Drabble mit Nackenschmerzen

Ihr erinnert euch noch, was ein Drabble ist? Mein Sohn hatte es hier ja beschrieben und mich aufgefordert, mich auch daran zu versuchen. Natürlich unter Einhaltung der Regeln. Spontan verständlicher Einstieg, überraschendes Ende und ganz genau 100 Worte lang (exclusive Titel). Mir liegt so etwas eher nicht. Ich bin nicht der Pointentyp. Meine Figuren sind eher tragischer Natur oder neigen zum Sarkasmus. Nun geistert mir aber schon seit Tagen eine Geschichte durchs Hirn. Sie ziert sich noch ein bisschen und muss angefüttert werden. Eine Grundidee meldet sich aber immer wieder zu Wort. Sie versucht es jedenfalls. So eine aufdringliche, wisst ihr, eine, die immer mit den Fingern schnippt und unbedingt die Aufmerksamkeit auf sich lenken will. Eine, die so lästig wird wie ein Ohrwurm, bei dem ihr euch dann mitten auf der Straße dabei erwischt, wie ihr ihn laut mitsingt. Diese Idee hat mich heute weichgekocht. Ich öffnete mein Schreibprogramm um zu beginnen (ich bin ein Pantser, lieber Jens, daran wird sich nie etwas ändern, sorry!), schrieb den ersten Satz und da war sie plötzlich, die Drabble-Idee. Und?  Zufrieden?

 

Nackenschmerzen

Maria hatte alles probiert. Warme Umschläge. Rotlicht. Sie hatte Schmerztabletten geschluckt. Nichts hat geholfen. Ihr Nacken tat immer noch weh. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer. Sobald sie den Kopf nur ein Stück bewegte, setzte der Schmerz ein. Sie konnte nicht mehr zur Arbeit gehen. Maria meldete sich krank. Drei Tage konnte sie ohne Krankschreibung fehlen. Sie nahm sich fest vor zum Arzt zu gehen, sollte dann immer noch keine Besserung eingetreten sein. Sie schlief schlecht, bekam Albträume. Ihr Nacken schmerzte stündlich mehr. Dieser Film hatte sie wohl mehr mitgenommen, als sie zunächst glaubte. Die Hinrichtung der Maria Stuart.

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8 Antworten zu Drabble mit Nackenschmerzen

  1. vivilacht schreibt:

    herrlich, ich dachte zuerst etwas ganz anderes, der Schluss ist wirklich der Hammer.

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  2. Der Emil schreibt:

    Du hat bei Pantser-Link einen Doppelpunkt versimbelt, der Link tut nicht.

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  3. perlengazelle schreibt:

    Das erinnert mich an einen Witz, den mein Vater immer erzählte:
    Der Scharfrichter, ein Meister seines Fachs, wirbelt die hauchdünne Damaszenerklinge dreimal um sich und lässt sie dann durch den Nacken des Verurteilten sausen. Der Delinquent, als wäre nichts gewesen, steht immer noch aufrecht da. Er spottet: „War wohl nichts, Herr Scharfrichter?“ Worauf der Henkersknecht nur lakonisch bemerkt: „Nicken Sie mal!“

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  4. Gudrun schreibt:

    Au! da fühlt man doch gleich auch was.:)
    Ich finde es übrigens großartig, wie ihr Anregungen aufgreift.
    Gruß von der Gudrun

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