Ohne Fleiß kein Preis

morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute > was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen > sich  regen bringt Segen > Hans ohne Fleiß wird nimmer weis > Fleiß ist des Glückes Vater > dem Arbeiter hilft Gott > Fleiß bringt Brot, Faulheit Not > Wer nur den lieben, langen Tag, ohne Plag ohne Arbeit, vertändelt, wer das mag, der gehört nicht zu uns. Wir stehen des Morgens zeitig auf, hurtig mit der Sonne Lauf, sind wir, wenn der Abend naht, nach getaner Tat, eine muntere fürwahr, eine fröhliche Schar > Morgenstund hat Gold im Mund…..

Seid ihr auch mit solchen Sprüchen und Liedern groß geworden? Haben sie euch auch ein schlechtes Gewissen bereitet, wenn ihr sie missachtet habt? Schwirren sie manchmal auch heute noch in eurem Kopf herum? Oder gebt ihr sie gar an eure Kinder und Kindeskinder weiter? Gibt es solche Redewendungen auch in anderen Ländern? Oder sind sie Teil des protestantischen Arbeiterethos in unserem Land? Passen sie überhaupt noch in unsere heutige Zeit? Ich denke da auch an die vielen Menschen, die arbeiten möchten, aber ihre Arbeit verloren haben und keine neue finden. Wie oft habe ich gehört, dass jeder Arbeit finden würde, wenn er wirklich wolle. Welch ein Hohn! Mein Mann war betroffen. Arbeitslosigkeit, diverse Maßnahmen des Arbeitsamtes, ein menschenunwürdiger Umgang auf diesem Amt, haben ihn krank werden lassen. Mittlerweile ist er, mit entsprechend geringerer Rente, schon lange im Ruhestand. Er gehörte zu den Menschen, die mit obigen Sprüchen groß geworden sind. Er war, wie viele andere Menschen auch, immer fleißig. Ich erinnere mich an Zeiten, da hat er, als das noch nicht Homeoffice genannt wurde, Arbeit für das Wochenende mit nach Hause gebracht. Die Kündigung zugunsten jüngerer Angestellter, die zudem auch weniger verdienten, hat das nicht verhindern können. Ich habe ein Zitat von Nitzsche gefunden, das sicher unterschiedlich zu deuten ist, das aber hier gut zu passen scheint:

Dem Fleißigen neide ich seinen Fleiß: Goldhell und gleich fließt ihm der Tag herauf, goldhell und gleich zurück, hinab ins dunkle Meer , und um sein Lager blüht  Vergessen, gliederlösendes.

 

 

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8 Antworten zu Ohne Fleiß kein Preis

  1. Hans-Georg schreibt:

    Wer diese albernen Sprüche sich zum Lebensinhalt gemacht hat und dann „in ein Loch gefallen wird“, wird das dann ergeben als Schicksal hinnehmen.

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  2. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira, klar kenne ich alle diese Sprüche, einen noch: langes Fädchen, faules Mädchen, den habe ich wohl am häufigsten gehört und hat mich dennoch nicht geändert, vielmehr die Länge meiner Fäden nicht, ich habe einfach gelernt, wie er sich nicht verheddert 😉
    ich kenne auch bis zum Abwinken, dass jede und jeder Arbeit finden kann, wenn er, sie nur will-
    Arbeit müsste vielleicht auch einmal ganz neu definiert werden, doch das nur am Rande.
    Nietzsche verstehe ich so, dass die Fleissigen nach ihrem Ableben keinerlei Spur hinterlassen, obwohl sie alles dafür gegeben haben den Fleiss, so wie er ihnen auf die Schultern gelegt wurde, anzunehmen und sich in seinem Glanz sonnen konnten, aber letztlich nichts bewirkten.
    Wie verstehst du ihn?
    Herzliche Grüsse an dich
    Ulli

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    • Elvira schreibt:

      Nietzsche war ein schwermütiger, in späteren Jahren psychisch sehr kranker Mensch. Daher glaube ich, dass dieses Zitat wortwörtlich gemeint ist. Vielleicht beneidete er die „einfachen“ fleißigen Menschen, deren Sinn in eben ihrer Arbeit liegt und die sich keine Gedanken machen, wie er, der sicher auch des Nachts keine Ruhe finden konnte. Vielleicht wünschte er sich einfach einen erholsamen Schlaf, einen, den er den Fleißigen zusprach. Vielleicht war er seiner Gedanken müde, seiner vielen Fragen.
      Ach ja, den langen Faden Spruch habe ich auch zur Genüge gehört und meine eigene Technik gefunden.

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  3. Frau Momo schreibt:

    Mir sind solche „Weisheiten“ zum Glück erspart geblieben…. 68er Haushalt halt 🙂 Ich arbeite gerne, ob ich fleißig bin, lasse ich mal dahin gestellt, aber ich habe auch das Glück eine Arbeit zu haben, die mir unglaublich viel gibt. Den Quatsch von wer sucht, der findet, den hab ich auch mehr als einmal zu hören gekriegt, als ich selber mal in der HartzIV Mühle war… Da raus habe ich es zwar geschafft, aber da war wohl auch eher Glück dabei als Fleiß

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  4. Martin schreibt:

    Je beschäftigter die Menschen mit ihrem „Job“ sind und um ihren „Lebenunterhalt“ bangen müssen, desto weniger Zeit und Kraft bleibt ihnen, sich Gedanken über das absurde System zu machen, in dem sie eigentlich leben.

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  5. quiltfru schreibt:

    Ich kenne da auch einen Spruch: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Ha, Ha, wenn ich da an all die Hartz IV Empfänger denke, die alle ihre Ersparnisse aufdecken und aufbrauchen mussten, die trotzdem arbeitslos blieben, dann zwangsverrented wurden und wo ist jetzt das, was sie sich fürs Alter erspart hatten. Bodenlos! Liebe Grüße Birgitt

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  6. Myriade schreibt:

    Gruselig finde ich diese Sprüche und die dahinterstehende Mentalität …

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