Erschüttert

Mein Chef schickte gestern am späten Abend eine Nachricht über WhatsApp. Ob es mir gut gehe. Ich solle das auch mal rundum fragen. Zunächst war ich verwirrt und antwortete mit einem „?“. Mein Mann fragte, ob wir im Team etwas gemeinsam gegessen hätten, es dem einen Chef vielleicht nicht gut gehe. Das war nicht der Fall. Er schrieb dann zurück: „Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt“. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass sich ein dicker Panzer um mich legt. Sämtliche Emotionen schienen darin eingeschlossen zu sein. Ich ging ins Bett und schlief gut. Erst heute morgen, beim Blick auf die Titelseite unserer Zeitung, fiel dieser Panzer ab und eine tiefe Traurigkeit überfiel mich. Ich muss an die Menschen denken, an die Familien, die Kinder, die Opfer, die Helfer. Und ich frage mich, wie redet man mit seinen Kindern über dieses schreckliche Ereignis? Wie ordne ich es ein in dieser Zeit schrecklicher Ereignisse? Ich bin zutiefst erschüttert! Und ich weiß nicht, wie ich mit dieser Trauer umgehen soll. Ich fühle mich ohnmächtig.  Nein, Angst habe ich nicht. Auch empfinde ich keine Wut. Es scheint, als hätte ein Gefühlsbeben mich erschüttert und nur diese tiefe Traurigkeit zurückgelassen.

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15 Antworten zu Erschüttert

  1. wildgans schreibt:

    Vielen Menschen geht es ähnlich. Ich habe es eben gelesen, was Du schriebst und finde erstmal keine weiteren Worte dazu. Ein Sich-in-der-Welt-sicher-Fühlen ist auf jeden Fall höchst erschüttert.
    Gruß von Sonja

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  2. Frau Momo schreibt:

    Ich habe es gestern abend ziemlich zeitnah über fb mitbekommen und war froh, das viele Menschen, die ich hier kenne, sich über den Facebook safety check gemeldet haben. Ich selber gehe eh ungerne auf Weihnachtsmärkte, aber nicht aus Angst, sondern weil ich sie einfach nicht mag. Fast mehr Angst macht mir, was jetzt wieder in den sog. sozialen Netzwerken los ist, da wird gehetzt, was das Zeug hält. Einfach nur widerlich. Mein Gefühl ist auch Trauer und Ohnmacht.

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  3. quiltfru schreibt:

    Mir geht es genauso. Allerdings schwingt auch ein wenig Wut mit und zwar über die sensationslüsterne Berichterstattung auf allen Sendern. Stundenlang wurde hin und her geschaltet, obwohl es nichts Neues zu berichten gab. Schrecklich. Liebe Grüße, Birgitt

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    • Elvira schreibt:

      An diese Art der Berichterstattung habe ich mich mittlerweile gewöhnt und ignoriere sie. Ob Paris, Nizza oder wo auch immer Anschläge verübt wurden, bot sich das gleiche, bemühte Gestammel, nur um eine sensationsgierige Zuschauerschar an die Fernsehgeräten zu fesseln. Mein Fernseher bleibt aus!

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      • quiltfru schreibt:

        So haben wir es auch gemacht. Man kann seinen Unmut nur dadurch äußern, dass man abstellt. Allerdings hatte ich auch schon mal Erfolg mit einem Schrieb an die Zuschauerredaktion. War schwer versucht, dort anzurufen.

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  4. aquasdemarco schreibt:

    Es sind wilde, erschütternde Zeiten, aber wir sind ja nicht allein.

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  5. vivilacht schreibt:

    es ist schlimm, ich kenne das leider schon mehr als genug. Bei uns muss man immer auch mit den Kindern darueber reden. Sie bekommen ja mehr als genug mit. Es trifft mich trotzdem immer wieder aufs Neue, immer wieder frage ich mich, ob es nicht doch irgendwann mal aufhoert.
    Dein Chef ist sehr gut damit, mit dem Nachfragen.

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  6. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira,
    ich habe es erst heute Abend mitbekommen und finde überhaupt noch keine Worte.
    Die Hetze von gewissen Menschen ist vorprogrammiert, gleichzeitig bin ich aber doch überrascht, wie besonnen viele reagieren, das macht Mut!
    Diese Gedicht fand ich letztens und ich finde, dass es passt- von Rose Ausländer:
    „Im neuen Jahr
    grüße ich
    meine nahen und
    die fernen Freunde
    grüße die
    geliebten Toten
    grüße alle
    Einsamen
    grüße die Künstler
    die mit
    Worten Bildern Tönen
    mich beglücken
    grüße die
    verschollenen Engel
    grüße mich selber
    mit dem Zuruf

    Mut“
    herzliche Grüsse Ulli

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    • Elvira schreibt:

      Ein sehr schönes Gedicht! Ich danke dir dafür. Gestern habe ich erfahren, dass ein Neffe meiner allerliebsten Kollegin betroffen ist und noch mit dem Leben ringt. Mein fürsorglicher Chef war noch eine Stunde vorher auf dem Markt. Das sind Momente, in denen mir klar wird, wie kostbar jeder Moment unseres Lebens ist, denn es kann ganz plötzlich zu Ende sein.
      Ich schicke dir herzliche Grüße,
      Elvira

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      • Ulli schreibt:

        oh je! Du hast Recht, irgendwo wissen wir das, aber wirklich leben tun wir es nicht, nur in solchen Momenten. Üben wir eben weiter …
        ich sende dir eine Herznsumarmung und drücke dem Neffen die Daumen, dass er es schaffen möge…

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