Etüde 19/20 2020

Die Wortspende für Christianes Etüdenprojekt – Katamaran, großspurig und totschweigen – hat Erinnerungen geweckt. Schöne und schreckliche. Da die schreckliche Erinnerung überwiegt, gibt es für diese Etüde kein selbstgemaltes Bild von mir. Denn jeder sieht sofort eigene Bilder in seinem Kopf.

Nachtrag 7.5.: Ich habe mich beim ersten Teil wohl missverständlich ausgedrückt. Ich habe keine Angst vor den Meeresbewohnern! Der Gedanke meinen Kopf unter Wasser zu stecken und nur durch einen Schnorchel zu atmen, der macht mir Angst. Seit ich einmal von einer großen Welle unter Wasser gedrückt wurde, kurz die Orientierung verlor und gefühlt  den halben Ozean  verschluckt  habe, schwimme ich angstfrei nur noch in Schwimmbädern.

2x Katamaran

Es gab in meinem Leben zwei Ereignisse, die mit einem Katamaran zu tun hatten. Als ich in Australien war, übrigens ganz alleine, bin ich mit einem Katamaran ins Great Barrier Reef gefahren. Das allerdings nicht alleine. Meine Mitreisenden erzählten großspurig, wo in der Welt sie schon zum Schnorcheln waren. Ich habe mich nicht getraut, ins Wasser zu gehen.  Das würde ich gerne totschweigen, aber ich muss dazu stehen. Schön war es dennoch dort draußen. 

Ein Jahr später flog ich mit meiner Freundin nach Fuerteventura. Eines Tages machten wir einen Tagesausflug auf einem Katamaran. Meine Freundin war sehr ängstlich, da der Kapitän das Boot gegen die Wellen segelte und es heftig schaukelte. Mir machte es riesigen Spaß. Solange ich auf dem Trockenen bleiben kann, habe ich vor nichts Angst. Am nächsten Tag wollte ich den Katamaran von Land aus fotografieren, wie er mit gesetzten Segeln auf Meer hinausfuhr. Ein Engländer gesellte sich zu mir und erzählte etwas von einem Terroranschlag in Amerika. Ich habe ihm nicht geglaubt. Zu unvorstellbar war das, was er berichtete. Auf dem Weg ins Hotel sah ich Menschentrauben vor den Cafés und Restaurants stehen. Überall liefen die Fernseher. Nur die Nachrichtensprecher waren zu hören. Es herrschte fassungsloses Schweigen. Dieses Schweigen legte sich wie eine schwere Decke über uns. Nie werde ich diesen Tag vergessen. Es war der 11. September 2001.

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14 Antworten zu Etüde 19/20 2020

  1. Christiane schreibt:

    Das kann ich nachvollziehen, was du da berichtest, beides. Und auch ja, ganz viele Leute (ich auch) wissen, wo sie waren, als sie die Nachricht vom 11. September bekamen. Ich erinnere mich ebenfalls gut.
    Liebe Grüße, danke fürs Teilen
    Christiane 😉

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  2. wildgans schreibt:

    oooooch, liebe Elvira.
    Hätte nie gedacht, dass deine Erinnerung SO ausschaut und dir beim unverfänglichen Wort einfällt…
    Gruß von Sonja

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    • Elvira schreibt:

      Beide Reisen werde ich nie vergessen! Und heute tut es mir leid, dass ich mich nicht ins Waasee traute. Diese Reise nach Australien war lange ersehnt und einmalig. Fuerteventura dann begann schon abenteuerlicher Kakerlaken, Dosengemüse, einem Brand und die Umsiedlung in ein anderes Hotel am anderen Ende der Insel. Und dann dieser Tag.

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  3. Olpo Olponator schreibt:

    Oh ja – mit Katamaranen zu segeln, auch mit großen, ist ein tolles Erlebnis. Gegen den Wind (der Tag auf den Kanaren) mag es fallweise ruppig zugehen, doch wenn der Wind ’schräg von hinten‘ kommt, ist es ein Erlebnis, das sogar ein wenig furchteinflößend sein kann: bei +40 Kmh auf dem Wasser können schonmal die Rümpfe zu dröhnen beginnen und dann ist größte Aufmerksamkeit des Steuermannes gefragt… Aber: es ist ein Erlebnis, das man nicht missen möchte im Nachhinein, wenn es gut ausging 😉
    Daß du am Reef nicht ins Wasser wolltest, finde ich nicht schrecklich – Riffhaie sind zwar klein und ungefährlich, aber sie treten meist in größerer Anzahl auf und Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste … 😉
    Schöne Etüde, ich finde, die Worte sind gut ‚untergebracht‘ … 😉

