Plötzlich war es da

Dieses Bild. Von ihr? Von mir? Ein Spiegelbild! Wer schaut hinein und wer heraus? Ich sehe sie – und mich. Sie war so alt wie ich es heute bin. Der tägliche Blick in den Spiegel zeigt sie mir. Und doch ist da dieses andere. Eingebrannt. Unauslöschbar. In wenigen Stunden jährt sich ihr Todestag. Und ich werde alles wieder erleben. Ihre letzten Worte hören. Ihrem letzten Atemzug lauschen. Ungläubig, dass kein weiterer ihre Brust hebt. Unfassbar und unerwartet. Wir beide. Mutter und Tochter. So nah und so fern. Vielleicht bleibt mein Herz deshalb kühl an diesen Tagen. Diesen Feiertagen. Trotz Kinderlachen. Niemand, der weiß um diesen Schmerz. Niemand, der ihn teilt an diesen Tagen. Nur Du, mein ferner Bruder, weißt was ich fühle. Ich schicke meine Tränen zu Dir und trockne die Deinen. Morgen nehme ich Dich mit zu ihr. Du wirst es spüren.
12 7.2.87 Oma Gerda

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