ein „t“ dazugemogelt, also querbett *lol*.
      Ich habe noch etwas, das ich merkwürdigerweise immer wieder korrigieren muss. Schreibe ich Wörter mit „ä“ haue ich davor fast immer noch ein „a“.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  2. april schreibt:

    Der Hans-Georg liest aber sehr aufmerksam 😉 und entdeckt die Freud’schen (?) Verschreiber.

    Nun, das mit der Monokultur, mit den Brachen hat sicher auch damit zu tun, dass die Nahrungsmittelproduktion diese ’seltsamen‘, diese menschenverachtenden Wege geht. Es ist nicht mehr rentabel, wenn nach der Natur angebaut wird. … Und letzten Endes werden wir alle krank.

    Ich möchte in der heutigen Zeit kein Bauer/Landwirt mehr sein. Die haben es bestimmt schwer. Vielfach ist es auch so, dass diese schwere Arbeit keiner mehr tun will. auf unseren ausflügen und Wanderungen sehen wir soviel landwirtschaftliche Flächen (auch Weinberge), die nicht mehr genutzt werden. Der Fluch der verdammten Globalisierung: wir führen es ein, irgendwoher, wo die Arbeitskräfte billig sind und die Umweltschutzbedingungen schlecht.

    Puh … ich wollte mich doch gar nicht mehr aufregen.

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    • Elvira schreibt:

      Nein, liebe April, nicht aufregen! Wir gehen doch schon kleine Schritte in die richtige Richtung. Und viele kleine Schritte führen auch ans Ziel. Ich persönlich musste nur begreifen, dass ich meine Erwartungshaltung reduzieren muss. Doch dann gibt es plötzlich solche Überraschungen wie diesen Leserbrief meines Mannes. Er war früher politisch sehr aktiv (es gibt in einem Buch ein Foto aus den 1960ern, auf dem man ihn als steinewerfenden Studenten bei einer Vietnamdemo sieht). Aber irgendwann resignierte er. Und nun schreibt er einen Brief, in einem Magazin, das nur wenige lesen, aber das ist egal. Denn er wurde wieder aktiv. Er hats sich auf – geregt!

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  3. Himmelhoch schreibt:

    … und dann gibt es leider auch keinen mehr, der so herrliche Leserbriefe schreiben kann. – Wie Ingrid schreibt, es ist sehr schwer, sich nicht aufzuregen. – Wenn ich nur 1 Prozent von dem Gewinn bekäme, könnte ich ganz Bloggershausen freihalten – aber wir bleiben ehrlich!
    Liebe Grüße an dich von
    Clara

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  4. mayarosa schreibt:

    🙂 Bekiffte Mäuse… oder doch eher Mäuse auf dem Tripp.
    Schönen Leserbrief hat dein Mann geschrieben. Und sehr weise. Danke für’s zeigen.

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  5. Frau Momo schreibt:

    Unsere Männer waren ja beide sehr kreativ im Schreiben. Dein Mann hat leider so Recht. Mit ein Grund, kein E10 zu tanken….. und auch sehr vorsichtig mit Palmfett zu sein, dafür wird nämlich ordentlich Regenwald abgeholzt.

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    • Elvira schreibt:

      Ich bin ja wirklich sehr gespannt auf die Reaktion der GEZ. Übrigens soll es durchaus Menschen geben, die selbige nicht zahlen. Was ich bei dem Fernsehprogramm durchaus nachvollziehen kann. Ähem: Liebes Google oder lieber sonstiger Kommentar- und anderedatensammler: WIR zahlen!! Denn wenigstens im Radio gibt es noch vernünftige Sender.

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      • Frau Momo schreibt:

        Für vieles würde ich gerne was abziehen von meiner Gebühr. Aber ich gucke doch gerne Sendungen wie Monitor, Panorama, Neues aus der Anstalt und Extra Drei. Wir gucken so gut wie nie private Sender, also ist das schon okay, zu zahlen. Phoenix gehört zu unseren Lieblingssendern.

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        • Elvira schreibt:

          Ich geb es ja zu – einiges sehe ich auch regelmäßig. Die Anstalt, Mitternachtsspitzen oder Programme von und mit Schramm& Kollegen. Allerdings sehe ich nie, wirklich nie, Serien. Nicht, weil die vielleicht alle doof sind, sondern weil ich einem Suchtfaktor unterliegen könnte (spreche da aus Erfahrung: Star Trek kenne ich alle!) Ich habe gerade eine DVD-Box Doctors Diary ausgeborgt bekommen und wie blöd bis spät – oder heißt es in dem Fall früh? – in den Morgen geschaut. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich alle Staffeln durch. Nun bin ich gerade etwas blöde im Kopf 😉

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  6. Gudrun schreibt:

    Im Nachbardorf gibt es einen Bauernhof, auf dem das Fleisch über einen Hofladen verkauft wird. Geschlachtet wird nach Vorbestellung, also nicht auf Teufel komm raus. Wenn ich mir nun ansehe, dass das Rindfleisch aus Argentinien weniger kostet als das einheimische, dann merkt wahrscheinlich jeder Erstklässler, dass da etwas nicht stimmt. Und dass es nicht daran liegt, dass der Bauer im Nachbarort nicht rechnen kann.
    In Richtung Lützen wird jetzt wieder ein Braunkohletagebau eröffnet. Früher gab es hier riesige Mischwälder. Und jetzt könnte ich noch über Schafwolle schreiben, die untergeackert wird, weil sie nicht so weiß und fein ist wie die aus der Massentierhaltung in einigen Ländern. Ach Mensch, ich will mich eigentlich auch nicht mehr aufregen, aber es gelingt mir nicht.

    Liebe Grüße von der Gudrun

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  7. Elvira schreibt:

    Wie ich schon auf Aprils Kommentar antwortete: Wir gehen eben kleine Schritte, liebe Gudrun. Und erst, wenn wir uns wirklich nicht mehr aufregen, können wir auch nichts mehr ändern.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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    • april schreibt:

      Wir machen auf jeden Fall weiter so – das weiß ich auch von euch allen. Viele kleine Schritte bringen was. Noch eine wichtige Sache ist – wenn immer sich eine Gelegenheit ergibt – sich mit Freunden, Bekannten, Nachbarn darüber unterhalten. Jeder, der nachdenklich wird, ist einer mehr.

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  8. Eva schreibt:

    Au wei, manchmal bin ich auch wie Herr L. und hebe den Zeigefinger, wo ich vielleicht erst mal vor der eigenen Türe kehren sollte. Wie Dein Mann sinngemäß schreibt, auf den jeweiligen Blickwinkel kommt es an.

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    • Elvira schreibt:

      Genau das ist das Probelm aller Menschen dieser Welt: Man sieht sozusagen den Wald voller Bäume nicht. Was wir für richtig erachten, muss für andere noch lange nicht richtig sein. Auch mir geht es eher so wie Herrn L. Mein Mann hat mich (zum Teil) eines Besseren belehrt.

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  9. Vallartina schreibt:

    Der Herr L. züchtet möglicherweise Peyote in seinem Gewächshaus (http://vallartina.wordpress.com/2010/05/20/die-huichol-eine-fast-vergessene-kultur/)
    Aber, dass Mäuse sich daran bekiffen dürfte selbst den peyote-Spezialisten in Mexiko nicht geläufig sein.
    Ja, es werden wir Menschen sein, die die Natur umbringen. Aber wer weiss, vielleicht sind wir bis dahin so mutiert, dass wir Steine essen können.
    LG

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