Alles hat ein Ende

und das scheint heutzutage auch gewollt zu sein. Vor gut zehn Jahren kauften mein Mann und ich uns Betten. Beide waren, bis auf die Größe (mein Mann braucht einfach mehr Platz), identisch und aus Massivholz. Neue Lattenroste und Matratzen machte das Schlafvergnügen komplett. Vor zwei Jahren bemerkte mein Mann bei seinem Bett, dass sich die Quer- von den Seitenbalken trennten. Er schraubte alles auseinander, verleimte die Dübelstellen und schraubte alles wieder zusammen. Eine Weile hielt das. Dann begann das Bett langsam immer mehr Schwachstellen aufzuweisen. Anfang des Jahres war er endlich bereit, dem Kauf eines neuen Bettes zuzustimmen. Wir entschieden uns für ein Boxspringbett. Schon der Höhe wegen, denn das bedeutete für meinen nicht mehr so rüstigen Gatten ein einfacheres Aufstehen. Ende März haben wir das Bett gekauft, bis zu meinem Rehbeginn Anfang Juni war es immer noch nicht da. Während ich es mir an der Ostsee gut gehen ließ, krachte mein Mann eines Nachts mit dem alten Bett zusammen. GsD hat in dieser Nacht unser Hund nicht unter dem Bett geschlafen, etwas, das er sehr gerne macht. Mein Mann hat das Bett notdürftig repariert und sämtliche Buchwälzer, die er in unseren Regalen finden konnte, zum Abstützen benutzt. Am nächsten Tag hat er mithilfe eines unserer Söhne das Bett soweit stabilisiert, dass er ohne Sorge bis zur Lieferung des neuen Bettes darin schlafen konnte. Allerdings hat er ringsherum jede Möglichkeit des Darunterkrauchens für unseren Hund beseitigt.

Einen Tag vor der Lieferung musste sein Bett auseinandergenommen werden, damit es unsere Müllabfuhr abholen kann und der Platz für den Aufbau des neuen Bettes frei ist. Dabei halfen ihm beide Söhne. Bei der Gelegenheit bat er sie, sich doch auch mein Bett anzusehen. Denn auch das hat ein Problem. Das Holz der einen Längsseite spaltet sich in zwei Teile. Über kurz oder lang wäre der untere Teil, der den Lattenrost trägt, auch zusammen gebrochen. Mit Teilen des alten Gattenbettes wurde also auch gleich mein Bett repariert. Nun steht ein weiterer Bettkauf an.

Drei Tage vor Rehabeginn gab mein Drucker den Geist auf. Ich musste drei Seiten drucken. Die erste hat er brav ausgespuckt, danach kam eine Fehlermeldung, die besagt, dass der Drucker zur Reparatur muss. Recherchen im Netz ergaben, dass es bei der Meldung wirklich keine Möglichkeit gibt, das Teil selbst zu reparieren. Der Drucker war vier Jahre alt.

Vor zwei Wochen bemerkte mein Mann zufällig, dass unsere Waschmaschine (gekauft 2007) nicht mehr heizt. Wir haben keine Ahnung, wie lange sie das schon nicht mehr macht. Die Wäsche war immer sauber. Nun, ja, so richtig stark verschmutzte haben wir sowieso nicht. Die nächsten Versuche bei 90, 60 und 30 Grad brachten den Heizstab leider auch nicht wieder ins Leben zurück. Also mussten wir eine neue Waschmaschine kaufen. Nun unken sämtliche Bekannte, dass wir uns schon mal darauf einrichten sollten, in spätestens vier Jahren mit einer erneuten Anschaffung eines solchen Gerätes zu rechnen. Wir haben uns für keine billige Maschine entschieden und hoffen sehr, dass sich die Unkenrufe nicht bewahrheiten.

