Bin wieder da

Ich habe 14 Tage die Kater meiner Sohnfamilie gehütet. Leider lief dieses Mal nicht alles rund. Das lag nicht an den Tieren, sondern an den Umständen. Wie immer hatte ich viele Pläne gemacht. Der einzige Punkt, den ich abhaken konnte, war ein Tierparkbesuch. Die Dampferfahrt, das Essen gehen, der Besuch des Denkmals im Treptower Park, ein Bummel auf der Bölschestraße – all das musste ich streichen.

In der ersten Woche traf ich mich mit meinem Mann in einem Geschäft, das Dreiräder für Erwachsene anbietet. 1,5 Stunden waren für die Beratung und das Probefahren eingeplant. Mit einem normalen Dreirad kam mein Mann nicht zurecht, es wurde schließlich ein Sesselrad, ein Easy Rider der dritten Generation der Firma Vanraam aus Holland.

In ca. 10 Wochen wird das gute Stück geliefert. Mein Problem begann zwei Tage später. Um mich mit meinem Mann zu treffen, musste ich sehr viele Treppen auf diversen S-Bahnhöfen hinauf und hinab steigen. Am folgenden Tag war ich im Tierpark. Und am darauf folgenden Tag konnte ich beide Knie kaum noch bewegen. Jeder Schritt schmerzte und das Aufstehen vom Sofa und dem Klo war eine Tortour. Von da an war der “Urlaub“ für mich gelaufen. Nur mit großer Mühe konnte ich die notwendigen Einkäufe erledigen und den Müll runterbringen. Glücklicherweise wohnen die Kinder in der ersten Etage. Aber selbst diese eine Treppe konnte ich nur wie ein kleines Kind, das gerade Treppensteigen erlernt, bewältigen. Am letzten Freitag bekam ich dann auch noch Herzrhythmusstörungen, was mich wirklich panisch werden ließ, was wiederum Auswirkungen auf den Kreislauf hatte. Bis Sonntag musste ich durchhalten, dann würde die Familie die Heimreise antreten. Sonntagfrüh stolperte mein Herz erneut und ich beschloss, mir ein Taxi zu rufen und nach Hause zu fahren. Alleine das Wissen, dass ich nicht alleine war, half mir doch sehr. Am Montag morgen begann es erneut und ich ließ mich von einem Taxi in die Erste Hilfe meines favorisierten Krankenhauses fahren. Fünf Stunden hing ich an einem Monitor und zweimal wurde mir Blut abgenommen. Da der Troponinwert erhöht war, wurde ich stationär aufgenommen und bekam am nächsten Tag eine Herzkatheteruntersuchung. Ich hatte riesige Angst vor der Untersuchung, auch wenn mir viele Menschen, auch mein Mann, versicherten, dass es dazu keinen Grund geben würde. Nun ja, ich habe die Untersuchung überstanden, brauche sie aber nicht unbedingt noch einmal. Meine Herzkranzgefäße sind völlig in Ordnung, das ist immerhin schon mal gut. Am folgenden Tag wurde ich entlassen. Nun bekomme ich in der nächste Woche ein Langzeit-Blutdruckmessgerät und ein Langzeit-EKG über 48 Stunden. Ach ja, und am Montag eine MRT vom rechten Knie.

Auch wenn mir während der Zeit des Katerhütens die Decke auf den Kopf fiel, konnte ich mich zu nichts aufraffen. Nicht zum Lesen, Filme gucken oder für die Blogs. Seht es mir bitte nach!

„Mein“ Krankenhaus ist übrigens ein konfessionelles, was sich jeden Tag und jede Nacht wieder deutlich gezeigt hat. Schwestern, Ärzte, selbst die Hilfskräfte, waren stets freundlich, geduldig und den Patienten zugewandt. Aus dem Grund habe ich nicht die Feuerwehr gerufen, die mich woanders hätte hinfahren müssen. Allerdings war die Rettungsstelle des nächsterreichbaren Krankenhauses so früh wegen Überfüllung bereits geschlossen. Hätte ich meinen Zustand als lebensbedrohlich eingestuft, wäre 112 natürlich die erste Wahl gewesen. Nun warte ich ab, ob der Betablocker seine Wirkung beibehält, was ich natürlich sehr hoffe.

In der kommenden Woche starte ich auch wieder meine Besuche bei euch. Bis dann also!

