Ich bin doch nicht blöd

Den Werbeslogan kennt jeder, man kann ihm einfach nicht entgehen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die für den Multimediamarkt zuständigen Werbefuzzis ihren Slogan mittlerweile für sich selbst umgekehrt leben. Anders kann ich mir die neuesten Sequenzen im TV nicht erklären. Beim Zappen blieb ich bei der Werbung hängen, weil ich nicht glauben konnte, was ich da sah: Eine weibliche Puppe schlägt (der Grund dafür hat sich mir nicht eröffnet) mit einer Pfanne so lange auf eine männliche Puppe ein, bis diese am Boden liegt. Darufhin kauft die weibliche Puppe die Knock-Out-Pfanne.

Ja, wo sind wir denn? Fast täglich lese und höre ich in den Nachrichten von unbegreiflichen Übergriffen auf U- und S-Bahnhöfen, von Gewalt in Klassenzimmern und auf Schulhöfen – und damit meine ich nicht die seit Menschengedenken halbstarken Hahnenkämpfe -, von Aggressivität schon in den Kitas. Eine Respektlosigkeit vor dem Leben anderer scheint in einem Maß um sich zu greifen, wie es noch nie der Fall war. Es gibt Killer- und Kriegsspiele, die so realistisch sind, dass der Tod der „Feinde“ absolut echt wirkt. Wir gehen gegen den Krieg auf die Straße und andere lachen sich ins Fäustchen, die Kriegstreiber, die Rüstungsindustrie, die Spielemacher und die Feindbilderzeuger.

Heute früh hörte ich im Radio von den Krawallen der Karlsruher „Fans“ nach deren Abstieg im Relegationsspiel gegen Regensburg und den brutalen Übergiffen auf die Ordnungshüter. Und mir schoss durch den Kopf „Nicht nur Salafisten attackieren Polizisten“. Wo lebe ich heute? Was ist das für eine Welt, in der immer mehr Menschen meinen, sich nur mit Gewalt behaupten zu können? Ab wann ist Gewalt gerecht? Die alte Frage nach einem gerechten Krieg stellt sich kaum noch, sie scheint beantwortet zu sein. Leben wir die Gewalt nach, die uns tagtäglich frei Haus geliefert wird? Und sei es durch pfannenschwingende Werbepuppen?

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29 Antworten zu Ich bin doch nicht blöd

  1. wildgans schreibt:

    In den österreichischen Märkten dieser Sorte gibt es inzwischen einen Frauenwohlfühlkaufbereich, extra mit fein Teppichboden und elegantem Technikzeugs…

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  2. monisertel schreibt:

    Liebe Elvira,
    der Sucht verfallen, sich zu profilieren, sich abzuheben, aufzufallen um jeden Preis (!!!) schiessen viele Werbeagenturen heute sehr, sehr weit übers Ziel hinaus. Die Werbebotschaft, die ja eigentlich lauten sollte „kauf mich, du brauchst mich“ geht dabei manchmal total unter. Und Feingefühl ist der Werbung schon immer fremd gewesen.
    Vermutlich soll mit so einer Werbung genau die „Ziel“gruppe angesprochen werden, die nur noch auf Gewalt mit Aufmerksamkeit reagiert.
    Ich wünsche Dir heute einen friedlichen und guten Tag
    ♥lichst moni

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  3. april schreibt:

    Gewalt und Rücksichtslosigkeit haben leider schon weit um sich gegriffen. Ich weiß keinen Rat und habe auch keine weisen Worte, nur Kopfschütteln.
    LG, April

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    • Elvira schreibt:

      Was kann man schon tun, außer bestimmte Märkte zu boykottieren? Aber wahrscheinlich sind wir eine zu kleine Gruppe Nichtdortkäufer, als das größere Konsequenzen zu erwarten wären.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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      • april schreibt:

        Wo könnte man überhaupt noch kaufen? Beschweren vielleicht per Mail, aber man könnte damit einen Sekretär beschäftigen. Neulich – nach einem Bummel hier – meinten wir: jetzt könnte man mindestens 10 Briefe schreiben …

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        • Elvira schreibt:

          Was sich aber nicht lohnt, da es sicher keine Antworten gibt. Obwohl! Vorletzten Samstag war ich total überrascht, als ich die Leserbriefe in meiner Zeitung las und meinen Namen sah. Auf meine Mail bekam ich zwar keine Antwort, aber der Brief wurde leicht gekürzt veröffentlicht.

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          • april schreibt:

            Na immerhin. Es tut doch gut, zu sehen, wenn Engagement belohnt wird. Nur leider passiert das nicht immer. Da denke ich manchmal, man sollte vielleicht doch Fratzbuch nutzen und sich mal richtig vernetzen und Kampagnen starten. Allerdings … es ist so viel, zu viel. Ich engagiere mich im Moment mit einem Thema, das einem meiner Kinder sehr, sehr am Herzen liegt.

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  4. Eva schreibt:

    Den Spot kenne ich nicht und habe wohl auch nix versäumt. Die Verrohung im TV geht mir schon länger auf die Nerven, deshalb schau ich so wenig. Man findet ja oftmals nicht so schnell die Fernbedienung, wie einem das Blut entgegenspritzt.

