Tattoos, Piercing und das Alter

Gestern hatte ich ein anregendes Gespräch mit meinem Physiotherapeuten. Es begann mit einem Artikel aus der Süddeutschen, in dem Pläne der Union veröffentlicht wurden, dass es Patienten in naher Zukunft ermöglicht werden soll, ohne Umweg über den Orthopäden/Hausarzt direkt den Physiotherapeuten des Vertrauens aufzusuchen (das soll hier aber nicht Gegenstand meines Posts werden, denn das ist ein Thema, das unter sehr unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet werden muss). Wir sprachen dann über unreflektierten Journalismus und irgendwann über Omis. Zum Abschied wünschte er mir, mein Dienst fing gerade an, nur freundliche Omis in der Praxis. Ich sah ihn groß an und meinte, dass ich auch eine Omi bin. Worauf er wiederum erst mich erstaunt ansah um dann einen Blick auf meine Krankenakte zu werfen. Er hat mich glatt zehn Jahre jünger eingeschätzt. Ich habe ihn daraufhin gefragt, was ihn zu dieser falschen Einstellung veranlasst hat. Das wäre meine Art gewesen, meine Aufgeschlossenheit, mein Humor und dass ich offensichtlich keine festgefahrenen negativen Einstellungen hätte. Na, ja, so in der Art hat er das gesagt. Das war ein wunderbares Kompliment, das ich so ähnlich vor vielen Jahren von jemand anderem schon einmal erhalten habe. Nicht die um ein Jahrzehnt falsche Alterseinschätzung hat mir geschmeichelt. Ich stehe durchaus zu meinen 61 Jahren. Aber der Eindruck, den ich bei ihm hinterlassen habe. Mir wurde heute bei einem Gespräch mit jemanden, der zehn Jahre älter ist als ich, klar, was der Physiotherapeut meinte. Gestern stieß ich zufällig auf folgendes Video: Nein! Ich würde das nie und nimmer über mich ergehen lassen! Aber es ist mir egal, wenn das andere Menschen machen. Es ist ihre Sache und ich käme nie auf die Idee, mich negativ darüber zu äußern. Als ich meinem Gesprächspartner davon erzählte, meinte er sofort, dass das doch krank wäre. Sicherlich gibt es auch jüngere Menschen, die sich so äußern würden. Mir fällt aber auf, dass es überwiegend ältere bis alte Menschen sind, die ihre ablehnende Haltung nicht durch Unverständnis äußern, sondern sich verbal mit Ausdrücken wie krank, abartig, idiotisch u.ä. artikulieren. Fast alle meine Kolleginnen haben  Tattoos, die ganz jungen auch Piercings. Sie begegnen uns überall im Alltag und haben schon lange den Beigeschmack von Seefahrt und Knast verloren. Und ganz ehrlich! Wäre ich heute jung, hätte ich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch ein Tattoo. Mit Sicherheit kein Arschgeweih und auch keine asiatischen Schriftzeichen. Aber heute gibt es schier unendliche Möglichkeiten. Eine Kollegin hat eine wunderschöne Feder auf der Innenseite ihres Unterarmes. Ich finde dieses Tattoo wirklich ausgesprochen schön. Und ja, im Alter wird die Feder eben etwas ramponiert aussehen. So what?

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20 Antworten zu Tattoos, Piercing und das Alter

  1. jobcoachingbonn schreibt:

    Ich selber möchte kein Tattoo haben, stehe eher auf Natur :-). Doch bei anderen Menschen habe ich damit überhaupt keine Probleme. Schaue mir gerne Tattoos bei Anderen an. Einige Tattoos gefallen mir weniger, andere dafür sehr gut. Geschmacksache – wie so viele Dinge im Leben. Liebe Grüße und einen schönen Tag

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  2. Hallo Elvira,
    Ich mag auch Tattoos. Das hat meine Tochter, die sich vor einiger Zeit eins stechen lies, zu der falschen Annahme verleitet, ich würde mir eins wünschen, mich jedoch nicht trauen. 😀
    So schenke sie mir letzte Woche zum Geburtstag einen Gutschein über 80 € damit ich mir ein Tattoo stechen lassen kann.
    Da war ich sprachlos. Ich nahm es nicht an, da ich mir kein Tattoo stechen lassen möchte. Aber es war auch ein Kompliment, weil sie mich mit meinen 56 Jahren für aufgeschlossen genug hält, es zu tun. 🙂 So freute ich mich trotzdem über das Geschenk. Sie war nicht sauer und zeigte mir dann das Motiv, welches sie sich jetzt machen läßt (von meinem Gutschein).
    Liebe Ostergrüße 🙂

