Red Dancer Of The Secret Smokecastle – genannt „Spencer“

Für PIT und auch alle andere BesucherInnen! Ich habe in unserer großen Bilderkiste gesucht und den Umschlag mit den Fotos unseres Katers gefunden. Aber wie das so ist, man findet dabei so viele andere vergessene Bilder, dass man von einer Tüte zur anderen wandert (unsere nicht in Alben geklebten Bilder sind nach Themen sortiert nämlich in großen Umschlägen archiviert).

Aber nun habe ich die Fotos gescannt und auch versucht, sie ein kleines bisschen digital zu verbessern. Schließlich sind sie schon ziemlich alt. Allerdings war da nicht mehr viel zu machen. Dennoch denke ich, dass Du einen Eindruck von unserem unvergessenen Kater bekommen wirst. Er war ein sehr liebenswürdiges Tier, sehr anhänglich, was euch Katzen ja gerne abgesprochen wird. Aber das stimmt natürlich nicht! Er mochte alle Menschen, ließ sich sehr gerne streicheln, war aber keine Schoßkatze. Erst in seinen späten Jahren rollte er sich ab und an auf unserem Schoß zusammen. Sein Lieblingsplatz war im Winter das große 450l-Aquarium. Auf der Abdeckung ließ sich so wunderbar der Bauch wärmen. Ansonsten suchte er sich die ungewöhnlichsten Plätze. Einer seiner Schlafplätze war ein Schuhkarton in der Kammer. Den besetzte er, kurz bevor wir ihn ins Altpapier geben wollten. Wir waren baff erstaunt, dass Spencer dort überhaupt hinein passte. Aber er war schlanker als er aussah, sein dickes Fell trug mächtig auf.

Ein klein wenig dumm war er allerdings auch. Er wusste ganz genau, dass der Tisch und die Küchenschränke für ihn tabu sind. Waren wir nicht in der Küche, konnte er der Versuchung manchmal nicht widerstehen und sprang auf das verbotene Terrain. Anstatt aber nun leise und heimlich alles zu erkunden, miaute er aufs kläglichste. Als wollte er uns sagen: „Hallo, Menschen! Ich mache hier gerade etwas total Verbotenes und fühle mich gar nicht gut dabei. Kommt bitte schnell und scheucht mich wieder runter.“ Dem Wunsch haben wir natürlich umgehend entsprochen!

Was er besonders liebte? Bürsten! Wenn er sah, dass ich mit Handtuch, Kamm und Bürste unterwegs war, stand er ungeduldig vor dem Korb, auf dem er gleich gebürstet werden sollte. Das war so ein tischhoher Weidenkorb mit Deckel, auf dem meistens irgend etwas herumlag, das erst weggeräumt werden musste. Kaum war das Handtuch auf dem Korb drapiert, sprang Spencer hoch und fing sofort an zu schnurren. Irgendwann begann er zusätzlich vor Behagen zu sabbern. In einem glich er wohl allen Katzen: Er war sehr wählerisch, was sein Fressen betraf. Schmeckte ihm eine Speise besonders gut, waren wir glücklich und kauften einen gewissen Vorrat. Es konnte uns allerdings passieren, dass er genau diese Leib- und Magenspeise von heute auf morgen nicht mehr anrührte. Was immer ging war Fisch. Und sobald ich den Mixer aus dem Schrank holte kam Spencer angerannt. Noch bevor ich das Gerät einschaltete! Ich habe keine Ahnung wie, aber er wusste, dass gleich etwas geschlagen wird. Dann strich er um meine Beine, maunzte und betete wahrscheinlich zur Katzengöttin, dass es Schalgsahne sein würde. Denn davon bekam er immer einen kleinen Klaks ab.

