Wie sich die Zeiten ändern

oder besser, wie ich mich verändert habe. Klar, ich bin älter geworden, von einer Konfektionsgröße 38 habe ich mich weit entfernt und über das Training für einen Marathon muss ich gar nicht erst nachdenken. Was ich hier meine, sind die kleinen Veränderungen, Dinge, die früher wichtig waren, haben diese Wichtigkeit nach und nach verloren. Darüber dachte ich letztens beim Wäsche aufhängen nach. Es gab Zeiten in den sehr frischen Jahren meiner Ehe, da sind mein Mann und ich alle 14 Tage in den Waschsalon an unserer Straßenecke gegangen um unsere Bettwäsche und Tischdecken zu mangeln. Bis auf Unterhosen, BHs und Socken habe ich alles gebügelt. Es bereitete mir Freude, den Wäscheschrank zu öffnen und die ordentlichen Stapel der Handtücher, Bettwäsche etc. anzusehen. Irgendwann meinte mein Mann, ich solle doch aufhören seine Unter- und Oberhemden zu bügeln. Denn seine Körperwärme würden sie ausreichend glätten. Wir stellten auch das Mangeln ein, denn mittlerweile hatten wir Kinder und wir sind umgezogen. Weit und breit gab es keinen Waschsalon. Immerhin bügelte ich die Bettwäsche noch.  Eines Tages fragte ich mich, warum ich das überhaupt mache. Unser Bett wurde sowieso mit einer Tagesdecke abgedeckt – zuerst des Katers, dann des Hundes wegen. Also hörte ich damit auf. Und heute? Heute gibt es nur sehr wenige Kleidungsstücke, die noch gebügelt werden müssen. Ein paar Leinenblusen und eine Leinenjacke. Das war es. Die Stapel im Schrank sehen auch nicht mehr so ordentlich aus, denn das ist mir völlig egal geworden. Spannbettlaken habe ich früher perfekt zusammengelegt. Heute rolle ich sie zusammen, fertig! Bis vor nicht allzu langer Zeit habe ich auch alle Wäsche nach dem Waschen auf rechts gedreht. Heute hänge ich sie auf, wie sie aus der Maschine kommen. Richtig umdrehen kann ich sie auch direkt vor dem Anziehen. Manchmal frage ich mich schon, warum mir das früher alles so wichtig war. Natürlich spielt die Erziehung zur „perfekten“ Hausfrau sicher eine Rolle. Bei meiner Oma wurden auch die Fransen des Teppichs gekämmt – was ich später auch bei meinen Flickenteppichen machte (bis ich die Fransen abschnitt) und alle Schlüssel an ihrem großen Schlafzimmerschrank mussten in der gleichen Position in ihren Schlössern stecken. Aber Erziehung ist sicher nicht alles. Viel später wurde mir klar, dass selbst so profane Dinge wie Wäsche „richtig“ zusammenzulegen, etwas mit Kontrolle zu tun hat. Der stolze Blick in einen Schrank, in dem es so scheint, als wäre da jemand mit einem Lineal am Werk gewesen, war nichts weiter als ein Irrtum. Jedenfalls für mich! Als mir das alles nach und nach immer unwichtiger wurde, stellten sich andere Sachen ein. Ich entdeckte meine Kreativität, probierte vieles aus und ließ auch vieles wieder sein. Ich lernte, dass ich nicht alles konnte, nicht alles können musste. Wenn mir aber etwas gelang, wie die meisten meiner Nähprojekte, oder ein besonders gutes Foto oder guter Text, dann war – und ist – das etwas, worauf ich wirklich stolz sein kann, was mir echte Befriedigung bereitet.

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13 Antworten zu Wie sich die Zeiten ändern

  1. maribey schreibt:

    Eine gute Entwicklung, die du beschreibst!

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  2. Myriade schreibt:

    Für mich liest sich das so, als wärst du der Hölle entkommen 😉

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  3. Hans-Georg schreibt:

    Meine Mutter hat, als sie noch zu Hause wohnte, wohl jeden Tag das Staubtuch in der Hand gehabt und alles abgewischt. Das Bett wurden täglich ordentlich gemacht. Als sie im Seniorenheim wohnte, hat sie sich ein Staubtuch bringen lassen und wenn es mal etwas länger dauerte bis ihr Bett ordentlich war, hat sie sich darüber geärgert.
    Man kann sich das Leben schwer machen und die Zeit mit unnützen Dingen vertun. Wenn alles sauber ist, ist es doch ok, es muss nicht immer alles ordentlich sein. Das Bügeleisen wird bei uns nur für Hemden benutzt.

