Umzug nach Schnöggersburg

In einen kleinen Ort, der in Sachsen-Anhalt liegt, werden gerade schlappe 100 Millionen Euro gepumpt. Dafür wird auch viel geboten: Eine U-Bahn soll gebaut werden, auch ein paar Hundert Meter Autobahn. Richtig wohnlich wird es durch den Neubau von 500 Gebäuden. Straßen werden erneuert und die Kanalisation. Es wird gemunkelt, dass sogar ein Bahnhof und ein Stadion geplant sind. Bis 2017 soll alles fertig werden. Schnöggersburg, das dann diesen Namen erhalten wird – denn noch ist der Ort namenlos – wird ca. sechs Quadratkilometer groß werden. Zwar ist die Gegend wohl ein bisschen öde, es soll sich um die Colbitz-Letzinger Heide handeln, aber wer könnte diesem Angebot schon widerstehen, sofern er nicht auf einen wohnungsnahen Arbeitsplatz angewiesen ist.

Wo man sich um ein Häuschen oder eine Wohnung bewerben kann? Bei Thomas de Maizière! Klar, dass es einen Haken geben muss, sonst hätte ich nicht darüber geschrieben. Nach Schnöggersburg kann niemand ziehen! Kein Mensch wird dort wohnen können und die U-Bahn benutzen.  Denn Schnöggersburg entsteht auf einem Truppenübungsplatz. In dem 100-Millionen-€-Projekt werden Soldaten in einer echten Kulisse den städtischen Nahkampf üben. Nun, unsere Sicherheit wird uns doch diese lächerliche Summe Wert sein, oder? Ich bezweifel auch sehr stark, dass es bei uns Menschen gibt, die dringend echten Wohnraum benötigen. Obdachlose? Davon hat im Verteidigungsministerium sicher noch niemand etwas gehört. Vielleicht ist eines der Gebäude in Schnöggersdorf sogar eine Schule? Oder eine Kita? Ein Pflegeheim? Krankenhaus? Schließlich soll ja alles schön echt aussehen.

Für weitere Ausführungen fehlen mir die Worte.

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8 Antworten zu Umzug nach Schnöggersburg

  1. leonieloewin schreibt:

    Auch mir fehlen die Worte – wünsche Dir ein schönes Wochende LG Leonie

  2. der_emil schreibt:

    Vor allem die U-Bahn ist gerade ganz sehr notwendig, denn die gibt es am Hindukusch zuhauf und am Horn von Afrika …

    Ich kann nicht genug essen, um soviel wie ich wollte zu k…

  3. Himmelhoch schreibt:

    Früher – habe ich noch im Ohr – hat man sich immer aufgeregt, dass die Russen so viel Geld für ihr Militär und ihre Raumfahrt ausgeben und dass sie dafür soziale Projekte vernachlässigen. Ich glaube, wir übertreffen inzwischen die Russen um etliches, denn die waren schon immer ein relativ armes Volk, die gar nicht so viel Geld zur Verfügung hatten.
    Es wäre schön, wenn es gar keine Kriege und Kämpfe mehr gäbe, aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben. Und deswegen müssen leider die Soldaten ausgebildet werden, damit sie eine Chance zum Überleben haben. Nur das Wie ist hier die Frage. – Katastrophenschutzausbildung findet unter ähnlichen Bedingungen statt – allerdings wohl in irgendwelchen stillgelegten Gebäuden, nicht in einer extra gebauten Stadt. – Manchmal ist das Leben in seinen vielfältigen und vor allem auch sehr unangenehmen Erscheinungsformen kaum zu begreifen.
    Lieben Gruß von mir

  4. Frau Momo schreibt:

    Ach, das ist Schnöggersdorf- mehr fällt mir dazu gerade nicht ein.

  5. Gudrun schreibt:

    Nein, mich wundert so etwas nicht mehr. Es scheint verdammt viel Geld unterwegs zu sein in diesem Land, nur nicht für die ganz „normalen“ Dinge. Ich finde das alles so pervers. Haben wir keine anderen Probleme?

  6. Frau Blau schreibt:

    da wollte man doch wieder die kampfstiefel anziehen… und die paar milliönchen? oder werden es nicht dann doch milliarden, weil man sich mal wieder verechnet hat? wen kümmerts? mich…
    schüttelige grüße

    • Elvira schreibt:

      Nun, auf der einen Seite verstehe ich die Notwendigkeit, uns verteidigende Soldaten gut auszubilden, so denn sie meinen, Soldaten werden zu müssen. Auf der anderen Seite habe ich kein Verständnis für die Ausgaben. Sicher gäbe es andere Möglichkeiten. Und dann kommt natürlich mein wahrscheinlich weltfremder, aber innigster Wunsch nach Frieden dazu. Nur steht dem das Interesse „der“ Wirtschaft entgegen, zumal kriegerische Fehden auch immer geschürt werden von religiösen Eiferern. Es könnte doch so einfach sein, nicht wahr?
      Herzliche Grüße von Elvira

      • Frau Blau schreibt:

        liebe Elvira,

        das ist letztlich ein großes Thema. Ich bin, um es kurz zu machen, auch eher am Weltfrieden interessiert und daran das Geld gerecht zu verteilen, aber eben, das wünschen wir „kleinen“ Leute… die Mächtigen wollen eben immer mehr Macht und die Reichen immer mehr Geld… beides können sie nicht essen und glücklich macht es auch nicht. Also bleibe ich bescheiden und wirke in meinen kleinen Kreisen.
        lG Frau Blau

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