Wie mein Sohn seinem Sohn Brexit erklärte

Dieser Beitrag wurde von meinem Sohn auf seiner fb- Seite veröffentlicht:
Meine Kinder gehen in eine Kita – keine große Überraschung. Die Kita ist nach einem halboffenen Ansatz organisiert. Das heißt, es gibt unterschiedliche Kerngruppen mit 10-15 Kindern mehr oder weniger gleichen Alters. Jede Kerngruppe hat einen eigenen Namen und einen eigenen Gruppenraum, der ganz individuell eingerichtet und gestaltet ist. Mein Sohn ist zum Beispiel in der Schweineohr-Gruppe und meine Tochter bei den Dreckspatzen.
Die Erzieher können sich mit ihrer Kerngruppe zum Essen und zur Mittagsruhe in ihren Gruppenraum zurückziehen. Ansonsten können sich die Kinder frei durch die Kita bewegen. Sie können entscheiden, wo sie spielen wollen, mit wem sie spielen möchten und welche der pädagogischen Angebote sie nutzen wollen, die in jedem Raum zur Verfügung gestellt werden.

Die Kinder wurden nicht gefragt, ob die Kita so organisiert werden soll. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Kinder mehr voneinander lernen, wenn sie sich frei im Haus bewegen und die tollen Sachen miterleben können, die die anderen Gruppen ihnen bieten. Außerdem entstehen so weniger Konflikte und die Kinder lernen friedlicher miteinander auszukommen.

Jetzt hat diese eine Gruppe aber ein Problem damit. Sie haben einen besonders schönen Gruppenraum, der etwas abseits liegt und einen super Blick auf den Garten bietet. Da kann man toll malen und basteln. Viele Kinder sind sehr gerne im Raum dieser Gruppe. Nennen wir sie einfach die Teebeutel-Gruppe.
Die Teebeutel-Gruppe hat sich entschieden, dass sie die Türen ab jetzt schließen werden. Die anderen Kinder sollen nicht mehr einfach ungefragt in ihren Raum kommen dürfen. Schließlich verbrauchen sie die ganze Farbe und die Scheren schneiden auch nicht mehr richtig, weil die Kinder der Schweineohren-Gruppe damit noch nicht richtig umgehen konnten und sie haben stumpf werden lassen.

Ab jetzt sind die Türen zu!

Viele Kinder sind traurig.
Aber die Teebeutel können jetzt endlich alleine malen und basteln. Aber irgendwie malen und basteln sie immer nur die gleichen Sachen. Jeden Tag. Und die Farbe ist auch ohne die anderen Kinder immer alle. Und die Kinder der Dreckspatzen-Gruppe hatten immer so lustige Bastelideen, die ihnen beim Anschauen der Bilder- und Märchenbücher gekommen sind, die es in ihrem Gruppenraum gibt. Die Teebeutel sind jetzt traurig, denn sie haben keine Bilder- und Märchenbücher.
Nur leere Farbtuben, stumpfe Scheren und einen tollen Blick in den Garten, in dem die anderen Kinder Spiele spielen, die sie nicht kennen.
Ach ja, und sie haben verschlossene Türen.

Ich weiß nicht, meine Kinder haben sehr schnell verstanden, dass der ‪Brexit‬ eine schlechte Idee ist. Sie sind drei und fünf Jahre alt. Zum Glück ist man in dem Alter noch taub für Gehetze.

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15 Antworten zu Wie mein Sohn seinem Sohn Brexit erklärte

  1. Pingback: Eine wunderbare  | Sweetkoffie's Blog

  2. sweetkoffie schreibt:

    Ganz wunderbar erklärt, liebe Elvira.
    Schönen Sonntag und LG sk

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  3. plattlandtage schreibt:

    Super Erklärung anhand einer treffenden Parallele. LG Elke

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  4. quiltfru schreibt:

    Herrlich. Eine wunderbare Erklärung. Hat großen Spass gemacht zu lesen. Liebe Grüße, Birgitt

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  5. isa schreibt:

    genial, das bewießt, dass die Materie sehr leicht zu verstehen ist und, dass andere Entscheidungen ohne Hirn und Herz getroffen worden sein müssen.

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  6. Martin schreibt:

    Eine schöne Erklärung. Hach, die Teebeutel-Gruppe! Ein Blick in die Welt der Kinder gibt doch allzu oft sehr erleuchtende Einsichten in die kranke „Verkehrtheit“ der Erwachsenenwelt.

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  7. rose1711 schreibt:

    eine phantastische Erklärung, und für uns Erwachsene so kar und deutlich zu erkennen. Aber warum erkennen nur wir es?

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  8. Ulli schreibt:

    Dein Sohn ist doch sehr weise, liebe Elvira. Eine tolle Erklärung! ich danke dir fürs teilen und sende Herzensgrüsse ins Weit zu dir hin
    Ulli

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