Eines sonntags im Spätsommer 2004 kamen wir von einer Radtour nach Hause und fanden einen völlig veränderten Kater vor. Er konnte nicht mehr sehen. Vorsichtig tastete er sich an Wänden und Möbeln entlang und suchte verzweifelt die Öffnung zu seinem Klo. Wir fuhren mit ihm in eine Tierklinik. Spencer hatte einen Schlaganfall erlitten, sein Kreislauf funktionierte nicht mehr, sein Herz stolperte. Es ging ihm sehr schlecht. Und wir mussten die Entscheidung treffen, die allen Menschen so unglaublich schwer fällt. Er blieb bis zu seinem letzten Atemzug auf meinem Schoß liegen und ich schwor mir, nie wieder ein Tier in mein Haus und mein Herz zu lassen. Ein Jahr später schauten wir bei einem Besuch bei den Schwiegereltern unseres Sohnes Hundewelpen an und einige Wochen später zog Karlchen bei uns ein.

Spencer wurde 18 Jahre alt. Ich denke noch oft an ihn.

 

 

 

 

 

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11 Antworten zu Red Dancer Of The Secret Smokecastle – genannt „Spencer“

  1. monisertel schreibt:

    Liebe Elvira,
    Dein Spencer hat moch sofort an meinen ersten Kater erinnert: Auch ein roter, aber ein schlanker, sehr wilder, total lieber, mit Namen Mickey. Leider ist er in relativ jungen Jahren ganz offensichtlich auf dem Feld von einem „blinden“ Jäger erschossen worden. Vor einigen Jahren ist mein letzter Kater (ein cremefarbener Perser) auch in meinen Armen gestorben. Ich habe keinen „Ersatz“, keinen „Neuen“ mehr….
    Lieben Gruß
    moni

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    • Elvira schreibt:

      Spencer war für mich einmalig! Ich merke auch, dass ich eher ein Katzenmensch bin, obwohl ich unseren Hund auch mag. Obwohl mein Mann ihn zwar ganz sicher mehr als ich liebt, bin ich Karlchens Alphatier.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  2. Frau Momo schreibt:

    Vieles kommt mir doch so bekannt vor 🙂 Fiete sitzt sofort in der Küche, wenn ich den Mixer anmache und guckt ziemlich böse, wenn keine Schlagsahne dabei raus kommt. Kartons sind auch sein Liebstes. Ach ja, meine beiden Oldies sind mit jeweils fast 19 Jahren über die Regenbogenbrücke gegangen und einen anderen Kater, meinen Paul mußte ich auch erlösen. Furchtbar war das.
    Zwei Hunde gab es in meinem Leben auch, eigentlich drei. Einen eigenen und zwei Langzeitpflegetiere.
    Ich werde sie alle nie vergessen. Ohne Tiere geht es einfach nicht. Nach dem Tod von zuerst Max und dann Sammy wollte ich keine Katzen mehr. Dieser Entschluß hat gerade mal einen Monat überlebt, dann kamen Hein und Fiete und um nichts in der Welt würde ich sie wiederhergeben wollen.

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    • Elvira schreibt:

      Als wir ohne Spencer nach Hause fuhren, rief ich meinen damals noch bei uns wohnenden Sohn an und bat ihn darum, alles zu entsorgen, was Spencer gehörte. Als ob der Schmerz davon hätte kleiner werden können. Am nächsten Tag bestellte ich bei Quelle einen Schrank fürs Gästeklo. Der kam an den einzigen Platz, an dem Platz für ein Klatzenklo war. Ich tat alles um nie wieder einen Schnurrer ins Haus zu holen. Hätte mir damals aber irgendwer ein Kätzchen in en Schoß gelegt, wäre ich weggeschmolzen wie ein Stück Butter in der Sonne. Denn Platz für ein Katzenklo hätte sich immer finden lassen können. Aber es kam niemand mit einem Samtpfötchen.

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  3. Li Ssi schreibt:

    dein Spencer hatte viel von Garfield im Gesicht…

    ich lebe nun schon lange ohne Tiere im Haus, aber es kommen immer Dorfkatzen zu uns, die wir füttern.
    Vor drei Monaten ist der Hauskater Shelagh (gehörte dem Vermieter) gestorben. Ich vermisse ihn und kann noch immer nicht seine Fotos anschauen, ohne einen Kloß im Hals zu bekommen. Im letzten Winter holte ich ihn zu uns rein, Katzenhaarallergie hin oder her, er fror und draußen war es bitterkalt. Er hustete. Er schnurrte auf meiner Couch und schlief dort für viele Stunden… es war so friedlich dann hier in der Stube. Nun gibt es ihn nicht mehr…

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    • Elvira schreibt:

      Eine Kollegin hat ihre Katzenhaarallergie geheilt: Sie adoptierte drei Katzen, und hat jetzt auch noch einen Hund 😉
      Nach Karlchen möchte ich kein Tier mehr, aber das hat mehrere Gründe. Eines ist das zunehmende Alter. Ich möchte kein Tier von dem ich weiß, dass es mich vielleicht überleben könnte.

