Sonntagsgedanke bildet

„Früher waren wir alle bildschön, heute ist nur noch das Bild schön!“

Ich liebe diesen Spruch. Gehört habe ich ihn das erste Mal, als wir mit zugezogenen Nachbarn Fotos schauten. Dabei war auch dieses Foto von mir als 21jährige Frau. Kurioserweise gefiel ich mir damals überhaupt nicht Jedenfalls entfuhr der Nachbarin ad hoc der zitierte Satz (dabei finde ich mich immer noch schön, nur älter schön). Merkwürdig, dass mir dieses Bild gerade jetzt einfällt, wo ich mich seit einigen Wochen mit dem Thema alte Menschen und Würde im Alter beschäftige. Eine meiner sehr alten Patientinnen trug immer ein kleines Fotoalbum bei sich. Wann immer es sich ergab, zückte sie dieses. Darin befanden sich nicht, wie man das von Frauen im Urgroßmutteralter erwarten würde, Fotos ihrer Kinder, Enkel oder Urenkel, sondern Zeugnisse ihrer Zeit als junge, ausgesprochen hübsche Frau. Es war ihr offensichtlich ein Bedürfnis, ihren jüngeren Mitmenschen zu beweisen, dass sie nicht als weißhaarige, faltige und leicht wunderliche (obwohl das ein Foto eher nicht bezeugen kann) Frau zur Welt gekommen war.

Also ihr Lieben dort in den unendlichen Weiten des world wide web: Sollte euch das Foto bekannt vorkommen, dann liegt es daran, dass ich es schon einmal in einem anderen Zusammenhang gepostet hatte. Aber damals schaute hier selten jemand vorbei. Darum muss ich es heute unter Beweis stellen, dass auch ich ein Leben vor dem Altsein gehabt haben werde ;-)

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17 Antworten zu Sonntagsgedanke bildet

  1. april schreibt:

    Wow! Das haut einen um, das Foto. Du warst nicht nur hübsch, sondern eine Schönheit. Dieser Blick, dieses angedeutete Lächeln. Aber ich bin überzeugt, dass jemand, der so schön war, es jetzt auch noch ist, nur älter, wie du es selber schreibst. Es ist sehr bedauerlich, dass manche nur junge Menschen schön finden.
    Diese alte Dame kann ich deshalb gut verstehen. Ich habe das auch mal gemacht, mit Fotos meiner Mutter. Ich hatte ihr einen (elektronischen) Fotorahmen geschenkt und den habe ich zu ihrer Heilpraktikerin mitgenommen, um zu zeigen, wie schön meine Mutter einmal war.

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  2. Elvira schreibt:

    Ich kann mich nicht daran erinnern, wie meine Mutter aussah, als ich noch Kind oder junge Frau war. Meine Erinnerungen werden gespeist durch die Fotos von ihr. Zwei Fotos, lange vor meiner Zeit, regten mich auch zu diesem Beitrag an: http://wp.me/s1frmn-hoppla
    Schönheit hat heute keine Bedeutung mehr für mich. Vor einem Zeitraum x, ich kann ihn wirklich nicht mehr genau benennen, begannen sich einige Dinge zu ändern. Ich lasse mich durchaus nicht gehen, aber ich schminke mich nicht mehr (oder nur noch zu wenigen Anlässen), meine Schuh- und Taschenleidenschaft ist erloschen, Garderobe kaufe ich nur noch, wenn es notwendig ist. Ich glaube, diese Veränderung ging einher mit einer sich ebenso verändernden Sicht auf meine Umwelt und dem, was unser Konsumverhalten für Folgen hat.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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  3. Himmelhoch schreibt:

    Elvira, ein sehr Gedanken-anregender Post von dir. Ich werde gleich daran gehen und den Beitrag für den 15. März noch ein wenig abändern – es ist der 97. Geburtstag meiner Mutter. Warum soll ich sie nicht zeigen in ihren wirklich schönen Jugendzeiten, als noch kein Krieg, keine Sorgen ihr Dasein belasteten.
    Mein „Schönheitsverständnis“ hat sich auch grundlegend geändert – für mich zählt schon noch eine gewisse Gepflegtheit, aber an oberster Stelle steht Natürlichkeit, nicht durch modischen Firlefanz herbeigerufenes Lob, sondern durch das, was aus dem Mund gesprochen wird, nicht durch den Stift, der die Lippen wundervoll verziert hat.
    Danke, das werde ich gleich tun.

