Wenn ich ein Junge wär

Kennt ihr das auch? Plötzlich, ohne jeden ersichtlichen Grund, habt ihr eine Melodie im Kopf? Und sogar den Text kennt ihr noch? Obwohl das Jahrzehnte her ist? So ca. 55 Jahre. Oder, was sich viel weiter weg anhört, ein halbes Jahrhundert. So ein Lied war heute plötzlich da. Wenn ich ein Junge wär von Rita Pavone. Für die Jüngeren unter euch habe ich den Text eingestellt. Und dann erkenne ich, wieviel doch erreicht wurde. Von und für uns Frauen. So simple Dinge wie täglich lange Hosen tragen, Motorrad fahren oder Fußball spielen, nicht nur zu dürfen, sondern ohne Wenn und Aber zu machen. Bei all den wichtigen Sachen, die noch erkämpft werden müssen – obwohl ich für Kampf lieber einen anderen Ausdruck finden würde – sollten wir das nicht vergessen!

Rita Pavone

Wenn ich ein junge wär
Das wäre wunderschön
Dann könnt ich jeden tag
In langen hosen gehn
Und käm ich abends spät nach haus
Macht mir kein schwanz ein drama daraus
Das wäre halb so schwer
Wenn ich ein junge wär

Nur wenn tino, tino, tino mich küßt
Und wenn tino, tino lieb zu mir ist
Fällt bei tino, tino, tino mir ein
Eine kleine piccolina, bambina si-sina signorina zu sein
Ist wunderbar

Wenn ich ein junge wär
Mit einem motorrad
Dann wäre ich bekannt
Bald in der ganzen stadt.
Ich trau mir zu, im fußballverein
Ein guter mittelstürmer zu sein
So wär es ungefähr
Wenn ich ein junge wär

Nur wenn tino, tino, tino …..

Wenn ich ein junge wär
Dann wüßte ich so gut
Was so ein junger boy
Aus lauter liebe tut
Es gäbe keine mehr nebenbei,
Wär‘ nur der einen immerzu treu.
Es wäre halb so schwer,
Wenn ich ein Junge wär‘!

Nur wenn tino, tino, tino …

Im Netz fand ich auch diesen Alternativtext. Der wäre damals absolut unmöglich gewesen.

Ich würde in die schwulen-scene gehn
Und sexy boys den kopf verdrehn
Ich hätt genug verkehr
Wenn ich ein junge wär

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8 Antworten zu Wenn ich ein Junge wär

  1. Ulli schreibt:

    Dieses Lied habe ich immer lauthals mitgesungen. Damals dachten wir ja wirklich, dass all das für Jungs reserviert gewesen wäre, Das führte aber nicht zur Einsicht, sondern zur Rebellion 😉
    liebe Grüße
    Ulli

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    • Elvira schreibt:

      Genau so ist es! Ich erinnere mich bis heute an meine erste Hose. Es war ein Kostüm, Jacke und Rock, zu dem erstmalig auch eine Hose gehörte. Ich durfte es mir nach meiner Konfirmation aussuchen. Was für ein Ereignis nicht die Konfirmation, die auch, aber dieser Hosenanzug. Sogar bedeutender als die erste Zigarette.

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  2. quiltfru schreibt:

    So, nun kann ich nur noch mit den Wise Guys antworten: Hallo, hallo, Du bist mein Ohrwurm….
    Das geht mir jetzt bestimmt den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Hatte man ganz vergessen. Alle Errungenschaften sind so selbstverständlich geworden. Vielen Dank für das Erinnern. Liebe Grüße, Birgitt

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  3. Roswitha schreibt:

    Ich freue mich über das Lied, war es doch meine Sehnsuchtshymne! Ja, es wurde etwas erreicht, aber uns gehört die Hälfte der Welt, nicht müde werden, schauen, losgehen…

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  4. Pingback: Corona hundertunddrei | croco

  5. Gudrun schreibt:

    Meiner Mutter war das immer ein bisschen peinlich, aber ich hatte als Kind schon immer Hosen an, weil meine Röcke immer an den Zäunen hängen blieben. Ich war meistens mit Jungs unterwegs. Der Dorfpfarrer sagte immer „na, Kleiner“ zu mir und ich dachte, dass er mich ärgern wollte. Einige Jagre später meinter er: „Huch, du bist ja ein Mädchen.“ Naja, trotz kurzer Haare ließ sich das nicht mehr verbergen.
    Bei mir ist das alles etwas anders verlaufen in der DDR. Gerne würde ich davon erzählen, aber ich glaube, das will keiner hören. Zu oft wird man dann in die Ecke der Systennostalgiker gesteckt. Das wäre aber viel zu einfach.
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Elvira schreibt:

      Das mit dem Systemnostalgiker vergiss mal! Wir haben doch jeder eine Kindheit und Jugend gehabt in Systemen gehabt, die wir uns nicht ausgesucht haben. Wir waren Kinder! Und wir lebten wie (fast) alle Kinder auf der Welt. Relativ sorglos. Unser Mikrokosmos war unsere Welt, unsere Heimat, egal ob aus West, Ost, Nord oder Süd. Was wären wir für Menschen, wenn wir nicht davon erzählen dürften? In gewisser Weise würde uns das heimatlos machen. Es würde uns einen großen Teil unseres Seins berauben. Vielleicht habe ich gut reden, mag sein, so aus „Westsicht“. Aber mir persönlich war es schon immer völlig egal, woher ein Mensch kommt, wie er aussieht oder welchen „sozialen“ Status er hat. Diesen letzten Ausdruck habe ich in „“ gesetzt, weil er überwiegend im falschen Kontext benutzt wird.
      Also, liebe Gudrun, wann immer dir noch Erzählen ist, bin ich davon überzeugt, dass deine Leser sicher vorurteilsfrei mit offenen Herzen lesen.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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