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  3. Elvira schreibt:

    Genau das meine ich! Und dann solch ein Kompliment vom eigenen Kind, das ist wirklich toll! Die meisten erwachsenen Kinder sehen ihre Eltern ja überwiegend jenseits von Gut und Böse 😉
    Aber das wird sich ändern. Denn die älteren Menschen heute sind nicht mehr zu vergleichen mit unserer Eltern- oder gar Großelterngeneration.
    Liebe Grüße,
    Elvira

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  4. perlengazelle schreibt:

    Tattoo-Tinten sind gesundheitlich äußerst bedenklich. Die Farbpartikel wandern auch im ganzen Körper. Und piercings können alle möglichen Infektionen verursachen. Im Mund können sie Zähne ruinieren. Nichts, was man haben möchte.

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  5. Hans-Georg schreibt:

    Ich war vor ein paar Jahren kurz davor, mir ein Tattoo stechen zu lassen. Auch ein Motiv hatte ich mir schon ausgesucht. Mein Mann war damit auch einverstanden. Aber wohin damit wenn überall Haare sind? Das sieht doch doof aus, wenn aus einem Tattoo Haare sprießen! Und ich hätte keine Lust, mich ständig irgendwo rasieren zu müssen nur wegen des Tattoos.
    Und wie mag ein Tattoo im fortgeschrittenen Alter aussehen wenn die Haut faltig wird?

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    • Elvira schreibt:

      Ich denk da gerade an die Werbung einer Sektmarke: Sekttropfen auf die verwelkte Rose und schon blüht sie wieder auf😉
      Im Netz habe ich irgendwo Tattoos auf alten Händen gesehen. Vielleicht sollte man eine Stelle nehmen, die nicht so offensichtlich altert? Den Nacken zum Beispiel?

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  6. Martin schreibt:

    Ich hätte trotz der Hinweise aus biographischen Fragmenten hier im Blog auch eher auf 51 als auf 61 getippt 😉

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  7. quiltfru schreibt:

    Ich selbst bin kein so großer Freund von Tattoos, obwohl ich zugeben muss, dass es da auch Hübsches gibt. Ich ließe mir nie ein Tattoo stechen, dazu bin ich ein zu großer Schisser. Laufe schon vor einer Spritze davon. Allerdings weiß ich, das es bei einer MNR Untersuchung Schwierigkeiten geben soll. Auch würde ich es lieber an Stellen sehen, wo die Haut länger straff bleibt, Mein Mann hatte eine Patientin, die hatte ein Tattoo auf der Brust. 20 Jahre lang hat es ihn begleitet und wurde leider immer trauriger. Ohrringslöcher, Tattoos, Piercings, Haarimplantate, Schönheitsoperationen usw. sind doch Jedermanns eigene Sache und Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Warum muss man gleich immer alles, was anders ist, mit solch negativen Ausdrücken belegen?
    Gruß Birgitt

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    • Elvira schreibt:

      Wie heißt es so schön? Jedem Tierchen sein Pläsierchen! Ohrringe trage ich auch. Dabei ist das doch auch nichts anderes als Piercing. Aber an diese Form hat man sich gewöhnt und sticht schon kleinen Mädchen Löcher in die Ohrläppchen (etwas, wofür ich eher wenig Verständnis habe).

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  8. vivilacht schreibt:

    dass dir diese Aufgeschlossenheit udn dein Humor noch viele Jahre erhalten bleiben und du eine junge Omi bist und bleibst in allen Augen.

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  9. Ulli schreibt:

    Genau … jung bleiben und alt werden, das ist eine feine Mischung, die dir auf alle Fälle gelungen ist und vielen in unserer Genration auch und widerum vielen nicht. Vielleicht heißt das Zauberwort hierfür ja „Neugierde“ und „Aufgeschlossenheit“ für die Jüngeren und die Fähigkeit sich auch von ihnen einmal etwas Neues erklären oder zeigen zu lassen, ohne dass es gleich am Selbstwert kratzt.
    Ob nun Tatoo oder nicht oder piercing oder nicht, das soll doch bitte jede und jeder für sich entscheiden, ich träumte mal von einem Tatoo, war dann aber zu feige. Nein, nicht wegen dem Bild, sondern wegen der Tortur des tätowierens an sich …

    herzlich grüsse ich dich, nun wieder vom Berg und hoffe, dass du feine Ostertage hattest
    Ulli

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