Aber all das ist nichts. All das ist zu verschmerzen. Ich kann notfalls auch auf meiner Matratze schlafen. Es geht auch ohne Drucker und es gibt Waschsalons. Viel schlimmer ist, dass seit gestern mein Mann mit einer schlimmen Gürtelrose im Krankenhaus liegt. Seine linke Gesichtshälfte ist betroffen, das linke Auge völlig zu. Es geh ihm sehr schlecht. Dreimal täglich bekommt er Medikamente über einen Tropf und sein Gesicht wird mit Jod eingepinselt. Die Wohnung ist so unglaublich leer und unser Hund weicht mir nicht mehr von der Seite. Ich habe jetzt eine Woche Urlaub genommen, da ich niemanden habe, der sich um den Hund kümmern kann, wenn ich arbeiten gehe. Eine Nachbarin würde mit ihm Gassi gehen und ihm auch sein Fressen geben, das wäre kein Problem. Aber er wäre einfach zu lange alleine. Sollte mein Mann auch noch in der nächsten Woche im Krankenhaus sein, werde ich meine Arbeitszeiten ändern müssen. Das habe ich schon einmal gemacht, als er nach seiner schweren Herzoperation zur Anschlussheilbehandlung fuhr. Der Hund wird wieder lernen müssen, einige Stunden alleine zu bleiben. Mir wurde wieder einmal klar, wie sehr ich an meinem Mann hänge. Wir kennen uns Ende des Monats 40 Jahre und sind am 1.September 39 Jahre verheiratet. Eine Dinosaurierehe, sozusagen. Wenigstens etwas, das gehalten hat. Auch wenn hier und da etwas geflickt werden musste. Sehr berührt hat mich daher das Gedicht von Günter Grass, das Wildgans heute gepostet hat.

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21 Antworten zu Alles hat ein Ende

  1. Martin schreibt:

    Ich wünsche Deinem Mann (unbekannterweise) gute Besserung! Hoffentlich kann er bald wieder in seinem eigenen Bett zu Hause schlafen.

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  2. leonieloewin schreibt:

    Auch ich sende liebe Genesungswünsche und hoffe, dass Du Deine zweite Hälfte schnell wieder hast. Ganz liebe Grüße, Leonie

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  3. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira- unkaputtbar ist nichts mehr in dieser Welt, das ist das eine, das andere ist die Erkrankung deines Mannes, auch ich wünsche ihm eine baldige Genesung- Gürtelrose ist kein Spass, hatte mein Mann auch vor ein paar Jahren, es hat eine Weile gedauert, bis er wieder richtig fit war, aber ins Krankenhaus musste er deswegen nicht, da denke ich, dass es arg sein muss! Also … alles Gute für ihn, aber auch für dich!
    Das Gedicht von Grass hat mich heute auch bewegt …
    Herzliche Grüsse
    Ulli

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  4. quiltfru schreibt:

    Gürtelrose ist äußerst unangenehm. Ich wünsche es Niemandem. Da sein Gesicht auch betroffen ist, drücke ich ihm die Daumen, dass die Augen nicht darunter leiden. Ich halte Dir und ihm ganz fest die Daumen. Das Gedicht hat mir auch gefallen. So ist das, bei Ehe Dinos. Miteinader manchmal schwierig, aber ohne geht ja garnicht. Liebe Grüße, Birgitt

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    • Elvira schreibt:

      Leider ist das linke Auge betroffen. Es ist völlig zugeschwollen.

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      • quiltfru schreibt:

        Die Schwellung wird ja hoffentlich irgendwann verschwinden, wichtig ist nur, dass der Herpesvirus und darum handelt es sich bei einer Gürtelrose, nicht den Sehnerv angreift. Und dass keine Facialislähmung zurückbleibt. Ich halt Dir und Deinem Mann die Daumen

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  5. vivilacht schreibt:

    gute Besserung auch von mir

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  6. Liebe Elvira,
    da wünsche ich deinem Mann von Herzen gute Besserung. Gürtelrose ist kein Spass (gilt sowieso für alle Krankheiten). Wird das nicht auch durch Stress ausgelöst? Sicherlich ist das für ihn kein Vergnügen mit einem zugeschwollenen Auge.
    39 Jahre verheiratet, das ist ’ne Vorgabe.
    Ich hätte jetzt auch schon 36 Jahre voll – hab mit 20 geheiratet – , wäre mein erster Mann nicht so jung gestorben. Gerade mal 20 Jahre haben wir geschafft.
    Die jungen Leute werden später kaum noch Goldene Hochzeiten erleben, sage ich jetzt mal voraus. So jung heiraten, wie wir damals, ist ja völlig out. Vor dem 30. Geburtstag heiraten nur noch wenige Paare. Und trotzdem ist die Scheidungsrate so hoch. Wir „Alten“ sind da Ehe-Dinosaurier, eine aussterbene Art. 😉
    Liebe Grüße und alles Gute für euch.

