Gesichter mit Charakter

Wir Menschen vergeben unsere Sympathie auf sehr unterschiedliche Weise. Bei Tieren ist die Grenze zwischen Mögen und Nichtmögen recht klar gezogen: Alles was niedlich, süß, knuffig und kuschelig ist auf der einen, alles was als hässlich und bedrohlich oder unheimlich eingestuft wird, auf der anderen Seite. Am Sonntag bin ich u.a. auch durch das Schlangenhaus gegangen. Schlangen und Spinnen hinter Glas sehen sich die meisten an, wenn auch mit einem leichten Abscheu im Gesicht. In diesem Haus gab es einen kleinen Ausreißer. Ein Gecko saß auf dem Sims über den Terrarien:

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Vielleicht ist er aber auch nicht ausgebüxt, sondern hilft dabei, die Zahl der entfleuchten Futterinsekten zu reduzieren. Dafür benutzen die Zooleute in diesem Haus aber noch ein anderes Tier. Gesehen habe ich es nicht, nur die Infotafel gelesen. Hier Zitate aus einem Artikel der Berliner Zeitung:

Wenn es Nacht ist im Schlangenhaus des Tierparks, wird es unruhig zwischen den Terrarien: Handgroße Spinnen krabbeln aus ihren Verstecken, flitzen mit enormer Geschwindigkeit über die Gänge und machen Jagd auf Fliegen und Kakerlaken. Am Morgen verschwinden sie wieder hinter Heizungen oder Verschlägen. Bei den Mitarbeitern des Tierparks sind diese Untermieter durchaus gern gesehen. Denn Heteropoda Venatoria, ist für den Menschen völlig ungefährlich, aber sehr nützlich: Die tropischen Jagdspinnen vertilgen die Schädlinge im Schlangenhaus. So erspart man sich den Einsatz chemischer Gifte. Seit mehr als 40 Jahren schon leben diese Spinnen im Tierpark. „Sie sind 1958 zufällig mit Bananenkisten zu uns gekommen“, sagt Joachim Kormann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Tierparks. Im Schlangenhaus und in der Krokodilfarm hätten die Spinnen ideale Lebensbedingungen vorgefunden – ein feucht-warmes Klima und ein gutes Nahrungsangebot…. Ein Schild warnt.  Manchmal allerdings lässt sich auch ein Kontakt zwischen Tier und Mensch nicht vermeiden. Seit einigen Monaten werden deshalb die Besucher der Schlangenfarm über die Existenz der Jagdspinnen informiert. Auf einem Schild werden sie gebeten nicht zu erschrecken, wenn ihnen plötzlich eine große Spinne über den Weg läuft oder „von oben herabfällt“.

Als ich mit einer Frau darüber ins Gespräch kam, verließ sie fluchtartig das Schlangenhaus. Ich muss gerade daran denken, wie ich in der zweiten Nacht nach meiner Knieoperation über dem Fenster meines Zimmers eine große schwarze Gartenspinne sah. Auf den Schreibtisch klettern konnte ich nicht, also leerte ich eine Cornflakesschachtel, hielt diese an die Wand und stupste die Spinne mit meiner Gehhilfe an. Brav ließ sie sich in die Schachtel fallen und landete anschließend im freien Flug in den Büschen im Garten unter mir. Bitte fragt mich nicht, was ich getan hätte, wenn sie hinter einem Schrank oder unter dem Bett Zuflucht gesucht hätte. Zwar habe ich keine Angst vor den Achtbeinern (ich bin schließlich größer und stärker), aber tief in mir ist dennoch so ein Unbehagen, wenn ich von der Anwesenheit einer Spinne in meinem Zimmer weiß und daran denke, dass das Tier mir während meines Schlafes über das Gesicht krabbeln könnte (ich weiß, die meisten Spinnen machen das nicht).

Nun zu zwei weiteren Tierarten, bei denen die Sympathien ganz klar verteilt sind: Riesenlandschildkröte 🙂 Krokodil 😦  Also, ich sehe mir Krokodile gerne an, wenn auch mit gebührendem Abstand. Aber das ist bei Löwen und Tigern und Bären genauso, obwohl die wieder eher den Kuschelbonus bekommen. Schon komisch, ne?

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4 Antworten zu Gesichter mit Charakter

  1. perlengazelle schreibt:

    Der Gecko auf dem ersten Bild sieht aus wie Kilroy. 😉

    Menschen reagieren auf das Kindchen-Schema (großer Kopf, eine große Stirnregion und eine relativ weit unten liegende Platzierung der Gesichtsmerkmale, große, runde Augen, eine kleine Nase, ein kleines Kinn, rundliche Wangen). Dieser „Schlüsselreiz“ animiert einen zu Schutz- und Pflegeverhalten.

    Je mehr das Tier diesem Bild entspricht, desto eher schmelzen wir also dahin … Auch Erwachsene sollen umso attraktiver gelten, je eher ihr Gesicht diesem Kindchen-Schema entspricht.

    Deshalb haben Krokodile schlechte Karten. 😦

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    • Elvira schreibt:

      Darum sind manche Frauen vielleicht so merkwürdig kindisch und denken, sie wären kindlich 😮
      Unser Kater, der Katzengott habe ihn selig, entsprach noch im Greisenalter diesem Kindchenschema. Er war ein Exotic Shorthair, rundes Gesicht und große Kulleraugen. Ach, ich habe ihn geliebt.

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  2. kowkla123 schreibt:

    hallo, herzliche Grüße, wünsche einen guten Tag, Klaus

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