Nevermind

In einem Kommentar bei einer Bloggerin meinte jemand, dass Worte nicht viel bewirken. So in der Art, den genauen Wortlaut habe ich nicht mehr im Kopf. Die Frage danach, was Worte, Lieder und Bilder bewirken können, wurde vielen gestellt, die sich für oder gegen etwas engagieren. Ich denke an die vielen Protestsongs gegen den Krieg in Vietnam, gegen den Hunger und für den Frieden. Ich denke an Schriftsteller und Kabarettisten. Haben sie wirklich etwas bewirkt? Oder wäre die Geschichte ohne sie genau so geschrieben worden? Und folgen nicht der Marschmusik mehr Menschen als dem Friedenslied? Hat der Schreihals nicht schneller Menschenmassen um sich versammelt, als der leise Poet? Werden Magazine mit Kriegsgeschichten und Waffenbildern nicht häufiger verkauft als ein Gedichtband? Wieviel Menschlichkeit können wir uns erhalten in diesen Zeiten voller Lügen, Hass und Niedertracht? Ich denke, dafür sind sie gemacht, all die wunderbaren Lieder, Texte und Bilder. Sie werden die Kriegstreiber und Aufrührer wohl nicht erreichen oder ändern. Aber sie wecken uns auf aus Resignation und Lethargie. Sie stärken uns. Wenn wir stark sind, dann können wir für unsere Überzeugung einstehen. Und gemeinsam Dinge ändern.

Den Text zu diesem Lied von Leonard Cohen findet ihr hier, auch den Versuch einer deutschen Übersetzung.

 

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6 Antworten zu Nevermind

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira, du triffst einen dicken Nerv von mir – vielen herzlichen Dank! Und ja, lieber bin ich eine arme Poetin und Bildermacherin als eine Schweigende mit Kopf im Sand! es gibt nur manchmal solche Tage … du weisst schon!
    Liebe Grüsse
    Ulli

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  2. leonieloewin schreibt:

    Gut geschrieben. Diese Worte bewirken etwas (zumindest bei mir) und ihnen ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen. Liebe Grüße Leonie

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  3. Martin schreibt:

    So etwas ähnliches dachte ich gestern auch bei dem Birdy-Lied. Das immer mal wieder solche besonderen Menschen auf die Welt kommen, um ein Gegengewicht zu bilden oder zu zeigen, dass es auch anders geht.

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  4. quiltfru schreibt:

    Manchmal ist es schön zu sehen, dass es sie noch gibt, die stillen und lauten Protestler aus den vergangenen Jahren. Nur, wo sind sie alle geblieben? Wo ist Bob Dylan, Phil Ochs, ja wo ist denn Cat Stevens. Außer Joan Baez, die sich immer noch treu bleibt und sie ist auch schon über 70, gab es schlußendlich nur noch Pete Seeger und der ist auch nicht mehr unter uns. Es macht mich so traurig, wie dieses wunderschöne Lied von Leonard Cohen, den ich, vor vielen Jahren einmal selbst erleben durfte. Ein Poet fürwahr. Danke Elvira für diesen Beitrag. Liebe Grüße Birgitt

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  5. Gudrun schreibt:

    Im Zusammenhang mit einem Ereignis in meiner Stadt las ich in einem Kommentar dazu, dass Lichterketten noch nie jemand von etwas abgehalten haben. Ich sehe das nicht so, denn da steht einen Gemeinschaft von Menschen, die nicht so schnell übersehen werden kann. Und der Gemeinschaft tut es gut.
    Nicht immer ist es so, dass der Recht hat und behält, der besonders laut ist.
    Mein Vater hatte sich mit 18 Jahren zur Wehrmacht gemeldet, aus Protestgehabe gegen seine Eltern, weil er ein Held sein wollte und weil er ja als Militärmusiker erstmal nichts auszustehen hatte. Erstmal.
    In Le Havre gab es dann auch ein Platzkonzert, laute Märsche, wie zu einer Militärparade. Der Platz, der sonst belebten Stadt war leer. Da kam ein kleiner Junge angelaufen und blieb vor der Kapelle stehen und hörte ihnen zu. Ein älterer Mann bewegte sich über den Platz auf den Jungen zu, nahm ihn an der Hand und führte ihn weg.
    Dieses fast nebensächliche Erlebnis hat einen tiefen Eindruck bei meinem Vater hinterlassen. Er wusste, dass er nicht als Befreier gekommen war und dass er nicht willkommen war.
    Liebe Elvira, das war bestimmt jetzt ein viel zu langer Kommentar, aber ich musste einfach dazu schreiben.
    Liebe Grüße von der Gudrun

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