Leicht wie eine Feder

Krankheitsbedingt hatte ich heute Stubenarrest. Nichts Ernstes, nur ein Magen-Darm-Problem, dennoch ärgerlich. Denn geplant hatte ich  einen Besuch im Neuen Museum. Als ich letzte Woche mit meinem Enkel im Pergamonmuseum  war, stellte er immer öfter die Frage, wie Ausgrabungen funktionieren, warum das alles unter der Erde lag. Wer sich die riesige Prozessionsstraße ansieht, wird diese Frage verstehen. Im Neuen Museum gibt es bis April eine Ausstellung über Berlins größte Ausgrabung in Biesdorf. Donnerstags und Freitags führen Studenten der Archäologie im Rahmen dieser Ausstellung Live-Ausgrabungen vor. Das wollte ich mir heute anschauen, um zu sehen, ob das für meinen Enkel interessant sein könnte. Na ja, bis April ist ja noch ein bisschen Zeit. Obwohl ich mir immer häufiger die Frage nach dem immer schnelleren Verstreichen der Zeit stelle. Ich weiß, dass ich mit dieser Frage nicht alleine bin. Es scheint ein Begleitphänomen des Alterns zu sein. Ich kenne keinen jungen Menschen, dem die Zeit nicht schnell genug vergehen kann. Vielleicht, weil noch so unglaublich viel Zukunft vor ihnen liegt, so viele Pläne und Träume. Die große Liebe, Karriere, Reisen in die entlegensten Winkel der Welt. Eine bahnbrechende Erfindung machen, die Formel für den Weltfrieden finden. Doch plötzlich gibt es nur noch kleine Ziele, wie den Besuch eines Museums oder regelmäßig zum Sport zu gehen. Und selbst diese kleinen Ziele werden so unbedeutend, wenn die beste und älteste Freundin unerwartet ins Krankenhaus muss. Weil sie sich innerhalb weniger Wochen das zweite Mal einen Lendenwirbel gebrochen hat. Aus heiterem Himmel, ohne Sturz oder anderes Trauma. Schwere Osteoporose ist der Grund. Sie hat immer gesund gelebt, war ein Naturmensch, immer aktiv. Jetzt wurde ihr Zement in die Wirbel gespritzt und sie muss lernen, sich anders zu bewegen. Und was habe ich heute gemacht? Bei all diesen schweren Gedanken über die Zeit, über Druck von außen, über Gesundheit und den Tod schoss mir der Buchtitel „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ durch den Kopf und ich hatte ein Bild vor Augen, das ich festhalten musste. Dank Procreate konnte ich meine Idee auch umsetzen.

Den Enstehungsprozess, der sich über einen längeren Zeitraum hinzog, könnt ihr hier im 40-Sekunden-Zeitraffervideo, mit Musik unterlegt, sehen.

Ich habe noch etwas weiter gemalt. Denn wo weiß ist, gibt es immer auch schwarz.

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9 Antworten zu Leicht wie eine Feder

  1. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira,
    ja, die Zeit vergeht schneller, die Ziele werden kleiner und doch … das Leben hält auch für das Alter noch unglaublich viel bereit, wenn die Gesundheit mitspielt. Es gibt einfach keine Sicherheit, wie das traurige Beispiel deiner Freundin beweist. Gesund leben und viel in der Natur sein ist allein eben auch keine Garantie steinalt zu werden und dabei fit zu bleiben. Ich wünsche deiner Freundin, dass sie lernt mit dieser Krankheit umzugehen, das ist bestimmt nicht einfach und es gibt auch, so viel ich weiss, nicht viel was hilft, von heilen ganz zu schweigen.
    Die Entstehungsgeschichte deines Federbildes habe ich mir gerne angeschaut, ich staune über die Möglichkeiten!
    Liebe Grüße
    Ulli und werd flugs wieder gesund, gell …

    hier ist auch ein schöner Bericht über den Grunewald und seine 500jährige Eiche dabei: https://www.arte.tv/de/videos/091180-000-A/unsere-waelder/

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  2. Gudrun schreibt:

    Zeit für einen Spielenachmittag zu haben ist immer schön. Dir wünsche ich gute Besserung, liebe Elvira, und auch deiner Freundin alles, alles Gute. Ich weiß, wie schwer es ist, sich ständig mit neuen Situationen abfinden zu müssen. Manchmal ist man da schon geneigt, aufzugeben. Es ist schön, dass sie dich hat.
    Die Entstehung der Feder zu sehen ist interessant. Vielleicht dokumentierst du das Nächste auch.

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  3. aquasdemarco schreibt:

    Gute Besserung

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  4. wildgans schreibt:

    Wünsche einen schönen Spielenachmittag!
    Zement eingespritzt zu bekommen, stelle ich mir heftig vor. Wenn es denn aber stabilisierend wirkt…
    Nachtgruß von Sonja

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  5. quiltfru schreibt:

    Das ist der Vorteil der möbbeligen Frauen. Die bekommen seltener Osteoporose. Arme Freundin. Wünsche Ihr bitte gute Besserung. Es war doch gestern erst Montag!…..Birgitt

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