Aquarium – und etwas Grundsätzliches

Wer sich ein Tier ins Haus holt, wird/sollte sich vorab darüber informieren, welche Bedingungen im besten Fall  erfüllt sein müssen, damit es sich wohlfühlen kann. Wer Katzen genauso wie seine Ruhe liebt, wird mit einer Quasselstrippe wie der lebhaften Siamkatze sicher nicht glücklich werden. Genau wie derselbe Mensch, wenn er Hunde bevorzugt, weder sich noch einen Jack Russel zufriedenstellen wird. Wer kleiner denkt und Meerschweinchen oder Kaninchen den Vorzug gibt, weiß mittlerweile hoffentlich auch, dass man sie nicht miteinander vergesellschaften, aber auch nie nur ein einzelnes Tier dieser Art halten sollte (gilt idealerweise auch für Katzen). Und nicht jedes dieser Tiere wird ein Kuscheltier. Das zu wissen ist wichtig! Denn viele Tiere werden genau aus diesen Gründen wieder abgegeben, wenn nicht sogar einfach ausgesetzt. Oft muss man Abstriche machen. Ich zum Beispiel liebe den Grünen Leguan sehr, kann ihm aber kein Zuhause bieten, in dem er artgerecht  leben könnte. Als mein Sohn sich für Terrarien interessierte – auch er mochte den Iguana Iguana sehr – entschieden wir uns für Rotkehlanolis. Wir haben es nie bereut! Den Anolis zuzusehen war schon interessant, besonders, wenn sie imponierten und ihren tiefroten Kehlsack ausstülpten. Es war auch aufregend! Besonders, wenn man morgens ins Kinderzimmer kommt (das Kind war schon kein Kind mehr) und feststellt, dass sich das Futter für die Anolis einen Weg aus dem Terrarium geknabbert hat und die Wand hochkrabbelt. Kann man krabbeln bei Wachsmaden sagen? Auch hätte ein Besucher, der den Kühlschrank öffnet, sich vielleicht verwundert gezeigt, dass im Gemüsefach Schalen mit Maden stehen. Nun ja, das alles sollte man vorher wissen.

Genauso ist es auch bei den stummen, im Wasser schwimmenden Mitbewohnern. Kaum etwas ist schlimmer als ein Mensch, der im Handel (Fachhändler gibt es leider nur noch sehr, sehr wenige) von jedem Fisch, der ihm gefällt, mal von der Art einen, mal zwei einer anderen Art  u.s.w. kauft. Doch! Schlimmer wäre der Händler, der dem nicht widerspricht! Es gibt nichts gegen ein Gesellschaftsbecken zu sagen, auch wenn wir im Laufe der letzten 40 Jahre Erdteilbecken den Vorzug gegeben haben. Aber auch unsere ersten Aquarien waren gemischte Becken. Da schwammen Fische aus Afrika, Amerika und Asien gemeinsam durchs Wasser. Aber immer, wirklich immer, haben wir uns vorher informiert – in Zeiten ohne Internet! – ob diese Tiere dieselben Grundbedürfnisse haben (Wassertemperatur, PH-Wert, Platzangebot) und ob sie sich vertragen. Natürlich haben auch wir Fehler gemacht. So kauften wir einmal diese Schachbrettschmerlen, ihr wisst schon, diese wuseligen Kerlchen. Es waren noch sehr kleine Fische und die Barsche dachten wohl: „Ey, endlich mal wieder Lebendfutter!“ Das war für beide verhängnisvoll. Denn wie im vorigen Beitrag beschrieben, haben die Schmerlen diesen Dorn und den haben sie sofort eingesetzt. Tagelang schwammen die Barsche durchs Becken, während eine halbe Schmerle aus ihren Mäulern herausschaute. Sie konnten sie weder schlucken noch wieder ausspucken. Das war kein schöner Anblick!  Irgendwann gelang das Schlucken dann. Die Barsche haben es überlebt. Einer meiner Lieblingsfische ist ein kleiner afrikanischer Barsch, der Purpurprachtbuntbarsch. Er ist sehr friedlich und sieht wunderschön aus. Mit der Friedfertigkeit ist allerdings Schluss, sobald er Junge hat. Dann werden alle anderen Fische von dem Elternpaar in eine Ecke des Beckens gedrängt und die Brut vehement verteidigt. Sind die Kleinen groß genug und schwimmen eigener Wege, sind die Barsche wieder absolut friedlich – bis die Balzerei von vorne beginnt.

Im Laufe der Jahre sammelten wir also viele Erfahrungen. So ist der Besatz im jetzigen Becken mit Bedacht gewählt. Zunächst sind alle Fische absolut friedlich untereinander. Das kann innerhalb einer Gattung schon sehr unterschiedlich sein. So sind nicht alle Labyrinther so friedlich wie unsere Mosaikfadenfische. Die Keilfleckbärblinge wiederum haben nicht, wie viele ihrer Artgenossen, das Bedürfnis, an deren Fäden zu knabbern. Die siamesischen Rüsselbarben sind fleißige Vertilger von Ablagerungen auf Pflanzen und Wurzeln, fressen aber die Pflanzen nicht an. Und die wuseligen Schmerlen sind quasi die Staubsauger, die den Bodengrund sauber halten. Allerdings sind sie nur friedlich, wenn sie in einer Gruppe in einem entsprechend großen Becken leben dürfen. Allein gehalten, oder mit zu wenig Platz, werden die possierlichen Fische recht aggressiv. 

Als ich gestern so auf dem Sofa lag, mein iPad auf dem Schoß, Kopfhörer auf den Ohren, und eine Folge meiner Serie sah, schweifte mein Blick immer vom Bildschirm ab. Aus der Folge wurde quasi ein Hörspiel, denn es war viel interessanter, den Fischen zuzusehen.

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2 Antworten zu Aquarium – und etwas Grundsätzliches

  1. quiltfruq schreibt:

    Aus diesem Grund haben wir 2 Scottish Terrier. Wenn wir die Hunde mal alleine lassen müssen, dann haben sie einander. Das war eine unserer besten Entscheidungen. Schönes Wochenende! Birgitt

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  2. Der Wilhelm schreibt:

    Das hast Du aber schön beschrieben.
    Und besonders der letzte Satz gefällt mir – so würde es mir wohl auch gehen 😉

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