Kitsch im Kiez

Ich bin ja gerade beim Marathonausmisten. Um die 100 Bücher haben ihren Weg bereits in neue Regale gefunden, weitere 100 liegen seit heute in der Praxis für interessierte Patienten aus. Natürlich habe ich jedes einzelne Objekt auf Herz und Nieren geprüft, oder besser gesagt, ich habe geprüft wie groß der Trennungsschmerz bei mir sein wird. Dabei ist mir ein altes Projekt der Schreibwerkstatt mit dem Titel „Kitsch im Kiez“ in die Hände gefallen. An der Lesung konnte ich nicht damals leider nicht teilnehmen, aber mein Text wurde von anderen Schreiberinnen vorgetragen.

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Alle Texte sind im Juli 2000 entstanden. Wir trafen uns im Kreuzberger Kiez in einer Pizzeria. Da es ein wunderschöner Sommertag war, konnten wir draußen sitzen und unser Projekt nach einer Stärkung mit leckerer Pizza starten. Die Aufgabe bestand darin, in unserer unmittelbaren Umgebung „Kitsch“ zu finden (ich setze dieses Wort deshalb in „“, da Kitsch für jeden etwas anderes bedeutet). Mein Auge fiel auf eine blaue Weihnachtskugel, die noch immer dekorativ in einem Fenster der Gaststätte hing, und die mich zu folgendem Text anregte:

Assoziation zu blauer Weihnachtskugel bei „Gino“ 

von Elvira V. – Juli 2000

Heilige Nacht, stille Nacht,

lustig wird´s wenn´s wieder kracht.

Kinder schleichen in den Keller,

plündern alle bunte Teller.

Mit der Werbung – rosarot,

schlagen wir das Warten tot.

„Grün und blau, putzt die Sau“,

Worte einer alten Frau.

Moralpredigten von Omama,

lustig, lustig, tralala,

erheitern uns die Feierstunde,

Blues in der Familienrunde.

Doch das große Festatgsfressen,

lässt Moral ganz schnell vergessen,

denn pünktlich zu Familienfeiern,

fängt der Opa an zu eiern.

In die unheilschwangre Luft

sprüht Mutter Dosentannenduft.

Vater schmeißt ne Runde Korn,

Oma wird ganz rot vor Zorn.

Aus dem Radio „Stille Nacht“,

während es nun endlich kracht.

Natürlich habe ich mich von diesen Texten nicht getrennt!

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4 Antworten zu Kitsch im Kiez

  1. Gudrun schreibt:

    Und das ist auch gut so, dass du dich nicht von deinen Texten getrennt hast.so etwas muss man unbedingt behalten.
    Gruß von der Gudrun.

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  2. quiltfru schreibt:

    Na, das wäre ja ganz schlimm. Sich von so etwas zu trennen. Das können doch die „lachenden Erben“ beurteilen, oder?

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