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    • Elvira schreibt:

      Ich war 21, mein Mann 31 Jahre, als wir uns kennenlernten. Ein Jahr später war uns klar, dass es klappen könnte und wir trauten uns. Es tut mir leid, dass Dein erster Mann so früh starb. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich damit umgegangen wäre. Zwar weiß ich, dass die Zeit alle Wunden heilt, das Leben weitergeht und vielleicht eine neue Liebe des Weges kommt. Dennoch stelle ich mir die Zeit nach solch einem traurigen Einschnitt sehr schwer vor, weil die heilende Zeit so sehr langsam vergeht.
      Ganz liebe Grüße schickt Dir
      Elvira

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      • Liebe Elvira 🙂
        Niemand kann sich das vorher vorstellen. Das schwarze, tiefe Loch, in das man angeblich fällt, beschreibt es schon ziemlich genau.
        Die heilende Zeit vergeht nicht langsam. Sie vergeht in genau der Zeitspanne, die man braucht.
        Ich habe gelernt, dass Sterben zum Leben gehört. Und sehe jetzt vieles mit anderen Augen an, schätze es mehr.
        Es gibt einen sehr schönes Gedicht von Rilke, dass mich zu der Zeit sehr berührt hat.

        Wenn etwas uns fortgenommen wird
        womit wir tief und wunderbar zusammenhängen
        so ist viel von uns selber mit fortgenommen.
        Gott aber will
        daß wir uns wiederfinden reicher um alles
        Verlorene und vermehrt um jenen unendlichen Schmerz.
        Rainer Maria Rilke

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  7. Silberdistel schreibt:

    Och Elvira, das tut mir so leid. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es Deinem Mann schnell wieder besser geht und somit auch die anderen Probleme mit Eurem Wuff nicht mehr bestehen. Betten, Waschmaschinen und Co. sind zu verschmerzen, wenn sie mal ein Wehwehchen haben, aber wenn der Partner krank wird, dann sieht die Welt schon ganz anders aus. Alles Gute für Deinen Mann und liebe Grüße von der Silberdistel

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    • Elvira schreibt:

      Mein Mann ist im Krankenhaus in sehr guten Händen, da mache ich mir wenig Sorgen. Allerdings ist er ein guter Schauspieler und redet alles immer klein. Aber er ist auf dem Weg der Besserung. Nur weiß ich nicht, ob das Virus auch das Auge, den Sehnerv, befallen hat. Ich will diese Frage aber auch nicht durch meinen Mann stellen lassen, denn über diese mögliche Komplikation weiß er nicht Bescheid. Die Schwellung des Auges muss kein Anzeichen dafür sein.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  8. Gudrun schreibt:

    Das tut mir leid, das zu lesen. Ach nein, nicht mit dem Bett oder der Waschmaschine. das ist zwar ärgerlich, aber die Welt geht davon nicht unter. Es tut mir leid, dass dein Mann erkrankt ist. Gute Besserung ihm. Ich denke, er möchte auch ganz gerne wieder nach Hause zu dir und dem Hund. Wenn Berlin nicht so weit wäre, hätte ich den Hund einfach mal geholt, auf Urlaub sozusagen. Der Hund meines Bruders damals hat sich wohlgefühlt und meine Katzen sind ausgesprochen gastfreundlich, was ich mal nie gedacht hätte.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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    • Elvira schreibt:

      Oh, mein Hund liebt Katzen. Jedenfalls deute ich sein Verhalten so, wenn er unbedingt einer der vielen hier freilegenden Miezen hinterhertragen will, was er aber nicht kann, da angeleint. Nein, ich denke, das wäre keine Option. Obwohl man das natürlich nie genau sagen kann. Vielleicht würde er sich doch mit einer Katze vertragen.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  9. scrooge schreibt:

    Liebe Elvira, auch ich wünsche Deinem Mann von Herzen gute Besserung, und dir viel Kraft für diese wahrlich nicht schöne Situation. Alles Gute.

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    • Elvira schreibt:

      Vielen Dank! Gestern habe ich meinen Mann nicht besucht, aber ein Sohn war bei ihm. Er berichtete mir anschließend, dass sein Papa einen wesentlich besseren Eindruck machen würde. Das werde ich heute hoffentlich bestätigen können.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  10. wildgans schreibt:

    Oh, das ist heftig!
    Was Anderes: habe lange überlegt, was denn dein „Rehbeginn“ wohl ist…bis du das Wort später noch einmal geschrieben hast 🙂
    Gute Besserung Euch – missliche Lagen haben es per se in sich, dass es täglich besser wird!
    Gruß von Sonja

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