Männlich, weiblich und Allgemeinplätze

Ich habe leider feststellen müssen, dass ich mich von meinen Vorstellungen der Emanzipation verabschieden muss. An dieser Stelle geht es nicht um die Gleichberechtigung im Beruf, auch nicht um Quoten oder gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, sondern um ganz gewöhnliche Alltagssituationen. Nur ein Beispiel:

Eine Bekannte wurde nachts um ca. ein Uhr von ihrer erwachsenen Tochter per SMS kontaktiert. Die Bekannte rief ihre Tochter an und fragte, was denn los wäre. Es knackte in der Wohnung und die Tochter hatte Angst. Ob denn nicht ihr Freund da wäre, fragte die Mutter. Doch, aber der hätte auch Angst. Die Mutter gab nun Anweisungen durchs Telefon wie Licht anschalten, zur Zimmertür gehen, Licht im Flur anschalten u.s.w.. Es gab natürlich eine ganz natürliche Erklärung für das Knacken, ein Fensterladen schlug sachte gegen den Fensterrahmen. Die Bekannte wollte sich jetzt mal den Freund vorknöpfen. Sie selbst hätte immer Freunde gehabt, von denen sie sich stets beschützt fühlte. Das finde ich ja auch gut, wenn sich diese Geborgenheit und das sich beschützt fühlen, in die Beziehung einfließt. Aber braucht Frau per se einen Beschützer? Was machen alleinstehende weibliche Menschen? Und gibt es nicht auch Männer mit krankhaftem Beschützerinstinkt? Aber das sind andere Fragen! Hier ging es mir nur um ein typisches Rollenbild. Ähnlich wie: Für ein Mädchen kannst Du aber toll klettern – Mädchen haut man nicht – Du zickst rum wie ein Mädchen. Nun, euch fallen sicher noch viel mehr Beispiele ein. In den USA gab es einmal ein „Baby-X“-Experiment. Männern und Frauen wurden Babys in den Arm gelegt und mal gesagt, dass es ein Junge, mal, das es ein Mädchen wäre. Männer und Frauen reagierten jeweils konform: Glaubten sie, sie hätten einen Jungen vor sich, ließen sie ihn länger schreien (Stärke), dachten sie, es wäre ein Mädchen, wurde bedeutend schneller getröstet. Jungen und Mädchen werden  bereits von Geburt an in Rollen gezwängt.

Ich erzählte meinem sehr klugen Sohn von diesem Experiment und anderen Dingen, die ich in einem Artikel „Typisch Mädchen – typisch Mädchen“ gelesen hatte. Und was berichtet er mir ganz kleinlaut? Er hätte letztens ein paar rosa Söckchen in der Hand gehabt – und es nicht fertigbringen können, sie seinem Sohn (1 1/2) anzuziehen. Nun mal ganz ehrlich! Hätte einer von euch das gemacht? Blaue Socken beim Mädchen? Null Problemo! Aber rosa an Jungenfüßen?

Der Allgemeinplatz bei einer Unterhaltung: Da wohnt ein junges russisches Pärchen – ABER die sind wirklich nett! Das lass ich mal einfach so stehen.

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23 Antworten zu Männlich, weiblich und Allgemeinplätze

  1. mayarosa schreibt:

    Ehrlich gesagt, bin ich – sagen wir mal – etwas überrascht, dass eine erwachsene Tochter, die mit einer zweiten Person in einer Wohnung ist, nachts die Mama ruft, weil es knackt … hä? Warum steht niemand auf, macht das Licht an und guckt nach? Also die Tochter oder ihr Freund oder wer sonst noch in der Wohnung ist oder alle zusammen? Die sind doch schon groß, also erwachsen, wie du geschrieben hast. Was soll die Mama denn machen, wenn es knackt?! Kopfschüttel…
    Mit dem anderen Teil hat du natürlich recht, dass unbedacht geasagte Worte viel Wirkung entfalten, dass viele Eltern ihre Kinder bewusst oder unbewusst in tradierte Rollenbilder hineinerziehen… vielleicht erinnerst du dich noch an den Song „Weil ich ein Mädchen bin“… eigentlich auch schrecklich… Liebe Grüße

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    • Elvira schreibt:

      Ich denke da an: „Wenn ich ein Junge wär, das wäre wunderschön….“.
      Liebe Grüße von Elvira
      P.S. Nun, die Mutter hat aus der Ferne Regieanweisungen gegeben, und ja, die beiden sind wirklich schon (dem Alter nach) erwachsen

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  2. leonieloewin schreibt:

    Im Alltag stellt sich die Theorie häufig etwas anders da, als „man“ sich das eigentlich so vorgestellt hat. Ein näherer Blick lohnt fast immer. Liebe Grüße Leonie

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  3. monisertel schreibt:

    Liebe Elvira,
    von in Jahrhunderten geprägtem Rollenverhalten trennt sich eben „Mensch“ nur sehr, sehr schwer. Hier kann wirklich nur jede Frau, jeder Mann ganz für sich allein versuchen, sein/ihr eigenes Verhalten zu ändern und sich nicht um die „geliebten“ Klischees zu kümmern.
    Manches ist schon erreicht worden und wir dürfen nicht aufgeben, das Erreichte zu verteidigen und um weitere Fortschritte in der ECHTEN Gleichberechtigung zu kämpfen.
    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße
    moni