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  4. 4beiner schreibt:

    Liebe Elvira, danke, dass Du für mich und all die anderen Tierliebhaber Fotos von Deinem Spencer rausgesucht hast, ja, der wäre ein echter Kumpel für mich gewesen. Vieles von dem was Du von ihm erzählt hast, trifft tatsächlich auch auf mich (und andere Kater) zu. Da ist z.B. die Sache, sich in Kartons zu quetschen und wenn sie noch so klein sind, wunderbar!
    Was das Fressen betrifft, habe ich keine besonderen Vorlieben, ich nehme alles was ich kriegen kann und was ich nicht kriege, hole ich mir. Die Tische sind für mich (und alle anderen bei uns) auch tabu, aber da hab ich so’n richtigen Kehrdiannix, das laß ich mir von den Zweibeinern auch nicht mehr nehmen. Da ich kurzes Fell habe, fällt das bürsten flach, da kann ich also nicht mitreden, aber ich weiß von Omi, dass sie ihre Tiffany auch immer gebürstet hat, Tiffanys Opa war ein Perser …
    Ich bin von allen Vierbeinern bei uns derjenige, der eigentlich nur in Frieden leben möchte, was manchmal nicht so einfach ist. Ein großer Schmuser von Haus aus bin ich nicht, aber ab und an brauch ich das dann doch und dafür hab ich meine Susanne. Generell würde ich sagen, sind Kater die besseren Katzen. Wir Kater ruhen in uns selbst, die Katzen meinen, sich um Dinge kümmern zu müssen, die sie garnichts angehen, das wächst ihnen über den Kopf und sie werden hysterisch, ich erlebe das täglich.
    Omis Katze hatte mit 16 Jahren auch einen Schlaganfall, sie hat sich aber wieder gerappelt, nur ihr Gehör war nicht mehr so doll, das war dann immer ihr Alibi wenn sie nicht gehorchen wollte. Sie war, wie Dein Spencer, auch eine Feinschmeckerin. Lachs und Forellen gekocht oder geräuchert, kaum dem Kühlschrank entnommen, kam sie auch schon angerannt. Honigmelonen und die Milch in der vorher Erdbeeren waren, brachten sie zur Extase. Tiffy ist mit 20 Jahren an Altersschwäche gestorben und damit bin ich bei dem Hauptproblem der Zweibeiner. Klar würden wir gerne länger bei euch bleiben, aber müßt ihr immer soo viel Herzschmerz haben, wenn wir gehen, wir sehen uns doch irgendwann wieder. Dein PIT

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    • Elvira schreibt:

      Ja, PIT! Das mit dem Herzschmerz ist so eine Sache! Wahrscheinlich fehlt uns Menschen ein gewisser Sinn, den ihr Katzen habt. Obwohl auch mein Hund Dinge sieht, die mir verborgen bleiben. Da kann ich schauen und schauen und schauen und sehe dennoch nicht das, was ihn so gebannt in eine Richtung blicken lässt.
      Auf alle Fälle danke ich Dir für die Zeit, die Du Dir zum Antworten genommen hast. Hab noch einen schönen Tag mit den Deinen!
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  5. Himmelhoch schreibt:

    Dein Spencer hat sich durch deine Erzählung in mein Hunde-Herz geschlichen, ich kann ihn mir gut vorstellen.
    Ganz liebe Grüße an dich von Clara

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  6. Eva schreibt:

    Ein hübscher war das, Euer Spencer. Die Augen? Bernsteinfarben? Oder täuscht das erste Foto?
    Ich bin zwar eher ein „Hundetyp“, trotzdem finde ich Katzen toll, mag ihre Bewegungen und Eigenarten und besonders dieses Ganzkörperwohlfühlschnurren.

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