Wendeopfer

Oh, nein! Das wird kein politischer Beitrag. Ich meine hier nicht die  Wende. Es geht mir um das Wenden im Bett, um das Drehen in der Nacht, das wir meistens nicht einmal bemerken. Es sei denn, uns tut etwas weh. Keine Ahnung warum, aber in der letzten Nacht wurde ich andauernd dadurch wach, dass ich nicht mehr auf einer Seite liegen konnte, da es irgendwo weh tat. Also habe ich mich im Halbschlaf umgedreht. Bis ich wieder aufwachte. Diesmal schmerzte die andere Seite. Das kannte ich bisher nicht und hoffe sehr, dass sich das in der kommenden Nacht nicht wiederholt.

Heute habe ich beschlossen, kein Wendeopfer zu werden. Ich dachte an all die vielen Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, sich alleine drehen zu können. Sei es, weil sie aus Altersgründen zu schwach  oder aber durch Krankheiten nicht mehr in der Lage sind, sich alleine zu wenden. Ich stelle mir vor, wie ein halbgelähmter Mensch in einer Pflegeeinrichtung sehnsüchtig darauf wartet, dass die Pflegekraft kommt und ihm Erleichterung verschafft. Oder wie ein Mensch, der sich nicht mehr verständlich machen kann, nach Uhr gedreht wird, obwohl er es vor Schmerzen kaum noch ertragen kann, auf dieser Seite zu liegen, auf der er gerade liegen muss.

Ich habe letztens den Artikel über das würdevolle Altern verlinkt – dieser Zustand hier wäre bar jeder Würde. Wie das Warten auf die Bettpfanne. Ich werde ihn nicht zulassen!

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16 Antworten zu Wendeopfer

  1. leonieloewin schreibt:

    Das sehe ich genau so. LG Leonie

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Elvira, ich will mich wirklich nicht belustigen, aber dein „Schalganfall“ nimmt der Sache ein wenig die Schärfe oder die Traurigkeit. – Mich bewegen solche Gedanken ja schon seit Jahren. Immer wieder kommt die Angst hoch, dass so ein hilfloser Zustand von heute auf morgen passieren kann – und dann habe ich keinerlei Mittel und Wege in der Hand, daraus zu fliehen. – Ich weiß auf diese Gedanken keine Antwort.

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  3. piri ulbrich schreibt:

    Was glaubst du, wie mein Sohn immer wohlig knurrt, wenn ich in nachts drehe… Danke für das Statement.

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    • Elvira schreibt:

      Ich denke, so lange ein naher (und liebender) Angehöriger diese Aufgabe(n) übernimmt, ist es für den zu Pflegenden sicher einfacher. Einfach weil er sich gewiss sein kann, dass seine Bedürfnisse rechtzeitig erkannt werden. Oder dass er sich einfach auf die Hilfe verlassen kann.
      Liebe Grüße von Elvira

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  4. Frau Blau schreibt:

    ich glaube auch, liebe Elvira, dass es auf die Haltung ankommt: du sagst jetzt, nein, das werde ich nicht zulassen! in dem buch “ zwei alte frauen“, las ich den, für mch entscheidenden satz, der mich nie mehr losgelassen hat: wenn schon sterben, dann als handelnde … und das sag ich mir immer und immer wieder, der schweinehund kriegt dann immer ganze heiße ohren!

    nichts desto trotz, eine bestimmte unsicherheit, ungewissheit wird immer bleiben … seien wir achtsam und gehen so mit uns um … mehr geht nicht

    herzlich grüßt dich ulli

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    • Elvira schreibt:

      Mein Problem ist manchmal die fehlende Achtsamkeit meinem Körper gegenüber, das muss ich einfach ehrlich zugeben. Ich achte ihn aber be-achte ihn häufig zu wenig, bis er dann „Aua“ schreit. Ich sitze einfach zu viel auf dem Allerwertesten, das ist das Problem meines inneren Schweinehundes.
      Liebe Grüße von Elvira

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  5. Frau Momo schreibt:

    Hoffentlich haben wir es noch in der Hand uns für was zu entscheiden, wenn es mal soweit ist. Das kann ja auch so schnell gehen, das es keine Alternativen mehr gibt Schlaganfall oder ähnliches. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob ich tatsächlich einen Weg gehen könnte, um mir das zu ersparen. Ich weiß, das z.B. meine Mutter diesen Weg schon geplant und vorbereitet hat.

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    • Elvira schreibt:

      Ich stehe dieser Frage auch sehr ambivalent gegenüber. Zumal es ja durchaus sein könnte, dass man dann eine helfende Hand braucht. Und das erscheint mir eine sehr hohe Hürde, jedenfalls möchte ich das keinem Angehörigen zumuten. Aber ich habe in der letzten Nacht besser geschlafen, da sind solche Gedanken wieder weiter weg gerückt – aber latent natürlich immer da.
      Liebe Grüße von Elvira

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  6. eifelprinzessin schreibt:

    Altern ist nichts für Feiglinge!!!! Und mit ein bißchen Humor läßt sich vieles beswser ertragen! Das sind zwar so flpsige Sätze, doch ich finde mit viel Inhalt. Einen schönen Sonntag!

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    • Elvira schreibt:

      Ich weiß nicht ob Humor helfen kann, wenn man sich als Pflegefall wundgelegen hat, weil niemand zum Wenden da war. Ich sehe in der Praxis fast täglich die Folgen, und das sind mitunter schwer heilende Wunden, da alte Menschen eine verminderte Wundheilung haben.
      Liebe Grüße von Elvira

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  7. Silberdistel schreibt:

    Ja, da sprichst Du wirklich etwas an, worüber man sich, so lange es einem gut geht, eigentlich kaum einmal Gedanken macht. Seitdem mein Vater im Pflegeheim ist, muss ich öfter darüber nachdenken, wie schlimm es sein muss, wenn Körper und Geist einem nicht mehr gehorchen und man auf helfende Hände angewiesen ist.
    LG von der Silberdistel

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  8. minibares schreibt:

    ich konnte nicht mehr rechts liegen, weil die Schulter kalkig ist. So habe ich immer wieder, täglich gezielte Gymnastik gemacht. in der Zeit nur links gelegen.
    Dann hatte ich die Schulter endlich soweit, dass ich wieder rechts schlafen konnte. Nach ner Weile fing dann die linke an. Und die braucht nicht nur tags, sogar nachts Entspannung.
    Ok, wie das mal gehen wird, im Altenheim, da graust es mir auch vor.

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