Auf Abwegen

Vor sehr vielen Jahren reizte mich eine besondere Art des Reisens und ich ließ mir regelmäßig den Katalog mit den Reiseangeboten zuschicken. Vielleicht habt ihr schon davon gehört? Rotel Tours nennt sich das. In großen oder kleinen Gruppen ist man in einem Bus unterwegs, der Schlafkabinen für die Nacht bereithält. Es sind Studienreisen in alle Ecken der Welt, die ein bisschen an Camping erinnern. Ob ich je eine der Reisen gebucht habe? Nein, leider nicht. Aber die Idee gefiel mir gut.

Am Samstag kam der neue Katalog. Im Intro fiel mir ein Zitat von Goethe ins Auge:

Das Außergewöhnliche geschieht nicht auf glattem, gewöhnlichen Wege.

Genau das trifft auf diese Art des Reisens zu. Ich bin keine Abenteurerin, die sich alleine auf den Weg gemacht hätte. Sei es durch europäische Länder, durch afrikanische Wüsten oder durchs australische Outback. Ein wenig Sicherheit benötige ich. Dieses besagte Unternehmen hätte mir all das geboten. Versierte Reiseführer, die mehr von Land und Leuten wissen, als es üblich ist. Gleichgesinnte Menschen. Und Touren abseits der üblichen Wege. Reisen auf Nebenwegen, Umwegen, Abwegen. Hatte es früher nicht eine negative Bedeutung? Wenn über jemanden gesagt wurde, er sei vom Wege abgekommen, verhieß das nichts gutes. Nur, wer bestimmt unsere Wege? Wer kann beurteilen, ob wir von irgendwelchen imaginären, vorgezeichneten Wegen abgekommen sind?  Der Weg ist das Ziel, heißt es ebenfalls. Wäre es vorstellbar, ziellos seiner Wege zu gehen? Einem inneren Wegweiser zu folgen?

Ich habe mir oft vorgestellt, einfach zu laufen. Ohne Zwänge und Ansprüche. Einfach immer der Nase lang. Da ich das nie konnte, schien mir Rotel  Tours eine kleine Alternative zu sein. Heute weiß ich, dass ich auch das nie umsetzen werde. Mit dem Alter stellen sich neue Fragen: Wie komme ich in die Kabine? Was, wenn in den Kabinen über, unter, neben mir geschnarcht wird (mein Schlaf ist mir heilig). Und wenn ich mal Blähungen habe? Ich kann doch nicht einfach lospupsen. Was, wenn ich nachts mal aufs Klo muss (kommt zwar nur sehr selten vor, aber könnte ja sein). Dann krabbel ich mühsam auf allen Vieren aus meiner Kabine und wecke womöglich die halbe Reisegruppe.  Leute, diese Gedanken wären mir früher nie gekommen. Aber alle diese Überlegungen sind müßig, da mir für solch eine Reise das nötige Großgeld fehlt. Den Katalog durchblättern und Träumen hat aber nichts gekostet.

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11 Antworten zu Auf Abwegen

  1. leonieloewin schreibt:

    Auch ich habe von diesen Touren gelesen als ich ich im letzten Jahr zum ersten Mal an einer Gruppenreise teilnahm. Merkwürdigerweise hatte ich jedoch von Anfang an Bedenken, was die beengte Schlafmöglichkeit betrifft. Ich könnte in einem Zelt oder engen Schlafwagen schlafen. Doch dieser Kastenwagen erinnerte mich irgendwie an Käfighaltung🙂. Vielleicht ein großes Vorurteil meinerseits. Bei meiner Gruppenreise lernet ich jedenfalls einige Menschen kennen, die häufig Gruppenreisen machen und die auch schon mit Rote Tours gefahren waren. Sie berichteten nur Gutes. Und dennoch werde ich wohl eher nicht zu den zukünftigen Kunden zählen. Liebe Grüße nach Berlin, Leonie

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    • Elvira schreibt:

      In Australien war ich mit einer kleinen Gruppe (20 Leute) unterwegs. Die Unterkünfte waren überwiegend sehr luxuriös, was ich im Vorfeld überlesen hatte und letztendlich den doch hohen Preis erklärte. Da als Einzelreisender neben mir nur noch ein Mann zur Gruppe gehörte, konnte ich überall die großen Doppelzimmer genießen. Wäre eine weitere Alleinreisende Frau dabei gewesen, hätte ich die Räume mit ihr teilen müssen (wenn sie dem ebenfalls im Vertrag zugestimmt und dementsprechend bei der Buchung einen günstigeren Zimmerpreis vereinbart hätte). Ich muss gestehen, dass mir ein Rückzugsort für mich alleine mittlerweile doch wichtig geworden ist.
      Liebe Grüße auch zu dir,
      Elvira

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  2. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira, mir gefällt das Zitat on Goethe und ich habe auch an den mäandernden Lebensfluss gedacht, nichts ist gradlinig und ja wer bestimmt schon ob wir om Weg abgekommen sind oder mittendrauf?
    Solche Gruppenreisen wären für mich der Horror, nee, da reise ich lieber so, wie bisher, zur Not auch allein, mit Zelt, Zug, Schiff oder Flieger …
    liebe Grüsse
    Ulli

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  3. Martin schreibt:

    Mein Großvater ist noch als über 80jähriger Dialysepatient nach Spanien gereist… war das bequem? Sicher nicht. Aber er mochte die Hitze, trank gern Sherry und war als Kind deutscher Wirtschaftsflüchtlinge in Sevilla geboren! „Gründe dafür“ können also wichtiger sein als die Einwände dagegen…

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  4. Der Emil schreibt:

    Aber einfach losgehen würde gehen😉

    Ich hab’s getestet.

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  5. Gudrun schreibt:

    Oh ja, Träumen kann man immer. Und wenn man seine Träume nicht vergisst, dann wird vielleicht auch mal einer war. Wie auch immer.
    Kataloge sehe ich mir nicht an, weil alle Ziele daraus für mich unerreichbar sind. Aber weißt du was? Mit den Schafen war ich auf einer Wiese. Wenn im Frühherbst die Sonne aufgeht, steigt Nebel auf. Vor einer glutroten Sonne. Damals hatte ich keine Kamera. Jetzt muss ich nochmal dahin. Und weil ich gerade nicht Fahrrad fahren kann, werde ich laufen.🙂
    Liebe Grüße von der Gudrun

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  6. unserlebenmitemily schreibt:

    meine Tante war mit Rotel Tours unterwegs, und sehr begeistert. Für mich wäre das zu beengt, glaube ich.
    Liebe Grüsse,
    Isabelle

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