Etüden

 

 

Also ich weiß nicht, ob ich  das jetzt richtig mache. Bei Ulli habe ich heute über Etüden von Christiane gelesen. Früher habe ich gerne beim Wortbeflügler geschrieben. Ist das hier so ähnlich? Etwas anders ist es schon. Während der Wortbeflügler Texte begann, die man weiterschreiben sollte, oder Bilder als Textvorlage postete, so sind es hier drei Wörter, die in einen Text eingebunden werden sollen. So etwas mag ich! Also würde ich es gerne versuchen.


Skiurlaub
? Was sollte das sein? Was Urlaub war, wusste sie. Eine Woche im Jahr hatte sie frei. Ihre Herrschaften fuhren dann immer nach Wien zum großen Bankett. Sie überlegte weiter. Skier hatte sie, natürlich. Schon als Kind musste sie auf diesen mickrigen Holzteilen zu ihrem Großvater  fahren. Wenn im Winter der Schnee fensterhoch lag und er den Kamin nicht mehr selbst befeuern konnte, musste sie ihm helfen. „Kind, hol noch mehr Holz!“, bellte er von seiner Küchenbank aus. Kommandieren konnte er gut. Im Krieg musste er Befehlen gehorchen. Jetzt drehte er den Spieß um. „Nur das trockene, du dummes Ding. Wozu bist du überhaupt  zu gebrauchen? So ein Jammer, dass mein Sohn dieses Hurenweib geheiratet hat. Nicht mal einen Sohn hat sie ihm geschenkt. Weiber!“. Der Großvater war schon lange tot. Getrauert hat sie nicht um ihn. Ihre Herrschaften waren gut zu ihr. Sie hatte eine warme Kammer, immer reichlich zu essen und saubere Kleidung. Aber Urlaub und Skier konnte sie einfach nicht miteinander in Verbindung bringen. Skier erinnerten sie an Armut und Kaltherzigkeit. Sie waren zweckgebunden. Urlaub bedeutete, in ihrer warmen Kammer bleiben zu können. Sie durfte die Zeit vergessen und den  Urlaub  in fernen Ländern verbringen. Sie fühlte die Sonne auf ihrer Hut, schmeckte exotische Speisen, bebte vor Leidenschaft, liebte und trauerte. Die Bücher aus der Bibliothek ihrer Herrschaft waren ihr wahrer Urlaub.

 

226 Wörter

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12 Antworten zu Etüden

  1. Christiane schreibt:

    Hallo liebe Elvira, du hast es richtig gemacht! Die drei Wörter in einen Text eingebunden, der maximal 300 Wörter lang ist, und bei der Schreibeinladung kommentiert und deinen Text verlinkt. Perfekt! Willkommen bei den Etüden und den Etüdenverrückten!
    Und vielen Dank für deine Geschichte, die sich wie eine Erinnerung an die „gute alte Zeit“ liest, die bestimmt genauso wenig immer „gut“ war, wie es die heutige Zeit ist. Bücher als Urlaub, als Auszeit vom Alltag, das kenne ich auch – wer kennt das nicht? Nur zum Skifahren hatte ich nie so ein inniges Verhältnis.
    Du weißt, dass du gern mehrere Etüden zu den gleichen Wörtern schreiben darfst, wenn du Lust hast? Überhaupt habe ich eine Seite mit „Kleingedrucktem“ zu den Etüden auf meinem Blog, du findest sie hier: https://365tageasatzaday.wordpress.com/abc-etueden-kleingedrucktes/
    Und wenn du Fragen hast, dann immer her damit, ich hoffe, dass ich dir die Antworten liefern kann.
    Liebe Grüße
    Christiane 😀

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    • Elvira schreibt:

      Ich habe vor vielen Jahrzehnten mal auf Skiern gestanden. Im Kleinwalsertal. Ferien mit Mutter und kleinem Bruder. Bereits am ersten Tag das rechte Sprunggelenk verstaucht. Den Rest der Ferien Iglus gebaut. Es gab sehr, sehr viel Schnee.

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  2. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira, ich freue mich sehr, dass du mit dabei bist! Ich mag die Etüden auch sehr, auch wenn ich nicht immer alle lese oder selbst immer eine Idee und/oder Zeit habe.
    Deine Etüde lässt mich an „Oma Hilde“ denken, die 99 Jahre alt geworden ist und meine Nachbarin auf dem alten Berg gewesen ist, sie hat auch oft erzählt, wie sie als junges Ding und später als junge und dann ältere Frau mit den Skiern von dem einen Ort in den anderen gefahren ist, um die Wocheneinkäufe zu erledigen, 8km bergab, 8km bergauf … ihre Augen aber haben immer geblitzt und noch mit 99 Jahren bedauerte sie im Winter, dass sie nun nicht mehr Skifahren konnte …
    Es sind ganz andere Zeiten und Verhältnisse gewesen und es ist gut sich daran zu erinnern und dass es eben die Herrschaften gewesen sind, die sich so etwas leisten konnten, nicht aber die anderen …
    liebe Grüße
    Ulli

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Der Ton war damals rauher, so glaubt man wenigstens. Im Internet ist er – obwohl tonlos – in der Egel schneidender. Will heißen: nicht alles hat sich zum Guten gewendet.
    Aber ich finde es wichtig, immer wieder darauf hinzuwiesen und es auch anderen Ethnien zu gestatten, zu lernen und sich zu verändern.

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  4. Gudrun schreibt:

    Liebe Elvira, ich finde es prima, dass du dich an dem Projekt beteiligst. Ich weiß doch, wie gerne du schreibst und so kommt es dir doch sehr entgegen.
    Deine Geschichte erinnerte mich an die „Alten“ im Dorf. Und an das Volkskundemuseum in Wyhra, wo man das Dorfleben von einst noch erzählt bekommt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass die damals trotz schwerer Arbeit zufriedener waren als wir heute. Das merke ich an den Bräuchen, den traditionellen Festen, den Liedern und den Bauerntänzen, an der gelebten Gemeinschaft. Wann habe ich eigentlich das letzte Mal gesungen?

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    • Elvira schreibt:

      Es heißt, wenn es den Menschen nicht so gut geht, halten sie besser zusammen. Warum geht das nicht auch, wenn es ihnen gut geht? Sie hätten so viele Möglichkeiten, denen zu helfen, die Hilfe benötigen. Ist das unser Krallen? Das Festhalten an den materiellen Dingen? Alles verteidigen? Nicht alles war gut, früher. Aber einiges war besser!

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    • Oma Schlafmuetze schreibt:

      Damals gab es nicht viel. Jeder war auf den anderen angewiesen und alle haben sich gegenseitig geholfen. Das war die eine Seite. Die andere war, wer nichts hatte, war auch Außenseiter. Gesinde auf dem Hof hatte kaum Rechte. Die Regeln waren streng, wer dagegen verstieß hatte nichts zu lachen. Die Kinder wuchsen anders auf. Sie wurden in der Schule geschlagen, mussten zum Teil schwer arbeiten. Hatten aber auch mehr Freiheiten und wurden nicht so bewacht.
      Natürlich wurde auch gefeiert. Und das richtig. Andere Gelegenheiten der Abwechslung gab es nicht. Zufriedener. Wer weiß. Nach schwerer Arbeit ist man am Abend müde und geht zeitig ins Bett. Da kann man dann auch nicht so viel grübeln.

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  5. Oma Schlafmuetze schreibt:

    Eine schöne Geschichte hast du da geschrieben. Toll!
    Grüßli

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  6. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 04.05.20 | Wortspende von OnlyBatsCanHang | Irgendwas ist immer

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