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14 Antworten zu Bin wieder da

  1. quiltfru schreibt:

    Das „Gefällt mir“ kann ich aus ersichtlichen Gründen nicht anhakeln. Das gefällt mir nämlich überhaupt nicht, was da mit Dir passiert ist. Hoffentlich wird es bald besser. Du solltest jetzt wohl doch bald einmal eine Knie OP ins Auge fassen. Mein Mann hat auch ein Neues. (Ist jetzt schon fast 10 Jahre als. ES ist kein einzementiertes, es ist fest mit dem Knochen verwachsen. Er fährt damit ja auch wieder Ski. Zieh es nicht zu lange heraus. Gute Besserung, Birgitt

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    • Elvira schreibt:

      Zunächst wird das rechte Knie operiert, da ist eine Arthroskopie noch möglich. Wenn das gut verheilt ist, bekommt das linke Knie ein neues Gelenk. Bis zur ersten OP wird die Oberschenkelmuskulatur aufgebaut, damit das Gelenk entlastet werden kann. Mein Mann hat auch zwei künstliche Gelenke ohne jegliche Komplikationen.
      Liebe Grüße,
      Elvira

      Gefällt 2 Personen

  2. Frau Momo schreibt:

    Och Mensch, da willst Du Dir eine Auszeit gönnen und dann das.
    Ich war seit meiner Blinddarm-OP mit ca. 14 Jahren in keinem Krankenhaus mehr stationär, aber eine ambulante Hand-OP habe ich auch in einem konfessionellen Krankenhaus machen lassen und fand es auch einen deutlichen Unterschied zu anderen Häusern, die ich zumindest als Besucherin kannte. Meine angebrochenen Zeh haben sie hier nebenan in einem kleinen katholischen Krankenhaus behandelt. Auch dort habe ich das erlebt, was Du beschreibst. Inzwischen habe ich ja beruflich auf anderer Ebene täglich mit dem Thema Krankenhaus zu tun und auch da erlebe ich deutliche Unterschiede.
    Im Zweifel für ich mich zwar wohl für das fachlich beste entscheiden, aber auch immer konfessionelle vorziehen.

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    • Elvira schreibt:

      Ich hatte ja nicht vermutet, dass ich bleiben müsste und glaubte, nur eine erste Hilfe zu bekommen und dann wieder nach Hause zu dürfen. Das Krankenhaus kenne ich durch die OPs meines Mannes (beide Kniegelenke mussten erneuert werden). Es ist ein katholisch geführtes Haus, die Mitarbeiter:innen gehören allerdings allen Religionen an. Als ich ins Katheterlabor gefahren wurde, kam ich an einem großen Fenstermosaik vorbei, in das ringsherum groß stand: Wir sind alle Hedwig (das Krankenhaus ist ein kleiner Ableger des Hedwigskrankenhauses in Berlin Mitte). Am besten ist es natürlich, in gar kein Krankenhaus zu müssen!
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  3. Ohje, das war – und wird – eine aufregende Woche… Anstatt Ruhe hast Du Aufregung bekommen. Immerhin gut, dass der Herzkatheter beruhigende Ergebnisse gebracht hat. Der Rest wird auch noch werden.
    Der Easy Rider sieht übrigens toll aus – habe ich noch nie gesehen.
    Viel Erfolg diese Woche für alle Untersuchungen diese Woche und alle guten Wünsche !
    LG Birthe

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  4. junymond schreibt:

    Ja gute Besserung…..kann man da nur sagen😊

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  5. Gudrun schreibt:

    Liebe Elvira, es tut mir sehr leid, dass dein kleiner Urlaub mit solchen Schwierigkeiten behaftet war. Ich wünsche dir, dass es nicht wieder so wird und dass du auch deine Ängste zur Seite legen kannst. Die können einen nämlich auch noch schaffen. Ich kenne das.
    Das Fahrrad ist toll. Vielleicht könnt ihr nun wieder Fahrradtouren zusammen unternehmen. Ich drücke die Daumen.
    Gute Besserung weiterhin wünsche ich dir und dass dir immer so gut geholfen wird.

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  6. Der Wilhelm schreibt:

    Das ist ja schade, dass es Dir Deinen „Urlaub“ so verdorben hat.
    Und auch die Perspektiven sind ja momentan nicht so wirklich schön.

    Um so mehr ein Grund, Dir zu wünschen, dass es Dir Bald wieder besser geht und die Beta-Blocker ihre Arbeit ordentlich verrichten.

    (Hattest Du übrigens die Mail gelesen, die Ich Dir geschrieben hatte?

    Gefällt 1 Person

    • Elvira schreibt:

      Vielen Dank für die guten Wünsche! LZ-RR ist durch, morgen kommt 48h-Lz-EKG. Mail habe ich gelesen und den Beitrag auch. Übrigens auch schon die ersten beiden Bände „Achtsam morden“, dritter wird morgen begonnen.
      Liebe Grüße,
      Elvira

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  7. Eva schreibt:

    Ach Elvira, das liest sich nicht gut. Wir sind ja jetzt wieder ein paar Wochen weiter, geht es dir jetzt besser? Gute Besserung wünscht, Eva.

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