Noch ein Aufreger

 …Den Vorschlag der linken „Einheitsliste“, Frauen das Recht auf öffentliches Stillen gesetzlich zu sichern, wie dies in Schottland, den USA und Australien geschah, findet keine Gegenliebe bei Gleichstellungsminister Manu Sareen: „Man muss die Proportionen beachten. Es ist ja nicht so, dass Frauen nicht stillen dürfen, und wenn ein paar Cafés dies verbieten, kann man sein Geld woanders ausgeben.“…

Ein Satz aus einem Artikel der Frankfurter Rundschau, in dem es um eine Demo öffentlich stillender Mütter (Still In)  ging. Das früher so liberale Dänemark macht es stillenden Müttern nämlich immer schwerer, ihre Babys auf diesem natürlichen Weg zu ernähren. Hinter verschlossener Tür gerne, aber im Zoo, auf einer Parkbank oder gar in einem Café? Das wird zunehmend problematisch. Für mich ist das Diskriminierung pur! Was wird folgen? Ich mag mir das gar nicht ausmalen. Kann es sein, dass wir uns in Richtung einer neuen Spießbürgergesellschaft entwickeln? Wofür habe ich in den 70ern gekämpft? Gegen diesen Mief, der langsam aber sicher aus allen Löchern zurück kriecht in unser Alltagsleben. Vor sich her schiebt er die Werbeberge all der Dinge, die wir für unser Spießbürgerleben unbedingt benötigen. Und um jeden von uns wächst seine persönliche Mauer aus Habgier und Rechthaberei. Wie heißt es in dem Artikel in Bezug auf kontroverse Blogbeiträge:

…die anderen jubeln, dass es Orte gibt, in denen ihnen nicht „die Titten in den Teller fallen“…

Aber ganz am Ende steht der Satz, der mich wieder hoffen lässt:

…Die einen meinen, das Nuckeln von Babys sei „unappetitlich“. Die anderen finden es süß; unappetitlich seien eher die Erwachsenen, die ihren Burger verschlingen, während ihnen das Dressing aus den Mundwinkeln tropft…

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8 Antworten zu Noch ein Aufreger

  1. Clara Himmelhoch schreibt:

    Es muss doch keiner hinsehen, wenn es ihm nicht gefällt, wenn eine junge Mutter ihr Kind stillt. Dafür bräuchte es meiner Meinung nach kein Gesetz dafür oder dagegen.
    Vor vielen Jahren, als die DDR von einem großen, starken Mann“geheiratet“ wurde, habe ich mich sehr oft über die „prüden Westdeutschen“ (Verzeihung für die Verallgemeinerung, aber mir wurde es sehr oft in Gesprächen so rüergebracht) gewundert, die sich fürchterlich über das in der DDR weit verbreitete FKK aufgeregt haben.
    Das war nicht PFLICHT, an diese Strände MUSSTE keiner gehen – aber aufgeregt hat man sich, als wäre dort Zwangsentkleidung üblich.
    Vielleicht neigen wir Deutschen eben eher dazu, uns zu echauffieren, wobei ich mich keinesfalls ausnehmen möchte, denn auch ich bin nicht aufregerfrei.

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    • Elvira schreibt:

      Aber hier regen sich die doch als so liberal bezeichneten Dänen auf. Auf unserem Betriebsausflug gestern fiel der Satz: „Allgemeinwohl geht über Demokratie!“ Diese Aussage fand ich sehr bezeichnend.

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      • Clara Himmelhoch schreibt:

        Nicht zum ersten Mal im Leben habe ich den Eindruck, dass man „Aufregung“ durch Medien und sonstwas auch hochpushen, steuern und reglemenieren kann oder könnte, immer nach dem Motto „Wem nützt es?“

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  2. Hallo Elvira 🙂
    Ich möchte da mal Clara Himmelhochs 2. Kommentar zustimmen. Oft sind es Einzelne, die die Medien geschickt dazu nutzen, ein Thema am laufen zu halten, um ein angepeiltes Ziel zu erreichen.
    Dagegen müssen wir uns wehren, indem wir erkennen, dass wir manipuliert werden sollen. Und da ist die erste Frage richtigerweise immer:“ Wem nützt es?“ (außer den Medien, die auch gekauft werden wollen).

    Zu den stillenden Müttern: Ich persönlich finde stillende Mütter okay, solange sie diskret sind. Denn natürlich sollten sie Rücksicht nehmen auf die Mitmenschen, die – peinlich berührt – da nicht zusehen möchten. Stillende Mütter könnten sich einen Platz suchen, der nicht gerade zentral im Cafe liegt, sondern am Rande. Und auch auf einer Parkbank im Zoo kann man eine Position einnehmen, die nicht alles zeigt.
    Ich selber würde nicht in der Öffentlichkeit gestillt haben, weil ich nicht alle Dinge öffentlich tun möchte, die ich meiner Privatssphäre zurechne. Warum das wahren der Privatssphäre immer als „prüde“ tituliert werden muß, erschließt sich mir allerdings nicht so recht.
    Verbieten oder per Gesetz regeln würde ich solche Angelegenheiten nicht wollen. Wollen wir jetzt wirklich sogar stillende Mütter kriminalisieren? Ist das unsere vielgepriesene Freiheit?
    Erwachsene Menschen sollten doch in der Lage sein, auch ohne Gesetz achtsam miteinander umzugehen
    Grüßli zum Wochenende 🙂

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  3. Frau Blau schreibt:

    ja, wofür haben wir gekämpft und wieso haben wir nur? Wir tun es doch immer noch … oderrr?!
    außerdem sind auch die jungen Frauen von heute gefragt, und da sehe ich dann relativ wenig Ambitionen, schade eigentlich!
    herzliche Grüße
    Ulli

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    • Elvira schreibt:

      Es ist eben diese Mauer! Selbst der Blick über den Tellerrand geht nur bis zu dieser persönlichen Mauer – alles dahinter geht nichts an.
      Ja, es ist schade!
      Ganz liebe Grüße von Elvira

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      • Frau Blau schreibt:

        Aber schauen wir doch noch einmal genau, liebe Elvira, dann können wir auch junge Menschen treffen, die sich wieder engagieren, die, wie wir, wieder Samen streuen …
        Das eine ist die offizielle Welt und die Medien, die uns dies und das und jenes glauben machen wollen, das andere ist die reale Welt, in der es mehr Menschen gibt, als wir manchmal glauben wollen, die sich um neue Wege bemühen …

        herzliche Sonntagsgrüße
        Ulli

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        • Elvira schreibt:

          Oh, ich kenne einige junge Menschen, die sehr engagiert sind – in vielerlei Hinsicht! Aber wenn ich mich so umhöre, steht Bauer sucht Frau und wer tanzt mit wem am besten bei den meisten anderen an erster Stelle.
          Ich werde mir jetzt einen Kaffee machen (habe bis fast eben gearbeitet, Abrechnung steht ja bevor), dazu esse ich ein paar leckere Kekse und lese die Zeitungen von gestern. O.k., nichts ist so alt wie die gestrige Zeitung, aber vielleicht finde ich ein paar nette Nachrichten.
          Ganz liebe Grüße zu Dir!
          Elvira

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