Behörden-Ping-Pong

Ein immer wiederkehrendes Thema im von mir abonnierten Checkpoint Tagesspiegel ist das Berliner Behörden-Ping-Pong. Immer wieder werden Menschen oder Institutionen  mit ihren Anliegen wie ein Tischtennisball von Behörde zu Behörde zu Behörde und zurück gespielt.  Nun habe ich den CP schon lange nicht mehr gelesen. Denn, egal wo auch immer ich lese, es dreht sich alles immer nur im Kreis. Selten finde ich eine positive Nachricht oder gar etwas, was mein Herz erwärmt. Heute dachte ich mir, dass ich doch mal wieder reinschauen sollte, vielleicht finde ich etwas, was mich nicht aufregt. Weit gefehlt! Diese Meldung nun hat mir nicht nur den Morgen sofort verdorben, sondern mein Vertrauen in die betreffenden Behörden erschüttert:

Sie erinnern sich ans Behördenpingpong mit dem verletzten Graureiher? (Anruf bei der Polizei: „Wir sind nicht zuständig, rufen Sie die Feuerwehr an“, Anruf bei der Feuerwehr: „Wir sind nicht zuständig, rufen Sie die Polizei an“, Anruf beim Ordnungsamt: „Wir sind nicht zuständig, rufen Sie die Polizei oder die Feuerwehr an“ usw… CP v. 22.2.). Spaziergänger hatten das von Hunden attackierte, gesetzlich geschützte Tür (hier zu sehen) schließlich in eine Kiste gepackt und in die Tierklinik nach Düppel gebracht, nachdem auch Anrufe bei der Tierrettung (dauerbesetzt),beim Tierheim (Anrufbeantworter) und einem Tierarzt(behandlungsunwillig) nicht halfen.

Nun, die Sache ist noch ein bisschen irrer, wie unsere Kollegin Sandra Dassler vom zuständigen (!) Verbraucherministerium erfuhr: Den Spaziergängern hätte ihr Hilfseinsatz als Wilderei ausgelegt werden können (Jagdgesetz § 2, Abs. 4), weil sie sich nicht beim „Jagdausübungsberechtigten“ gemeldet hatten. Hm, und wie findet ein Reiherfinder für einen Reiher in Not den zuständigen „Jagdausübungsberechtigten“? Das Ministerium empfiehlt: „Die Polizei anrufen“ (siehe oben). Da beißt sich der Reiher vor Verzweiflung in den Schwanz.

Für unseren Graureiher vom Kleinmachnower See kam die Hilfe am Ende übrigens leider zu spät: „Das Tier war sehr geschwächt, bekam zwar eine Infusion, eine Antibiose und Schmerzmittel, überlebte die Nacht aber nicht,“ sagt Kerstin Müller, Oberärztin in der Tierklinik Düppel. (Weitere Hinweise zur Tierrettung und der Tierklink finden Sie hier).

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Wie kann das möglich sein? Ach, ich sollte mich das vielleicht nicht fragen. Die letzten Monate haben mir gezeigt, wie Zuständigkeiten funktionieren. Und der „kleine Mann“ folgt dem Beispiel, das ihm da vorgelebt wird. Ist nicht mein Bier…soll sich ein anderer kümmern…dafür zahle ich schließlich Steuern…
Ich bin dankbar für jeden Menschen, der sich nicht hinter Zuständigkeitsgerangel versteckt, sondern Initiative ergreift.

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9 Antworten zu Behörden-Ping-Pong

  1. Hans-Georg schreibt:

    Was ist das für ein Sch….? Hier kommt ständig die Feuerwehr zur Tierrettung. Letztens wurde in Waschbär aus dem Wasser gerettet:
    https://www.hl-live.de/text.php?id=143504

  2. Der Wilhelm schreibt:

    Hier in Hamburg dürfte das wohl ähnlich sein, auch wenn solche Dinge selten in er Presse aufscheinen.
    Allerdings gibt es zumindest eine zentrale Rufnummer der Stadt, an die man sich wenden kann und Auskünfte erhält, bzw. direkt an die zuständige Stelle oder Behörde weiter vermittelt wird.

  3. Ulli schreibt:

    Das ist mit ein Grund wsrum ich D einen Gartenzwergstaat nenne.
    Unglaublich!!!

  4. kormoranflug schreibt:

    Vertraue nicht darauf, daß es beim Impfen besser läuft.

  5. wildgans schreibt:

    Sowas macht sprachlos…

  6. quiltfru schreibt:

    Da wiehert der Amtsschimmel. Ich könnte k…..Und genauso geht es mit der Impferei und Co. Und jetzt hat man noch Spahn und Scheuer in die Taskforce berufen. Da hat man wahrlich den Bock zum Gärtner gemacht. Wir haben uns schon im Januar für eine Impfung angemeldet. Nichts bisher. Immerhin impfen sie jetzt hier medizinisches Personal. Wir Ollen bleiben weiterhin brav daheim und freuen uns daran, dass die Corona App grün zeigt. Wie das nur kommt?! …..Bei uns schneit es mal wieder. Bleibt aber nicht liegen. Ist aber so grau draußen, dass man sich überwinden muss aus dem Bett zu kommen. Liebe Grüße, Birgitt

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