Berührt

Aus verschiedenen Gründen gelang es mir in den letzten Monaten nie, ein Buch von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Obwohl ich mich in die Themen gut einlebte, ebbte das Interesse irgendwann ab. Entweder überflog ich die Seiten oder überblätterte ganze Kapitel. Ganz schlimm war auch die Ungeduld, das Ende endlich zu erreichen. Also las ich das erste Drittel und dann das Ende. Das waren wahrlich keine Lesegenüsse.

Und nun dieses Buch.  Eine Empfehlung und Leihgabe meines Sohnes. Fast 600 Seiten. Sollte ich wirklich ein weiteres Buch anlesen? Nun, ich bin seit fast drei Wochen krankgeschrieben. Zeit genug für ein Leseexperiment. Das Titelbild verstört etwas: Ein Mädchen tanzt offensichtlich mit dem Tod. Der Titel: Die Bücherdiebin. Der Autor: Markus Zusak. Das Buch: Konnte ich nur mit Mühe wieder aus der Hand legen. Das Ende musste ich nicht vorweg lesen, es wird schon vorweg genommen. Trotzdem schnürt es die Kehle zu. Es ist nicht rührselig. Es sind die Beschreibungen nackter Tatsachen, die so in der unsäglichen Zeit der 1940er Jahre in Deutschland geschehen sind. Ein wortgewaltiges Buch, ein Farbenrausch an Sätzen, ein fast liebenswerter Tod. Denn er ist es, der die Geschichte erzählt. Die Geschichte eines Mädchens, das zu bayerischen Pflegeeltern kommt, das mühsam mit Hilfe ihres Pflegevaters das Lesen lernt, das Bücher und Herzen stiehlt. Es ist die Geschichte von Menschen wie Du und ich, von starken Charakteren ebenso wie von verführten. Es ist ein Buch von Krieg, von Mut und Feigheit, von Kindheit und Erwachsenwerden, von Freundschaft, Liebe und Vertrauen. Es ist große Literatur. Es ist ein Buch, das ich mir kaufen werde, weil ich es nicht in meinem Bücherregal missen möchte.

Zitat Deutschlandradio Kultur: „…Es ist schwierig, Zusaks Sprache adäquat zu beschreiben. Sie ist zart, innig und poetisch, dann wieder schneidend scharf und schmerzhaft. Zusaks Sätze berühren uns unmittelbar, streicheln, kratzen, bohren sich in unser Bewusstsein. So suggestiv und geschmeidig, so verwirrend neu in ihren Bildern und Gesten wirkt auch die deutsche Übersetzung, dass man beiden, Autor und Übersetzerin, nur begeistert danken kann! …“

Dieser Beitrag wurde unter allerlei veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Berührt

  1. mayarosa schreibt:

    Klingt wirklich spannend. Danke für den Tipp.
    Und ich freu mich für dich, dass du zurück zum Lesegenuss gefunden hast.

    Gefällt mir

  2. Frau Momo schreibt:

    Mir geht es mit dem Lesen sehr ähnlich. Ich fange ein Buch an und lese es dann doch nicht zu Ende. Mir fehlt einfach die Zeit und die Ruhe zum Lesen.
    Von dem Buch habe ich schon öfter gehört…. ich setze es jetzt doch mal auf die Wunschliste.

    Gefällt mir

    • Elvira schreibt:

      Dieses Buch hat das geschafft, wozu viele vor ihm nicht in der Lage waren. Das hat mich sehr gefreut, wirklich! Haben doch früher Söhne und Mann die Hände über den Kopf zusammen geschlagen, wenn ich es mir wieder mit einer dicken Schwarte auf dem Sofa gemütlich machte. Dann war ich nämlich für Stunden und Tage nur noch körperlich präsent und habe schon das eine und andere Mal unwirsch auf Unterbrechungen reagiert.
      Liebe Grüße,
      Elvira

      Gefällt mir

  3. april schreibt:

    Danke für den Tipp; ich habe mir noch andere Beurteilungen angeguckt und es auf meine Wunschliste gesetzt. Zusak scheint ja eine Entdeckung zu sein (jedenfalls für mich). Er sieht noch ganz jung aus und hat schon so viele Bücher geschreiben. Wirst du auch noch andere von ihm lesen?
    LG udn weiterhin wieder Freude beim Lesen,
    April

    Gefällt mir

    • Elvira schreibt:

      Bisher hat er wohl überwiegend Kinder- und Jugendliteratur verfasst, wie mein Sohn mir sagte. Auch dieses Buch wäre ein sehr geeignetes für diverse Schulfächer wie Geschichte, Deutsch, Ethik, Religion. Ich wäre gerne dabei, wenn das Ende des Buches gelesen wird und würde die Reaktionen der Jugendlichen sehen. Solch eine Geschichte ist wahrscheinlich erschütternder als der normale Geschichtsunterricht.
      Liebe Grüße,
      Elvira

      Gefällt mir

  4. Eva schreibt:

    Mir geht es – bei fesselnden Geschichten – ebenso wie Dir. Wenn ich lese bin ich nicht mehr von dieser Welt … und wehe man stört mich! Weil aber Störungen derzeit hier vorprogrammiert sind, lese ich keine Wälzer mehr – höchstens Kurzgeschichten. Schade eigentlich.
    Deine Empfehlung werde ich mir aber merken, denn es kommen bestimmt auch wieder ruhigere/unterbrechungsfreiere Zeiten.
    Lieben Gruß
    Eva

    Gefällt mir

  5. bubblegumcandy schreibt:

    wenn du die innere ruhe zum lesen nicht hast, dann wirst du das buch auch nicht lesen koennen. mir ist es letztens naemlich auch so gegangen, da hatte ich ein wirklich interessantes buch angefangen, hatte aber nicht den nerv weiterzulesen und so legte ich es prompt wieder aus der hand. und nun weiss ich auch warum, ich war in den letzten wochen einfach zu gestresst und brauchte erst mal dringend erholung die ich bei meiner schwester in Chicago fand. vielleicht solltest du dir auch etwas mehr ruhe goennen? ich hoffe du bist nicht ernsthaft krank und wuensche dir recht schnell gute besserung

    liebe gruesse
    Sammy

    Gefällt mir

Ich lese gerne Deine Meinung dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.