Ballastexistenzen

Erinnert ihr euch? An meinen Beitrag vom 16. März? Zu Beginn der Pandemie? Ich schrieb von Altenbashing. Befürchtete eine Neuauflage Alt gegen Jung, wie in der Rentendebatte/Generationsfrage. Heute nun las ich im Tagesspiegel einen Artikel, in dem die Befürchtung geäußert wurde, dass im Unterbewusstsein der Menschen langsam das Wort „Risikogruppe“ gegen den Begriff „Ballastexistenzen“ getauscht wird. Ein israelischer, sehr prominenter Schriftsteller sagte, dass er, als alter Mensch,  gerne zugunsten eines jüngeren Menschen sterben würde.  In dem Zusammenhang las ich an verschiedenen Stellen Sätze wie: „Der Tod kommt immer ungelegen…Der durch Corona Verstorbene wäre in wenigen Wochen sowieso gestorben…Die Rentenkassen würden entlastet werden…Ressourcen in Alten-/Pflegeheimen würden frei werden…Menschenopfer für die Wirtschaft…“ u.s.w u.s.f. Mich erinnert das an SciFi-Filme und Romane, in denen die Menschen nur eine vorgegebene Lebenserwartung hatten. Im Alter von ?Jahren mussten sie sterben. Steuern wir darauf zu? Was wird nach dieser Pandemie geschehen? Siegt die Menschlichkeit, die Solidarität? Oder siegt der Egoismus? Wird nicht schon seit Jahren dieses Ziel angestrebt? Mit Ellenbogen gegen die anderen? Ist nicht der Wunsch, seine Individualität auszuleben, der Anfang davon? Mein Ich ist wichtiger als dein Ich? Wenn wir die sogenannten Risikogruppen als Ballast für unsere eigene Existenz wahrnehmen, hat das nicht faschistische Züge? Nach dem Motto, der Starke setzt sich durch? Erst die Alten? Dann die Schwachen, Behinderten, Obdachlosen, Arbeitslosen, Flüchtlinge? Ich weiß nicht wer, wenn es ein wer gibt, diesen Samen gesetzt hat. Aber er fällt auf einen fruchtbaren, braunen Boden. Das lese ich nicht nur, ich höre es auch um mich herum. Bitte düngt diesen Boden nicht!

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13 Antworten zu Ballastexistenzen

  1. aquasdemarco schreibt:

    Wolfgang der Schäuble, der Cum Ex bewusst oder unbewusst verschlafen hat und der gerne den Blackrocker Merz unterstützt hat in der Zeit auch so seine Ideen geäussert

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  2. aquasdemarco schreibt:

    Hier der Link, recht spannende Meinung für einen „Christ“ „Sozialen“

    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-04/corona-krise-wolfgang-schaeuble-schutzmassnahmen

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  3. Ulli schreibt:

    Deine Befürchtungen teile ich. Mir wird es von Tag zu Tag mulmiger.
    Liebe Grüße
    Ulli

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    • Elvira schreibt:

      Es scheint, als brächte diese Zeit das Gute genauso wie das Schlechte im Menschen besonders zum Vorschein. Letztens musste ich meine Balkontür schließen, da ich die abenteuerlichen Thesen und Meinungen der Nachbarn nicht mehr hören konnte. Auch Menschen, die ich bisher als klug ansah, erscheinen mir plötzlich nicht so helle. Aber vielleicht geht es denen mit mir ja ebenso. Was aber subtil braunsumpfig daher kommt, ist das, was mir Angst macht.
      Liebe Grüße aus dem knochentrockenen Berlin

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      • Ulli schreibt:

        Ja, das ist auch das, was mich umtreibt, wieviel unterschwellig doch noch und immer wieder an braunem Gedankengut da ist, ohne, dass sich dessen Viele bewusst sind, im Gegensatz zu denen, die dies absichtlich vertreten und laut äußern.
        Hier ist es auch knochentrocken, das Fichtensterben geht massiv weiter 😦 – das macht mir auch Angst.
        Liebe Grüße
        Ulli

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  4. Gudrun schreibt:

    So einen Film hatte ich vor Jahren gesehen und mir gedacht: „Bloß gut, dass das nicht Wirklichkeit ist.“ Und jetzt scheint die Stunde der Palmers, Merz‘ und Co. gekommen zu sein. Früher wollte ich immer auf die Hallig ziehen oder in den tiefsten Wald. Auswandern auf die Shetlandinseln hatte ich auch mal angedacht. Das ist als Fluchtort auch nicht mehr sicher und manches schaffe ich auch tatsächlich nicht mehr. Aber leben will ich unbedingt. Und ich denke, das ist auch gut so.
    Weißt du, liebe Elvira, ich habe mich anno dunnemals viel mit Faschismus befasst. Das war viel mehr, als die kranke Idee des Mannes mit Bärtchen. Der kam bloß gerade Recht. Suchen muss man auch da wieder in der „Wirtschaft“ und bei den „Märkten“. Warum zum Kuckuck kann sich manches so wiederholen? Und gibt es wenigstens jetzt genügend Gegenkräfte?

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    • Elvira schreibt:

      Es wird immer Gegenkräfte geben, die gab es damals. Aber ob es heute so viele mutige Menschen gibt, die gegen wirkliche Umfärbung auch ihr Leben riskieren würden? Wirklicher Widerstand? Das bezweifle ich. Leider!
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  5. quiltfru schreibt:

    Widerlich dieses braune Geschwärl. Meine Tochter hat mich immer für diesen Spruch gehasst (sie tut es nicht mehr, sie hat begriffen) der da lautet „Kratze am Deutschen und der Nazi kommt raus“. Aber das trifft nicht nur für die Deutschen zu. Das ist ein weltweites Problem. Nur hier bekommen wir es hautnaher mit. Auch auf die Gefahr hin für intolerant gehalten zu werden: Die Farbe braun kommt mir nicht ins Haus. Liebe Grüße, Birgitt

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