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    • Elvira schreibt:

      Es gibt Frauen, deren Schönheit ich immer bewundert habe und noch tue. Ich nenne das mal zeitlose Schönheit. Diesen Frauen sieht man schon in jungen Jahren an wie sie in 40 oder 50 Jahren aussehen werden, und sind sie 70, weiß man, wie sie früher ausgesehen haben.
      Das hast Du schön gesagt: „…was aus dem Mund gesprochen wird, nicht durch den Stift, der die Lippen wundervoll verziert hat.“

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  4. mayarosa schreibt:

    Wirklich eine hübsche junge Frau. Ist es nicht komisch, dass wir in jungen Jahren oft so ungnädig mit uns umgehen? Ich hatte kürzlich Fotos von mir als Teenager in der Hand. Da hatte ich ’ne Topfigur und hielt mich für dick. Schräg ne.

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    • Elvira schreibt:

      Zeig mir die Frau, die je mit sich zufrieden ist. Und warum ist das so? Das wissen wir ja alle, nicht wahr? Trotzdem ändert sich das wohl nie. Wenn ich mir ansehe, was diese noch so jungen Mädchen schon an sich vergrößern lassen, welchen Diätwahnsinn sie betreiben, dann habe ich so meine Zweifel, ob Frau sich jemals ändern wird.

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  5. Wildgans schreibt:

    Ein weiter heiterer Kreis, von der Schönheit bis zu „Hier stinkt es, meine Damen!“
    Blog samt Kommentare=angenehmst zu lesen….zieht Gedankenkreise, die ich mit in den trüben Garten nehme, wo ich Platz mache für die neuen Blumen….
    Sonntagsgruß von Sonja

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  6. kreadiv schreibt:

    Elvira Lollobrigida, aber mindestens!!!! Toll!!! 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Andrea

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    • Elvira schreibt:

      Ich mochte dieses Bild auch sehr – wünschte mir nur, damals mehr Selbstbewusstsein besessen zu haben. Und irgendwie geht mir, seit dem ich das Foto gepostet habe, der Inhalt eines Schlagers durch den Kopf: Da singt ein Mann von seiner Freundin, die ihn wohl verlassen hat und die er wiedertrifft…du bist immer noch schön anzuschaun…kommt darin vor. Das lässt mir keine Ruhe – muss ich doch gleich mal ins Netz auf die Suche gehen.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  7. Eva schreibt:

    Ein hübsches und sympathisches Gesicht. Und soweit ich mich an Dein Walzerfoto erinnere, bist Du auch „immer noch schön anzuschaun“.
    Jungspund Ina Müller – die Norddeutsche mit der frivolen Klappe – hat ihr Ü40-Aussehen in einem Lied mit dem Titel „Orangenhaut“ verarbeitet. Der Refrain geht so:
    „Ich möchte nie wieder 18 sein, so niedlich, dumm und klein
    so ne kichernde Backfischbraut, die nervös auf den Nägeln kaut.
    Geklaute Meinung, verpeilter Stil, antiseptisch und steril.
    Lieber Orangenhaut als gar kein Profil.
    mmhhh – Ich hab lieber Orangenhaut, als gar kein Profil!“
    Vielleicht auch eine Art, mit dem älter werdenden Äußeren umzugehen.

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    • Elvira schreibt:

      Ich kann gar nicht so genau sagen, wann der Punkt erreicht war, als mir das Äußere nicht mehr so wichtig war. Genauso, wie ich den Zeitpunkt nicht benennen kann, ab dem ich mich erwachsen fühlte. Ich glaube, dass das alles fließende Übergänge sind.
      Ich denke oft an meine Tante Emma. Sie war eine gemütliche, alleinstehende und dicke Frau. Meistens saß sie in einer Eisdiele gleich um die Ecke ihrer Wohnung und spielte mit Nachbarn Karten. Ihre Oberarme schwabbelten, was mich als Kind ungemein faszinierte, genau wie ihre Pergamenthauthände mit den Altersflecken. Ich habe Tante Emma niemals schlechtgelaunt oder grantelnd erlebt. Aus heutiger Sicht würde ich neumodisch sagen, sie war eins mit sich.

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