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  4. shabbaton schreibt:

    Ich habe ja inzwischen (noch) 4 Enkel. die ersten 3 sind Jungen, genau 1 Jahr auseinander. Als der Sohn meiner Tochter geboren wurde, da reichten ihr die ersten Strampler nicht, die sie von ihrem Bruder, d.h. seinem Sohn bekommen hatte. Ich bin also brav ins Geschaeft gefahren, aber es gab nur rosa rote und keine blauen in dieser Groesse, also lag er dann suess im Wagen in hellblau mit Rosa zusammen.
    Bei seiner kleinen Schwester, die mit rosa Sandalen und rosa Huetchen rumlaeuft, wird meine Tochter oefter gefragt, ob das der kleine Bruder sei !!!!
    das was du so einfach so stehen laesst, das gibt es bei uns sowohl ueber russische, aethiopische, und ehemaligen juedischen Einwandere aus den arabischen Laendern. Da konnte man hoeren so ungefaehr: stell dir vor, der Sohn ist auf der Uni ….

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    • Elvira schreibt:

      Ja, diese ABER sind immer sehr aufschlussreich, nicht wahr? Eines der beliebtesten bei uns: Ich habe ja nichts gegen Ausländer, ABER…..
      Leider scheint das wie eine Seuche die Welt zu überziehen. Und die Krise trägt ihr übriges dazu bei.
      Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag!
      Liebe Grüße von Elvira

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  5. Frau Momo schreibt:

    Vor allem Dein letzter Satz hat’s in sich… sollte jeder mal drüber nachdenken.

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  6. Himmelhoch schreibt:

    Spät komme ich, aber ich komme noch. – Sehr oft habe ich das Gefühl, dass Vorurteile das Gerüst sind, an denen sich manche Menschen festhalten. Ich möchte ja nicht behaupten, dass ich absolut frei bin davon, ABER ich gebe mir zumindest Mühe. – Die wenigsten würden es wohl schaffen, einem JunkPunkTattooPiercingAlk-Jugendlichen vorurteilsfrei zu begegnen. Ab wann – glaubt der „normale Durchschnittsbürger“, sind Vorurteile und Vorbehalte richtig? Sind sie manchmal zu unserem Schutz, damit wir nicht zuuuuuuu vertrauensselig durch die Welt gehen?
    In der NDR-Talkshow war Frau M., in deren Ehe es so ähnlich funktionierte wie in meiner – (fast) alles Handwerkliche wurde von ihr erledigt, er war z. T. für die „Frauenarbeiten“ zuständig.
    Unser Sohn lag manchmal auch im rosa Strampler seiner größeren Schwester im Bett – aber wohl selten im Kinderwagen 🙂
    Ich denke, manche Eigenschaften für Männer und Frauen sind von der Evolution her so geprägt, sind aber heute nicht mehr in dieser Form notwendig.
    Ich überlege gerade, wen ich anrufen würde, wenn es bei mir in der Wohnung knackt 🙂
    Lieben Gruß zu dir!

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  7. april schreibt:

    Ich auch – spät.

    Das ‚ABER‘ sagt wirklich alles. Eigentlich …, aber diese nicht. Ich befürchte, von diesen Alltags’vorkommnissen‘ sind wir auch nicht ganz frei.

    Ich würde dich nicht anrufen, weil es knackt oder so. In jedem Haus gibt es Temperaturspannungen, die sich manchmal ‚entladen‘. Früher habe ich dann schon mal Mr April geweckt … ich hab das was gehört … jetzt drehe ich mich meist rum oder ich stehe leise auf und gucke mal selbst nach 😉

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    • Elvira schreibt:

      Als ich die ersten Nächte im neuen Haus meiner Kinder meine Enkeltochter hütete, hörte ich auch auf jedes Geräusch. Es knackte, knarzte, gluckerte und blubberte. Die letzten Geräusche kamen vom Kühlschrank, die ersten von den von Dir genannten Spannungen. Da ich es nicht gewohnt war in einem Haus zu schlafen – mit Keller auch noch – und die Verantwortung für ein kleines Kind hatte, stand ich auch ganz schön unter Spannung. Heute kann ich ziemlich entspannt im Gästezimmer schlafen. Das Babyphone weckt mich gegebenenfalls, wenn die Kleine eine Etage höher sich meldet.

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  8. Eva schreibt:

    Und noch später … bin ich auch mal wieder hier.
    Du hast mich ertappt, Elvira, mein Sohn trug auch kein Rosa. Ich hoffe nicht, dass seine Entwicklung dadurch nachhaltig beeinflusst wurde. 😉 Wie schnell verfällt man doch in Klischees, selbst wenn der Verstand schon wesentlich weiter ist.
    So ist es wohl auch mit den pauschalen Vorbehalten gegenüber anderen (egal ob anderes Geschlecht, fremder Kulturkreis, andere Generation usw. usf.). Gut, wenn man um diese Schwäche weiß; nur dann kann man etwas ändern. Doch das ist halt einfacher gesagt bzw. geschrieben, als getan.

    Zum Thema Geräusche im Haus: Nachdem hier in der Nachbarschaft jetzt mehrfach schon ungebetene Gäste ihr Unwesen trieben, bin ich etwas hellhöriger geworden.

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