Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – ein Gastbeitrag

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit

Was ist von den drei Begriffen heute vorherrschend? Die Freiheit, aber auch nur sehr eingeschränkt und nicht für alle gleich und brüderlich.

Da fällt mir die VISA-Card Werbung von 1991 ein ………die Freiheit nehm‘ ich mir.

Die Freiheit haben sich die Europäer seit jeher genommen; z.B. dorthin zu gehen, wohin sie wollten. Ich würde auch dorthin gehen, wo ich satt werde und wo man mir nicht das Dach über dem Kopf weg bombt. Aber wir (Europäer) schotten uns ab vor den Flüchtlingen.

Nach Missernten und Hungersnöten wanderten – sofern sie noch über entsprechende Mittel verfügten – Iren, Schweden und Norweger nach Nordamerika aus. Dort waren schon religiös Verfolgte (Quäker, Mormonen, Amische, Juden usw.). Zahlreiche englische und französische Kolonialtruppen und Abenteurer im Goldrausch metzelten die Indianer nieder und dezimierten die riesigen Bisonherden auf einen kleinen Restbestand.

Angefangen hatte es mit Kolumbus. Der italienische Seefahrer in kastilischen Diensten entdeckte 1492 Amerika. Im Wettlauf mit den Portugiesen hatte er den Seeweg nach Indien gesucht. Was sagt uns das? „In Indien gab es auch schon Europäer“.

Die nächsten, die nach Westen segelten, waren spanische und portugiesische Konquistadoren, die die hochstehenden Kulturen der Inka und Azteken zerstörten Zwei von ihnen seien nur erwähnt: Pizzaro und Cortes. Nach Osten zurück segelten mit unermesslichen Schätzen spanische und portugiesische Schiffe.

Ab dem 16. Jahrhundert nahmen unzählige Schiffe von Afrika kommend Kurs auf Nord- und Südamerika und die Karibik mit unzähligen Sklaven. Die hatten nicht den freien Willen, dorthin zu gehen…….und von Gleichheit und Brüderlichkeit kann man schon gar nicht reden.

Apropos Afrika. Waren zuerst nur die Küsten als Stützpunkte für die seefahrenden Kolonialmächte interessant, so wuchs mit den Entdeckungsreisen europäischer Afrikaforscher das Interesse der europäischen Mächte an Afrika als Ganzes.

Vor 130 Jahren – vom 11.11.1884 bis 26.02.1885 fand die sogenannte „Berliner Konferenz“ statt. Sie wurde auch „Afrika-“ oder „Kongo-Konferenz“ genannt. Der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck hatte Delegierte aus 13 europäischen Staaten, aus den USA und dem osmanischen Reich geladen. 

Ohne Rücksicht aus die Afrikaner wurden die Interessensphären – wie mit dem Lineal gezogen – gegen einander abgegrenzt. Das deutsche Reich erhob Ansprüche auf Gebiete der heutigen Staaten Namibia, Kamerun, Togo, Tansania, Ruanda und Burundi. Aufstände der Herero und Nama wurden dabei grausam niedergeschlagen.

Generalleutnant Lothar von Trotha war dabei einer der großen „Helden“.
Wir sollten uns klar darüber sein, dass diese Aufteilung die Ursache der meisten heutigen afrikanischen Kriege und Konflikte sind. Völlig unvorbereitet wurden – auf Betreiben der blockfreien Staaten, der Sowjetunion und China – die ehemaligen Kolonien Mitte des 20. Jahrhunderts in die Unabhängigkeit entlassen.
Abgesehen von vielen gutwilligen und einsichtsvollen Menschen, besteht die europäische Politik darin, Europa für viele Flüchtlinge unerreichbar zu machen. Unsere Politiker fordern Verständnis für die Ängste der Dumpfbacken von PEGIDA und der Stammtische.
Frei nach Heine:
Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“

Diese Gedanken hat mein Mann zu Papier gebracht. Er ist nicht nur ein sehr geschichtsinteressierter Mann, sondern er hat seinen kritischen Geist aus den 68ern  nie verloren. Ob das ein Beitrag für mein Blog sein könnte, hat er mich gefragt. Was für eine Frage! Natürlich ist er das!

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7 Antworten zu Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – ein Gastbeitrag

  1. Ruthie schreibt:

    Das ist ein toller Beitrag! Was um alles in der Welt bringt uns dazu, uns für etwas Besseres zu halten? Wir sind überall in der Welt Ausländer (außer im eigenen Land). Und wir werden überall geduldet oder sogar willkommen geheißen. Was also bildet sich der Deutsche/der Europäer eigentlich ein?

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  2. vivilacht schreibt:

    MIr hat er auch gut zugesagt, der Beitrag.
    Wenn ich so lese, was Ruthie kommentiert, da kann ich nur sagen, wir werden leider nicht ueberall geduldet und an vielen Orten absolut NICHT willkommen geheissen. Ausser im eigenen Land. Und da ist es auch (leider) so, dass man jeden anschaut, und schaut woher er eingewandert ist. Und nicht jeder wird dann wirklich willkommen geheissen im eigenen Land.

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  3. Gudrun schreibt:

    Ein guter Beitrag, liebe Elvira. Sag es bitte deinem Mann. Ich wünschte mir, es würden viel mehr Menschen so denken wie er.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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  4. quiltfru schreibt:

    Ein hervorragender Artikel. Entspricht voll und ganz meiner Meinung.

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  5. Ulli schreibt:

    ich ernte oft erstaunte Blicke, wenn ich sage, dass AmerikanerInnen doch auch nur EuropäerInnen sind, es scheint als hätten viele vergessen, dass sie nicht die UreinwohnerInnen sind und ich frage mich immer wieder wann all die Völker aufstehen und Tacheles reden. Doris Lessing schrieb in den 1970iger Jahren das Buch „Shikasta“, darin gab es gen Ende ein Gerichtsverfahren aller farbigen Völker gegen den weissen Mann und da habe ich mich damals sehr geschämt und habe es nie vergessen. In dem Film: no more smoking signals sagt ein Lakota: es hat schon immer weisse Männer und Frauen gegeben, die auf unserer Seite waren, aber es hat uns nie etwas genutzt …
    ich danke dir und deinem Mann für diesen Beitrag und grüsse euch herzlich
    Ulli

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  6. Eva schreibt:

    Warum wohl zeigen einige unserer Politiker so viel Verständnis für die Ängste derer … Vielleicht, weil sie genau diese Ängste wirksam geschürt haben? Hoffentlich werden wir die bösen Geister, die sie damit riefen, wieder los …

    Dieser Gastbeitrag ist ein weiteres passendes Stück in Deinem Quilt. Danke an Deinen Mann für die Geschichtsstunde.

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  7. Liebe Elvira 🙂
    Danke an deinen Mann für den tollen Beitrag. Ich frage mich manchmal, wieso hier alle vergessen haben, dass die Europäer andere Kontinente ausgebeutet (und noch ausbeuten) und unterdrückt haben.
    Grüßli 8)

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