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  4. Ulli schreibt:

    Das eine ist, so hat es zu sein. Das andere, dass bügeln und mangeln den Sinn hat, dass die Wäsche länger haltbar ist. Durch die Hitze verdichten sich die Fasern. Ich weiß das zwar, aber tue es dennoch nicht, weil ich anderes lieber tue 😉
    Ich bin nicht zur Hausfrau geboren, auch wenn ich es gerne sauber und übersichtlich habe, dafür sorge ich. Und wenn ich Lust habe, wie heute, stehe ich auch lange in der Küche und backe und mache. Ich freue mich auf morgen und das frischgebackene Pide-Brot 🙂
    Liebe Grüße
    Ulli

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    • Elvira schreibt:

      Ich war sehr gerne „Hausfrau“, nur das Kochen war nicht so mein Ding. Das war so eine Sache, die eben sein muss. Lieber habe ich gebacken, so wie jetzt jede Woche ein Brot. Ein geflügeltes Wort meiner Oma (die ich aber sehr liebte) war, dass man bei ihr vom Boden essen könne. Würde mir das heute jemand sagen, dann wäre meine Antwort, dass wir dafür einen Tisch haben. Sauber und ordentlich ist es bei mir immer noch, aber nicht mehr mit dem Anspruch auf das Wohlwollen anderer Menschen. Es muss mir genügen. Vielleicht geht diese Einsicht aber auch mit den schwindenden Kräften des Alters einher. Die Energie wird heute einfach für andere Dinge benötigt, die Prioritäten haben sich verschoben.
      Herzliche Grüße in den Schnee (sooo schön bei dir!)
      Elvira

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  5. wildgans schreibt:

    Habe das gern gelesen, was du über Haushalt, bügeln und so schriebst!
    Meine Mutter hatte ihre Putztage und bekam schlimme Kreischanfälle, wenn dann z.B. mein Bruder mit Dreckstiefeln einfach in die saubere Wohnung marschierte…Ich kann`s ein bisschen verstehen. Bin kein fleißiges Lieschen geworden, eher das Gegenteil…
    Gruß von Sonja

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    • Hans-Georg schreibt:

      Ich glaube, dass man es lernen kann, auch mal „alle fünfe gerade sein zu lassen“.
      Früher war es ja oft so, dass die Hausfrau eben Hausfrau war und nicht einem Job nachgegangen ist. Die Dame des Hause hatte Zeit, sich um den Haushalt zu kümmern, zu bügeln und all die Dinge, die man früher eben so gemacht hat. Es gab kein Fernsehen, Internet sowieso nicht, allenfalls die Tageszeitung, Radio und vielleicht ein Buch. Dazu kam die Einstellung „das muss so, das war schon immer so, das hat meine Mutter schon so gemacht – also wird das gemacht“.
      Meine Mutter hatte morgens für den Haushalt ihre alten Klamotten an und dann zog sie sich zum Nachmittag um, trank eine Tasse Kaffe und aß Gebäck. Der Wecker wurde zeitlebends – jedenfalls in der eigenen Wohnung – auf 7 Uhr gestellt. Später im Heim hatte sie „verschlafen“ wenn es mal halb acht wurde. Das Mittagessen stand punkt 12 auf dem Tisch, um 16 Uhr der Nachmittagskaffee und um 19 Uhr das Abendessen. Aber sie konnte eben nicht aus ihrer Haut. Wer 91 Jahre in der eigenen Wohnung gelebt hat – dem kann man nichts mehr beibringen. Im Heim wurde das dann entspannter, Hauptsache, sie hatte ein Staubtuch. Und die Reinigungsfachkraft hierließ „runde Ecken“ wenn sie den Boden wischte.
      Ich bin mir nicht sicher, ob Mutter sich das Leben mit solchen „Kleinigkeiten“ schwer gemacht hat. Wir jedenfalls essen, wann wir Appetit oder Hunger haben. Meist ist es so, dass wir warm essen, wenn andere Menschen an der Kaffeetafel sitzen.
      Stress im Haushalt – no way! Es gibt schöneres im Leben, als hauszuhalten.

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  6. quiltfru schreibt:

    Wie sich die Entwicklungen gleichen! Als junge Frau und Mutter, besonders wenn man daheim bleibt, meint man, man hätte keine Existenzberechtigung und entwickelt sich zum Putzteufel. Nach der Geburt meines zweiten sagte mein Mann: „Fang bloß wieder an zu reiten, du bist ja nicht zum Aushalten mit Deiner Putzerei.“ Gesagt, getan, danach war alles gut. Birgitt

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