Schirmherrschaft

Seit ich Rentnerin bin, versuche ich meinen Alltag zu strukturieren, ihm ein Gerüst zu geben, das mir zeigt,  wo es lang geht, mir Halt gibt. Die Gefahr, dass ich irgendwann so vor mich hinschlumpfe, ist durchaus gegeben. Meine Sohnfamilien haben mit den Jahreskarten für dieMuseen und dem Tierpark diesem Gerüst ein stabiles Fundament gegeben.  Der Mittwoch ist seit einigen Wochen mein Waschtag. Da ich am Nachmittag zum Sport gehe, kann ich vormittags keine Besuche im Museum oder bei den Tieren machen. Dienstag ist mein Arbeitstag. Das Schöne am Rentnersein ist die Flexibilität, die ich mir GsD noch bewahrt habe. Von einigen alten Menschen weiß ich, dass sie nicht mehr in der Lage sind, die aufgebauten Strukturen aufzubrechen. Jedenfalls klingelte mich gestern Sohn 2 per Smartphone aus dem Bett. Mein Enkel hat eine Erkältung und konnte nicht in die Schule gehen. Also bin ich aus dem Bett gesprungen und nach der Katzenwäsche hat mich mein Mann zur Straßenbahn gefahren. Warum nicht direkt bis zum Ziel? Ganz einfach! Mit dem Auto hätte die Fahrt mindestens 30 Minuten länger gedauert. Die Tram dagegen fährt an allen Baustellenstaus einfach vorbei. Der Tag mit meinem Enkel hat wieder sehr viel Spaß gemacht. Zunächst spielten wir sein Planeten- und Sternequartett. Anschließend wurde eine Kleinigkeit gefrühstückt. Weiter ging es mit dem Spiel Dice Forge. Nachdem er mich, ich kannte das Spiel noch nicht, vernichtend geschlagen hatte, durfte er eine halbe Stunde auf meinem iPad malen. Das war das einzige digitale Medium, das erlaubt war. Auch der Fernseher war tabu. Das nächste Spiel, Biene Maja,  erforderte keine strategischen Fähigkeiten. Sehr viel gelacht haben wir beim Magischen Labyrinth. Besonders in der zweiten Runde. Ich hatte mir die unterirdischen Gänge der ersten Runde so gut eingeprägt, dass ich sie in der zweiten nicht mehr aus den Kopf bekam. Denn natürlich wurden die Wände, die die Gänge begehbar machen oder sie aber blockieren, versetzt. Mein Enkel konnte sechs Schätze bergen, ich nur einen. Weiter ging es mit einem Spiel, das ich mir ausgesucht habe. Beim Klassiker „Mensch ärgere dich nicht“ konnte ich einfach drauflos spielen. Schmeißen, Pusten, alles war erlaubt. Mein Enkel, er ist im November neun geworden, kann souverän verlieren. Ja, schon gut, manchmal habe ich seine Spielfigur absichtlich nicht rausgeworfen, damit er freudestrahlend meine rauspusten konnte. In der dritten Runde spielte jeder von uns zwei Farben. Mir gefällt es, dass die Familie sehr intensiv spielt. Nicht nur Spiele, deren Sinn im Sieg liegt, sondern auch kooperative Spiele wie Pandemie. Alle Spieler müssen gemeinsam eine Strategie entwickeln um das Spiel zu besiegen. Genau wie in dem Spiel Spirit Island, in dem die Spieler die Rollen von Geistern  mit individuellen Fähigkeiten übernehmen, um  ihre Insel vor Eindringlingen zu schützen, die die Insel kolonialisieren wollen. Zum Abschluss nahmen wir uns noch ein Kartenspiel mit Eisenbahnen vor. Lesen stand gestern nicht auf dem Programm. Dafür viel, viel Spielspaß.
Da ich keine Kinderfotos in den Medien hochladen, habe ich meine gestrige Rolle zeichnerisch festgehalten.

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8 Antworten zu Schirmherrschaft

  1. wildgans schreibt:

    Warum nochmal der Schirm?
    Gruß, die gern hier lesende Sonja

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  2. Myriade schreibt:

    Die Frage, ob man wirklich eine Strukturierung braucht, beschäftigt mich. Wahrscheinlich ist sie aber nur aus eigener Erfahrung zu beantworten

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  3. quiltfru schreibt:

    Es freut mich so zu hören, dass auch in anderen Familien TV und PC weitgehend tabu sind. Meine Enkelin hatte letztes Wochenende Handballspiele (8 Jahre) und der Enkelsohn fragte auf seine unnachahmliche Art an: Omaaaaa, darf ich am Wochenende zu Dir kommen? Na klar. Wir haben dann den ganzen Nachmittag damit zugebracht den alten Kinderwebrahmen neu zu bespannen. Das war toll. Es hat uns beiden viel Spass gemacht. Wenn er wiederkommt, werden wir weben. Wie gut dass wir in Rente sind. So haben wir jetzt Zeit für unsere Enkel, die wir für die eigenen Kinder nicht immer hatten. Ein schönes Wochenende wünsche ich Dir. Birgitt

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