    Ebenso wie Du habe ich das Gefühl, dass das gelebte Miteinander immer rauer und brutaler wird. Wann, wo und wodurch ist uns immer mehr die Empathie abhanden gekommen? Sind Krimiliebhaber potentielle Mörder? Sind Telenovelafreaks extrem weltfremd? Sind Rateshowseher besonders intelligent? … Das Medienangebot scheint mir eher ein Baustein von vielen auf diesem rauen Weg, aber nicht die Hauptursache. Und trotzdem schalte ich ab.
    Lieben Gruß
    Eva

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    • Elvira schreibt:

      Stimmt! Die Bild hat ja auch einen renommierten Preis bekommen. Auch so ein Baustein.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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      • Eva schreibt:

        Die Messlatte für „investigativen Journalismus“ wurde wohl tiefergelegt. Obwohl ich da eigentlich nicht wirklich mitreden kann – die Bild schreibt nicht für mich. Da ist mir nicht nur mein Geld, sondern vor allen Dingen meine Zeit zu schade.

        Apropos Boykott, wer lieber blöd sein will sollte auch nicht „sooo! muss technik“ sein … oder so ähnlich. 😉

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  5. NixZen schreibt:

    in jedem Fall wird hier über den Spot geredet und das war das Ziel der Übung.-)

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  6. Frau Momo schreibt:

    Meine Mutter kauft relativ konsequent in kleinen Elektrogeschäften und gibt nicht mehr Geld aus. Es ist nämlich ein Irrglaube, das man nur bei den Kistenschiebern alles billig kriegt. Zudem bieten Fachgeschäfte auch eine bessere Beratung.
    Es wäre also gar nicht so schwer, diese Märkte zu boykottieren.

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    • Elvira schreibt:

      Ich habe irgendwann in den letzten Wochen einen Bericht im Wirtschaftsteil gelesen, dass garantierte Dauertiefpreise in diesen Märkten die Preise hochtreiben.
      Über die Beratung kann ich nichts sagen, weil ich dort eher selten etwas kaufe, bei dem ich Beratungsbedarf hätte.

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  7. Himmelhoch schreibt:

    Wenn es nach mir ginge, bräuchte überhaupt und nirgends und auf keine Weise Reklame oder Werbung gemacht zu werden, das würde Nerven und Bäume sparen. – Auch die schreiend bunte Neonreklame müsste nicht sein, die hat mich 1986 beim ersten Besuch fast erschlagen.
    Gute Produkte setzen sich auch ohne Reklame durch – aber wahrscheinlich wird viel zu viel produziert, was dann den Leuten untergejubelt werden soll.
    Lieben Gruß an dich!

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    • Elvira schreibt:

      Es gibt durchaus Werbung, die witzig ist – aber ich weiß dann manchmal nicht, wofür geworben wurde. Nun sehe ich ja nicht häufig in die Ferne und kenne die meiste Werbung nicht. Aber was mir unterwegs von den Plakaten überdimensional entgegenschreit, reicht mir auch schon.
      Allerdings muss ich gestehen, dass ich Kinowerbung gerne gesehen habe 😮
      Liebe Grüße,
      Elvira

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      • Himmelhoch schreibt:

        Kinowerbung mochte ich auch. Heute habe ich eine Werbung auf dem U-Bhf fotografiert, die ich wirklich als Antiwerbung bezeichnen würde. Wenn ich es im Computer habe, schicke ich dir das Foto mal.

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        • Elvira schreibt:

          Gut dass Du das ansprichst! Ich wollte nämlich nach einer Werbung guckeln, die ich gestern im U-Bahnhof Johannisthaler Chaussee gesehen habe. Es war eine Werbung für das Mega-Los der „Aktion Mensch“. Hätte ich sonst vergessen.

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  8. Barbara schreibt:

    Ich würde mir wünschen das die Menschen als erstes mal Billigfleisch boykottieren würden, dann kommt der Rest 😉 ♥ Barbara

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  9. vulki schreibt:

    In Hamburg hat eine Dame eine Initiative gegen sexistische Werbung ins Leben gerufen. Initiativen gegen gewaltverherrlichende Werbung und gegen zu viel Gewalt im Fernsehen wäre wesentlich besser.

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  10. Li Ssi schreibt:

    ja, wo leben wir denn? eine immer wieder so wahre frage… nein, antworten habe ich auch keine, kann nur immer wieder nicht mitmachen. soll heißen, diese läden sehen mich nicht von innen. das ist das eine. das andere ist sich selbst immer wieder auf gewaltfreiheit hin zu untersuchen. gewalt kann auch sehr subtil sein. geben wir unser bestes. mehr geht nicht. geben wir die hoffnung nicht auf, dass sich in den köpfen doch noch vieles dreht…
    einmal mehr bin ich so froh ohn TV und mit werbefreiem radio zu leben. selbst mein pc ist werbefrei und so habe ich spaß dabei.

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    • Elvira schreibt:

      Ganz ohne Fernseher möchte ich eher nicht sein. Ich sehe zwar sehr selten in die nicht mehr vorhandene Röhre (wie könnte man das heute nennen? Ins Flache gucken? Das würde ja in vierlei Hinsicht passen!), aber ab und an finde ich doch etwas Sehenswertes. Das Radio läuft übrigens bei meinem Mann fast ununterbrochen.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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