Alles eine Frage des Blickwinkels

Oft kommt es auf die Sichtweise an, wie wir ein Ding betrachten. Heute habe ich bei Clara die Tanzende Berolina bewundert. Erst auf dem zweiten Foto gab sie sich mir zu erkennen. So sieht jemand in einem Baum ein Gesicht, das einem anderen Betrachter verborgen bleibt. Wer erinnert sich nicht daran, zu zweit oder zu dritt auf einer Wiese gelegen zu haben und am Himmel statt Wolken Hunde, Riesen, Hexen und andere Figuren ziehen zu sehen? Und doch blieben für den einen oder anderen Wolken einfach nur Wolken. Zum Sehen gehört eindeutig mehr als ein Augenpaar. Was für die meisten Menschen ein grober Holzklotz ist, verwandelt sich für den Künstler bereits in eine Form. Im Marmorgestein erkennt der Bildhauer bereits die Linien, die er herausarbeiten wird. In dem Moment, in dem die Töpferin die Töpferscheibe in Bewegung setzt, formen ihre Hände das Gefäß, das sie vor ihrem inneren Auge gesehen hat. Und manchmal ändert sich während dieses Prozesses der Blickwinkel. Dann entdeckt der Künstler eine vorher nicht gesehene Unebenheit, die seinem Werk eine andere Richtung geben könnte. Das erste Bild wird verworfen, es wird den neuen Begebenheiten angepasst. Kreative Schaffensphasen folgen keinen starren Richtlinien. Genauso ist es mit dem Leben eines jeden einzelnen von uns. Wir sind der Holzklotz, der Marmorstein, der Tonklumpen und die Farbpalette. Wir sind die Künstler unserer Lebensentwürfe. Immer wieder müssen wir uns aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und unser Leben anpassen – oder auch nicht. Anpassen meint hier nicht unterordnen! Ich verstehe es als Veränderung. Wenn wir die Unebenheit entdecken, müssen wir entscheiden, ob wir sie glattfeilen oder belassen. Sie vielleicht sogar als etwas werten, dass uns besonders macht. Und wir müssen akzeptieren, dass  wir auch von unseren Mitmenschen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Vielleicht gefällt uns nicht immer, was andere in uns zu sehen meinen. Nicht jeder wird in uns die Tanzende Berolina entdecken.

Was ich vor einiger Zeit entdeckte, sind diese Werbeplakate eines Optikers. Manchmal kommt es eben nicht auf den Blickwinkel an, sondern auf die richtige Seh-Hilfe.

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11 Antworten zu Alles eine Frage des Blickwinkels

  1. monisertel schreibt:

    Liebe Elvira,
    ganz feiner Artikel, Danke♥
    Diese Werbung ist wirklich originell und gelungen und sicher auch erfolgreich, denn so etwas bleibt in Erinnerung.
    Guten Wochenbeginn
    moni

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  2. vivilacht schreibt:

    die Werbung hier ist sehr gut gemacht, wie Moni schon schreibt, die bleibt im Gedaechtnis. Dein Artikel ist sehr gut, speziell da ich mal wieder auf einem Sabbatikel bin. Da muss ich mich auch anpassen, an die Wohnung, an die Gegend, an was ich hier und dann am naechsten Platz machen kann, ob ich mein Fleisch, das ich ja sehr gerne esse, am Ort bekomme, oder es von mehr oder weniger weit her bestellen muss. Ich muss mich anpassen an alles, das ich am Platz zur Verfuegung habe. Und dann das Beste daraus machen. Gut dass ich sehr anpassungsfaehig bin.
    Dein Artikel hier ist fast wie extra fuer mich geschrieben, ich danke dir

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    • Elvira schreibt:

      Ich glaube, dass Du in Deinem Reiseleben, sicherlich in vielen Dingen geübt bist – und ich vermute, dass Dich so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann.
      Herzliche Grüße von Elvira

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      • vivilacht schreibt:

        ich versuche halt immer das Beste zu machen, und erfinderisch zu sein. Meist gelingt es, aber nicht immer. Ruhe bewahren war schon immer meine Art, auch als Kind schon, einer in der Familie muss es immer machen, die Ruhe bewahren, so wurde ich es

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  3. leonieloewin schreibt:

    Einmal im Jahr zum Optiker ist gut – ich müsste mich nur daran halten .-). Liebe Grüße Leonie

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  4. Gudrun schreibt:

    Gut geschrieben, liebe Elvira. Natürlich wird in uns nicht jeder eine tanzende Berolina entdecken. Wie sollte er auch bei dem nur flüchtigen Blick, den er riskieren durfte. Das macht mir alles keine Sorgen. Nur, wenn das flüchtige Bild als glasklare Wahrheit genommen wird, dann gefällt mir das gar nicht.
    Gruß von der Gudrun

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    • Elvira schreibt:

      Der Ausdruck “ das flüchtige Bild“ gefällt mir ausgesprochen gut! Wenn aber jemand, der immer und immer und immer wieder schaut, dennoch nicht das wahre Bild erkennt? Und es einem doch so wichtig ist, erkannt zu werden? Wenn jemand das Bild nicht korrigieren mag, das er sich gemalt hat? Ich denke, das ist ein großes Thema.
      Ganz herzliche Grüße von Elvira

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  5. Clara Himmelhoch schreibt:

    Elvira, als ich deinen Artikel, der voller Lebensweisheit steckt, zum ersten Mal las, wollte ich noch warten, wo denn bei mir der Pingback auftaucht. Irgendwer verschluckt diese Dinger – weder allgemein bei Statistiken noch speziell bei diesem Artikel ist ein Hinweis gekommen. Das ist nur dann etwas ärgerlich, wenn man/frau den Ursprungsartikel nicht von allein liest – da können schon (wichtige) Informationen verloren gehen – aber nun nicht mehr zu ändern. An DIR liegt es auf keinen Fall.
    Ich habe mal in den 60er Jahren die zusammengehörenden Filme: „Meine Tage mit Pierre – Meine Nächte mit Jacqueline“ gesehen. Deutlicher konnte es nicht gezeigt werden. Es waren immer die gleichen Situationen gefilmt worden – eben nur aus den beiden unterschiedlichen Blickwinkeln von ihr und ihm. Kein oder kaum ein Mensch hätte geglaubt, dass es um die gleiche Sache geht.
    So viel kann Subjektivität verändern – und ich glaube, bei Menschen kann es nur eine versuchte Objektivität geben.

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  6. Elvira schreibt:

    Den Film kenne ich leider nicht – er hört sich sehr interessant an. WordPress macht eh komische Dinge: Letztens musste ich in meinem eigenen Blog eine Antwort, die ich auf einen Kommentar gegeben habe, aus dem Spam fischen.
    Liebe Grüße von Elvira

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