Dicke Bücher

Als ich meinen Mann in ferner Vergangenheit kennenlernte, bekamen wir zum ersten gemeinsamen Weihnachtsfest von seinen Eltern die fünf Bände des damals aktuellen Brockhaus geschenkt. Das war ein wertvolles Geschenk. Viel Wissen für viel Geld. Mein Mann liebte schon immer seine Lexika. Schon als Oberschüler konnte er stundenlang in ihnen verschwinden. Vom gesuchten Begriff A wurde er nach B gelenkt, von dort gab es einen interessanten Hinweis auf C.  Wir kennen das ja auch. Nur müssen wir heute nicht mehr die schweren Bücher in die Hand nehmen, sondern klicken uns von Link zu Link.

Als ich vor einigen Monaten wider einmal unsere Bücher durchforstete, überlegte ich, ob ich die Brockhäuser auch aussortiere. Aber irgendwie ging das nicht. Ich kann euch nicht sagen, warum. Es hatte nichts mit den Schwiegereltern zu tun oder mit meinem Mann. Ich hatte das Gefühl, dass diese Wälzer zu meinem Leben gehören. Auch wenn ich sie nur noch sehr, sehr selten in die Hand nehme.

Und genau das habe ich heute getan. Wonach ich suchte, was ich nicht im Netz gefunden habe? Ich glaube, heute findet man alles im Netz. Aber es gibt etwas, das kann das Netz nicht. Es kann keine Nähte beschweren:

Ich musste mir einen neuen Markisenstoff für den Balkon bestellen. Damit verkleide ich die eine Seite unseres offenen Balkons. Der alte Baumwollstoff hatte doch ganz schön gelitten und war brüchig geworden. Da dieser Stoff auch Kunststoff beinhaltet, wollte ich die Säume ringsherum erst kleben, bevor ich die nähe. Nach dem Auftragen des Klebers habe ich die Säume umgeklappt und mit den Nachschlagewerken beschwert. Perfekt! So geballtes Wissen hat doch ganz schön Gewicht.
Nun werde ich, sobald es dem Rücken wieder richtig gut geht, die Nähmaschine aufstellen und alles ringsherum feststeppen. Dann werden die Ösen eingeschlagen und mit einer farblich passenden Kordel wird der neue Wind- und Sichtschutz angebracht.

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6 Antworten zu Dicke Bücher

  1. leonieloewin schreibt:

    Ja, zu Hause habe ich auch noch einen, den im Internetzeitalter keiner aus der Familie mehr wirklich nutzt. LG Leonie

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  2. Himmelhoch schreibt:

    Elvira, ich habe immer gesagt, wir sind verkappte Schwestern. – Mein 12bändiges Großes Modernes Lexikon habe ich von Heiko nach seinem Tod bekommen – schon deswegen wird es nie, nie, nie irgendwo landen. Ich nehme es zum reinen Wissenserwerb auch fast nie in die Hand, wiki ist so viel handlicher. Aber als meine Blogbücher so wellig waren nach dem Kopieren, habe ich einen sehr hohen Stapel gebaut und mich teils noch oben drauf gesetzt.

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  3. vivilacht schreibt:

    als meine Schwiegermutter zu uns runter zog, da musste ich ihr ausreden, dass sie den Brockhaus auch mitnimmt. Fuer sie war es eigentlich damals nur ein Status Symbol, sie meinte, sie haette so viel Geld damals dafuer gezahlt. Aber das zu uns zu schicken, das kostete zuviel Geld, und es waere wirklich unnuetz. Meine Kinder schauen eine Enzyklopaedia nicht auf Deutsch an, und heutzutage sowieso nicht mehr, bei den Internet Zeiten. Er wurde dann verkauft und fand einen Liebhaber

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  4. Frau Blau schreibt:

    ich blätter immer noch gerne in meinen Lexikas, sie rauschen nicht so 🙂

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