Alljährliche Floskeln und dennoch große Freude

Ich hatte unlängst Geburtstag und bekam, wie jedes Jahr, viele Anrufe und Mails mit Glückwünschen. Darunter waren einige von Menschen, die mich nicht persönlich kennen, über deren gemailte Grüße ich mich aber sehr gefreut habe. Die meisten der Anrufer sprechen ein einziges Mal in Jahr mit mir. Eben zu diesem Anlass. Da wird mir Gesundheit gewünscht (die kann ich wirklich gebrauchen!) und viel Spaß im kommenden Jahr. Ich soll viel unternehmen und mich verwöhnen lassen. Die Menschen, die mir dieses und ähnliches wünschen, wissen überhaupt nicht, wie es mir wirklich geht – auch wenn einige das durchaus wissen müssten. Ich will mich an dieser Stelle nicht darüber auslassen, warum ich so gut wie nichts unternehmen kann, warum mir so ziemlich alles über den Kopf wächst und der Spaß vor meiner Wohnungstür wieder eine Kehrtwendung macht. Auch von wem ich mich verwöhnen lassen soll, weiß ich nicht so genau. Wie wird Verwöhnen überhaupt definiert? Für mich gehört dazu eindeutig, wenn ich am Abend nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause komme und mein Mann mir einen leckeren Salat bereitet hat (was ich sehr zu schätzen weiß, da er nicht lange sitzen kann und Salatschnippelei doch etwas an Sitzfleisch erfordert). Ich frage mich nur, warum Kontakte, deren Halbwertzeit  lange überschritten ist, sich aus purer Gewohnheit einmal im Jahr melden? Ich mache das schon lange nicht mehr. Es gibt einfach Beziehungen, die im Laufe der Jahrzehnte an Bedeutung verlieren. Darum freue ich mich besonders darüber, dass meine zwei besten Freunde, ja genau ihr, liebe M&Ms, mich nach einer so langen Zeit immer noch so gut kennen. Eure Wünsche entbehren jeder Floskel!

Gefreut habe ich mich aber auch über zwei Geschenke. Das Buch von Astrid Lindgren „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ habe ich zwar erwartet, mich dennoch gefreut, dass dieser Wunsch wirklich wahrgenommen wurde. Aber ganz, ganz, ganz doll freue ich mich über das Geschenk meiner Söhne. Auf einem Briefumschlag stand: Für einen schönen Mittelplatz. In dem Umschlag war eine Eintrittskarte für die Carmina Burana im Tempodrom. Und Mittelplatz bedeutet, dass ich zwischen meinen Söhnen sitze. Wie sehr ich mich darüber freue, gemeinsam mit den beiden diesen Abend zu verbringen, kann ich nicht in Worte fassen.

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10 Antworten zu Alljährliche Floskeln und dennoch große Freude

  1. terencehorn schreibt:

    Dann wünsch ich doch auch mal alles Gute und weiterhin solche tollen Artikel. Gruß Terence

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  2. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira,

    du hast natürlich recht, dass viele Wünsche floskelhaft sind und trotzdem sind es auch Zeichen, dass jemand an dich denkt, vielleicht ist es ja doch etwas mehr, als nur Gewohnheit?
    Verwöhnen lassen- tja, das ist nun wahrlich in deinem Fall eine Frage und dennoch lese ich Verwöhnung von deinem Mann und vor allen Dingen von deinen zwei Söhnen. Was für ein herrliches Geschenk! Du hast wirklich tolle Söhne.
    Das Buch von Astrid Lindgren macht mich neugierig, vielleicht hast du ja einmal Lust es hier zu besprechen? ich würde mich sehr darüber freuen.

    Nun aber wünsche ich dir viele kleine und grössere Lichtaugenblicke in diesem Jahr, Freude mit deiner Familie und ja … Gesundheit und Kraft. Ich sende dir eine Herzensumärmelung und kann nur hoffen, dass es jetzt nicht zu floskelhaft war
    Ulli

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  3. scrooge schreibt:

    Liebe Elvira, auch von mir nachträglich, abwr nichtsdestotrotz von Herzen, noch alles Gute. Ich bin ja selber auch nicht so ein Held im Pflegen sozialer Kontakte, aber ich arbeite dran. Leider sind auch bei mir diverse Kontakte einfach verwässert, aber in meiner alten Heimat habe ich noch zwei gute Freundinnen, und auch wenn wir nicht ständig telefonieren, durfte ich Weihnachten wieder feststellen, dass 18 Jahre und 800 Kilometer nichts ausmachen. Das ist nicht selbstverständlich.

    Deine Geschenke sind toll, ich liebe die Carmina Burana. 🙂 Ganz liebe Grüße nach Berlin.

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  4. isa schreibt:

    Von mir kann man auch nicht behaupten, dass ich eine fleißige Leserin und schon gar nicht Gratulantin bin, denn ich merke mir seltenst Geburtstage im Blogerland. Aber wenn ich es mitbekomme, wie eben hier, dann lasse ich auch gerne Geburtstagswünsche da. (die hoffentlich nicht als Floskeln rüberkommen) Ich kenne und erlebe dich nur in ganz kleinen Guckmomenten durch dein Blogschlüsselloch. Aber alles, was ich bisher von dir erfahren oder miterleben durfte, trägt dazu bei, dass ich dich wirklich sehr schätzen gelernt habe. Alles Gute für dich und für dein Leben, liebe Elvira 🙂 und besonders viel Vorfreude auf den Mittelplatz. Was für ein tolles Geschenk!

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  5. leonieloewin schreibt:

    Da fällt es nicht so leicht Dir noch etwas zu wünschen. Aber ich kann mir richtig gut vorstellen, wie schön das Geschenk Deiner Söhne für Dich ist. Dann wünsche ich Euch einen wunderschönen Abend. Liebe Grüße

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  6. Frau Momo schreibt:

    Ich möchte Dir auch noch schnell ganz herzlich gratulieren. Ich wünsche Dir, dass Deine Wünsche in Erfüllung gehen. Du wirst sie kennen und so muß ich sie nicht vorher aussuchen 🙂 Alles Gute für Dich.

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  7. perlengazelle schreibt:

    Ich gratuliere nachträglich – ganz ohne Floskeln, mit einem Gedicht von Ringelnatz:

    Freude

    Freude soll nimmer schweigen.
    Freude soll offen sich zeigen.
    Freude soll lachen, glänzen und singen.
    Freude soll danken ein Leben lang.
    Freude soll dir die Seele durchschauern.
    Freude soll weiterschwingen.
    Freude soll dauern
    Ein Leben lang.

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  8. Martin schreibt:

    Ich finde die Floskeln auch ’schwierig‘, finde Gratulation aus Höflichkeit, weil man das Datum kennt, auch wenn man sonst wenig oder keinen Kontakt hat, aber okay. Es ist natürlich manchmal seltsam oder schwierig. Ich glaube der Umgang mit dem Geburtstag und den Grüßen (hin oder her) hat auch viel mit der tatsächlichen eigenen Geburt zu tun. Was später gefeiert wird, war für viele erstmal alles andere als ein Vergnügen.
    Alles Gute, Elvira!

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