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    • Elvira schreibt:

      Noch etwas zu den Riffhaien und anderem Getier. Ich hatte keine Angst vor Begegnungen mit Fischen, egal welcher Größe. Ich gerate in Panik, wenn ich unter Wasser gerate. Das habe ich im Beitrag dann noch korrigiert.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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      • Olpo Olponator schreibt:

        Alles klar… kannst du nachvollziehen, wieso das so ist, Kindheitserinnerung oder so ? Ich meine, es muß niemand (ab)tauchen, um die Zeit am/im Wasser genießen zu können…
        Aber falls du nicht bereits durch einen Blick ins Wasser unterhalb deiner in Panik gerätst, könntest du es vllt bei passender Gelegenheit mit Schnorcheln probieren – dabei ist man komplett mit dem Körper an der Oberfläche, sieht bloß mit den Augen nach unten und kann dabei ganz normal aus- und einatmen. Es ist schon eine faszinierende Welt ‚da unten’…

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        • Elvira schreibt:

          Ich habe im Reef eine Tour mit einem „halben“ U-Boot gemacht. Dabei sitzt man unter Wasser in einem rundum verglasten Boot, während der Kapitän oberhalb durch das Gewässer steuert.
          Ich bin eine schlechte Schwimmerin, da ich das Schwimmen erst als Erwachsene richtig gelernt habe. Als mir dann später eine Welle den Halt nahm und ich unter Wasser völlig orientierungslos war, bevorzugte ich Schwimmen in Schwimmbädern. Meine Kinder konnten schon vor der Einschulung richtig schwimmen. Das war mir sehr wichtig. Meine Enkel begannen den Unterricht spielerisch auch schon in der Kita und besitzen alle den Freischwimmer.

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  4. quiltfru schreibt:

    Katamaran segeln ist eine sehr sportliche Angelegenheit. Was Deinen „Schiss“ vor den Tieren im Wasser angeht, kannst Du leicht mit meinem Ollen in Konkurrenz treten. Die Vorstellung, eines dieser Fische könnte ihn unter Wasser „küssen“ ist ihm grauenvoll. Dabei haben die mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen. Haie natürlich nicht mitgerechnet. Eine schöne, gesunde Woche wünsche ich Dir, Birgitt

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    • Elvira schreibt:

      Oh nein, Angst vor Tieren habe ich nicht. Ich bin keine gute Schwimmerin und gerate fast in Panik, wenn ich unter Wasser gerate. Also freiwillig meinen Kopf unter Wasser zu stecken und nur mittels Schnorchel zu atmen, ausgeschlossen!

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    • Olpo Olponator schreibt:

      Naja sportlich … kommt wohl auf die Größe an. Bei den ‚Hausbooten‘ und Raumwundern, die nun in Mode kommen, ist da nix mehr mit sportlich. Klar springen sie bei bis zu mittleren Winden besser an – aber so etwa ab 9 hätte ich dann lieber doch eine Einrumpfgurke, vor allem raumschots. Denn dann wird sportlich u. U. schnell zu kenterbar … 😉
      Bei kleinen Dingsis ist das natürlich anders, falls du die gemeint hast – aber ’sportlich‘ ist auch ein 470er und genaugenommen ist er weit anspruchsvoller zu segeln mit Vorschoter im Trapez und Spi… Da wiederum ist mir bei +6 der Kat lieber, halbwegs vorhandenes Volumen der Rümpfe vorausgesetzt … 😉

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      • quiltfru schreibt:

        Ich meinte eigentlich die kleinen Pupsdinger, die nur ein Matte zwischendrin gespannt haben und bei denen man dann mit ausgestreckten Beinen sitzen muss. Aber sonst geb ich Dir recht

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        • Olpo Olponator schreibt:

          Ahja, so einer wie in dem einen Bild von Christiane – da geht’s oft zur Sache bei etwas Wind – dann hängt aber auch zumindest ein Besatzungsmitglied im Trapez und steht auf der Bootskante, es können aber auch mehrere werden, je nach Typ – das ist dann schon sportlich … 😉

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  5. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 21.22.20 | Wortspende von Kopf und Gestalt | Irgendwas ist immer

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