Schlechte Nachrichten und eine Solidaritätslesung gegen braune Gesinnungsgenossen

Mit diesem Betreff ging am Montag folgende Mail des Buchhändlers meines Vertrauens bei mir ein. Ich habe nicht lange überlegen müssen, ob ich an der Lesung teilnehmen werde. Etwas länger aber, ob ich die Mail hier veröffentlichen soll. Aber Herr Ostermann möchte Öffentlichkeit herstellen, darum habe ich mich dafür entschieden. Als ich mich gestern angemeldet habe, konnte er mir keinen Sitzplatz mehr zusichern, da die Anzahl der Besucher weit über das übliche Maß hinaus geht. Das freut mich natürlich sehr. Es ist eine Sache, bei großen Demos mitzulaufen, quasi mehr oder weniger anonym seine Meinung kund zu tun. Eine ganz andere aber, sich in einem dagegen kleinen Kreis zu engagieren. Darum wird dies keine Lesung wie jede andere sein, sondern sie wird unsere Solidarität mit diesem sehr engagierten Buchhändler zeigen.

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Buchhandlung LEPORELLO,
nehmen Sie es mir bitte nicht persönlich krumm, dass ich Sie schon wieder mit schlechten Meldungen konfrontiere. Aber Öffentlichkeit herzustellen erscheint mir der einzig richtige Weg den braunen Gesinnungsgenossen zu begegnen, die gerade eine Brandschneise durch Neukölln ziehen. Heute Nacht wurde mein Pkw quasi direkt vor meiner Haustüre in Britz abgefackelt und zusätzlich brannte in Rudow noch das Auto eines IG Metall-Mitglieds. Am 15.1.17 brannte das Auto der SPD-Politikerin M. Blumenthal. Mitte der zweiten Kalenderwoche wurden die Reifen des Autos von Pfarrerin Dirschauer hier in Rudow zerstochen. Begonnen hatte diese Serie mit fünf Anschlägen am 12. Dezember, darunter auf meine Buchhandlung; fortgeführt wurden die Anschläge in der Nacht vom 26. auf den 27. Dezember.
Meine Buchhandlung hat nach den Pflastersteinwürfen vom Dezember viel Aufmerksamkeit, Anteilnahme und Solidarität erfahren, wofür ich sehr dankbar bin. Die Krimiautorin Ria Klug hat mir angeboten in der Buchhandlung eine Solidaritätslesung zu veranstalten, was ich erfreut angenommen habe…
…Tourist Torsten Hantsch findet bei seinem Strandspaziergang auf Amrum einen vom Meer angespülten Feuerlöscher. Dass ein solcher weißes Pulver enthält, ist an sich nichts Ungewöhnliches – wäre es nicht in Portionspäckchen eingeschweißt. Der kauzige Wartungsdienstmitarbeiter Petter Jensen erkennt in dem Koks sofort die Möglichkeit, sein marodes Konto zu sanieren. Doch nicht mit Hantsch! Der Verwaltungsangestellte ist gesetzestreu und traut Jensen keinen Meter über den Weg. Für Diskussionen bleibt allerdings keine Zeit, denn die Eigentümerin des Löschers taucht auf. Mit mehr Glück als Verstand versucht das ungleiche Duo, „seinen“ Löscher zu retten – was einige Menschen mit ihrem Leben bezahlen. Mit schrägem Humor und viel Inselcharme erzählt Ria Klug die Geschichte zweier unfreiwilliger Geschäftspartner.
Statt Eintritt wird bei dieser Veranstaltung um Spenden gebeten. Die Einnahmen gehen zur Hälfte an die Berliner ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbh unter deren Dach Exit Deutschland agiert, welches seit vielen Jahren rechtsextremistischen Bestrebungen entgegentritt.
Das Jahr kann nur besser werden!
Das wünsche ich Ihnen und uns!
Mit besten Grüßen
Heinz J. Ostermann
PS: Und wer noch nicht genug hat: die Initiative „Hufeisen gegen Rechts“ ruft für diesen Samstag um 15 Uhr zu einer Kundgebung gegen Intolereranz und Rassismus auf. Fritz-Reuter-Allee 48, Hufeisentreppe. Dieser Aufruf wird von zahlreichen Organisationen mitgetragen, darunter auch die Initiative „Neukölner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“.

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6 Antworten zu Schlechte Nachrichten und eine Solidaritätslesung gegen braune Gesinnungsgenossen

  1. Ulli schreibt:

    Ja, diese Art von Öffentlichkeitsarbeit ist sooo wichtig. Ich danke dir, dass du das alles mit uns teilst, liebe Elvira
    herzliche Grüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  2. Hans-Georg schreibt:

    Jeder MUSS versuchen, wenigstens in seinem Mikrokosmos aktiv zu werden und über diese üblen Sachen zu berichten.

    Gefällt 3 Personen

  3. Gudrun schreibt:

    Ich finde es gut, dass du den Brief veröffentlicht hast, weil es einfach Zeit wird, öffentlich zu agieren. Wo auch immer. Ich denke, das ist die einzige Möglichkeit, bestimmten Entwicklungen entgegen wirken zu können.

    Gefällt 2 Personen

  4. wildgans schreibt:

    Immer wieder bei solchen Sachen denke ich: es darf nicht wahr sein! Was dem Buchhändler zugestoßen ist, oh nääääääää – ja, gut, dass du es veröffentlicht hast! Und so viele hingehen…

    Gefällt 1 Person

  5. Eva schreibt:

    Mir stockt jedes Mal der Atem, wenn ich so etwas lese. So unbegreiflich dieser Hass. Umso erfreulicher das große Maß an Solidarität für Deinen Lieblingsbuchhändler. Persönliches Engagement im eigenen/näheren Umfeld finde ich sehr sehr wichtig.

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  6. Frau Momo schreibt:

    Mir macht das auch Angst, was hier passiert. Zum ersten Mal in meinem Leben überlege ich, ob und wenn ja was ich auf mein Auto klebe…. und dieser blanke Hass, die pure Zerstörung, die mit politischer Auseinandersetzung nichts zu tun hat…. und ansonsten kann ich nur Hans-Georg beipflichten… jeder muß da was tun, wo er ist und steht. Wir alle sind gefordert, nicht nur die Politik.

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