Die Fiktion in der Realität lädt zum Schmunzeln ein

Bei mir geschieht nicht viel. Nichts, worüber ich schreiben möchte. Draußen ist Chaos genug. Genug zum Gruseln. Na, ja, jedenfalls für die, die nicht ausschließlich fußballfixiert sind. Darum gehe ich wieder fremd und poste eine kleine Story meines Sohnes:

Die Tochter und ihre Haare kommen freudestrahlend angerannt und bleiben grinsend vor mir stehen. Die Tochter zuerst. Die Haare haben noch mit dem Bewegungsmoment und der Trägheit zu kämpfen.
„Papi, Papi!“, ruft sie – also die Tochter. „Ich habe in der Schule einen Pokal gewonnen. Soooooooo groß!“
Nicht verwirren lassen, bitte. Mit ihren drei Jahren erzählt die Tochter häufig von der Schule, die sie auch am Wochenende und in der Nacht besucht, und ich fürchte, dass eine große Enttäuschung auf sie zukommen wird, wenn in drei Jahren Realität und Fiktion miteinander kollidieren werden. Es sei denn, wir finden noch eine Schule, in der sich die Kinder in der Hofpause um ihre Pferde kümmern dürfen, mit denen sie auf dem Dach der Schule regelmäßig Reitturniere austragen. Sachdienliche Hinweise werden gerne entgegengenommen.
Ich habe jedenfalls gelernt, das zu akzeptieren und freue mich jedes mal über ihre fantasievollen Erzählungen. Mitspielen ist die beste Antwort darauf.
Also klatsche ich in die Hände und fahre ihr dann durch ihr lockiges Haar, das ganz offensichtlich niemals stillstehen möchte.
„Toll, mein Schatz, herzlichen Glückwunsch!“
Sie strahlt. „Und Papi, weißt du, womit der Pokal gefüllt ist?“
Natürlich weiß ich das, denn er ist damit jedes Mal gefüllt. „Etwa mit ganz viel Gold? Bis zum Rand?“
„Nein!“ Die Tochter strahlt noch mehr. Jetzt bin ich überrascht. Bisher waren die Pokale immer mit Gold gefüllt, von dem sie sich dann Bonbons kaufen möchte. Vielleicht hat sie diesen Punkt einfach übersprungen.
„Dann sind da ganz viele Bonbons drin?“
Die Tochter lacht und winkt ab. „Nein!“
„Dann musst du es mir jetzt verraten, okay?“
Das Strahlen der Tochter wird immer größer.
„Bienen, Papi.“ Sie klatscht in die Hände. „Mit toten Bienen. Der Pokal ist bis zum Rand mit toten Bienen gefüllt. YIPPIEH!“
Sie springt in die Luft und rennt ins Kinderzimmer. Dicht gefolgt von ihren Haaren. Und lässt mich mit offenem Mund zurück.
Mich beschleicht das Gefühl, dass sie es noch nicht ganz verarbeitet hat, dass ihr gestern eine Biene in den Fuß gestochen hat.

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5 Antworten zu Die Fiktion in der Realität lädt zum Schmunzeln ein

  1. leonieloewin schreibt:

    Auf das Ende wäre ich jetzt wirklich nicht gekommen. Fantasie ist gefragt. Liebe Grüße, Leonie

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    • Elvira schreibt:

      Nach diesem Bienenstich erschien die Kleine am nächsten Tag mit Badeschuhe. Es war der Geburtstag ihres Cousins und alle Kindern tollten im Garten und in den zwei Planschbecken herum. Keine fünf Minuten später zog sie die Schuhe aus, nachdem sie gesehen hat, dass es auf dem Rasen keinen Klee, also auch keine Bienen gab.

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  2. Ulli schreibt:

    Wie ich solche Geschichten mag, danke, liebe Elvira, dass du sie uns mit uns teilst. Das war jetzt so herrlich, dass ich nun beruhigt die Kiste ausschalten und über die Wiesen schlendern kann.
    Herzliche Grüsse
    Ulli

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  3. quiltfru schreibt:

    Es ist doch einfach toll, was Kinder sich so einfallen lassen, wenn man sie läßt und fördert. Wenn man dann sieht, was möglicherweise in ein paar Jahren aus ihnen geworden ist – dicker Daumen, Kopf unten und dieser vorwiegend hohl. (inzwischen haben es ja sogar die Herren Professoren an den Unis gemerkt) Weiterhin viel Freude an Deinen Enkeln. Birgitt

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  4. wildgans schreibt:

    Das mit den Haaren – einfach klasse! Wie auch ansonsten…
    Gruß von Sonja

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