Facebook-Hetze gegen einen werdenden Vater

Die Fastenzeit ist vorbei und ich muss gestehen, dass es mir nicht 100%ig möglich war, die digitale Abstinenz einzuhalten. Jetzt bin ich wieder in den sogenannten sozialen Medien unterwegs und beginne fast, das zu bereuen. Das Wort „sozial“ habe ich stets positiv assoziiert. Nun weiß ich natürlich nicht erst seit heute, dass dem nicht so ist. Hasskommentare und braune Soße verbreiten  sich anonym besonders gerne. Aber immer mehr Menschen stehen zu ihren, in meinen Augen, verwerflichen Meinungen. Unsere Meinungsfreiheit lässt das zu, und das möchte ich auch nicht ändern. Meinungen müssen ausgehalten werden und sie können diskutiert werden. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, wenn bestimmte Gruppierungen und Parteien Kommentare, die ihnen nicht passen, einfach unter den Teppich kehren. Hasskommentare werden veröffentlicht, kritische Anfragen einfach nicht beantwortet. Wie im aktuellen Fall. Kennt ihr die Werbung der DAK mit dem Pärchen, das ein Ultraschallbild seines ungeborenen Babys in der Hand hält? Ein junges Paar, das sich auf sein Kind freut, sollte doch in jedem Menschen ein gutes Gefühl wecken, nicht wahr? Leider ist dem nicht so. Denn der junge Vater ist dunkelhäutig. Und das weckt in unglaublich vielen Menschen Hassgefühle. Philipp Awounou heißt der Mann, der auf Facebook Opfer einer regelrechten Hetzkampagne wurde. Auf Spiegel online hat er seine Geschichte ins Netz gestellt. Rassismus ist bei uns leider keine Ausnahmeerscheinung mehr, sondern scheint mittlerweile auch Menschen erreicht zu haben, die unlängst noch jeden Anschein brauner Einfärbung weit von sich gewiesen haben. Ein Horst Seehofer schürt dabei fleißig das Feuer.

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Frohe Ostern

oder einfach ein paar schöne freie Tage wünsche ich euch allen da draußen in den Weiten des weltumspannenden Netzes

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Das Ende vor Augen

Fast 13 Jahre begleitet er uns nun schon. Als er fünf Wochen alt war, lernten wir ihn kennen. Er hatte die Größe eines Meerschweinchens und seine Farbe war überwiegend weiß. Wir konnten es kaum glauben, dass er eines Tages fast nur noch schwarz sein sollte, obwohl seine Mutter der lebende Beweis dafür  war.  Nach reiflicher Überlegung, denn die Adoption eines Hundes gehörte nicht zu unserer Lebensplanung, entschieden wir uns dafür, diesem Welpen ein Zuhause zu geben. Ein Name für den K-Wurf war schnell gefunden: Karlchen. Die Jahre lehrten uns, dass Klette gut gepasst hätte, denn er folgt uns auf Schritt und Tritt. Auch Krümelmonster wäre eine gute Wahl gewesen, denn besser als jeder Staubsauger beseitigt er noch den kleinsten essbaren Krümel, der unter den Tisch fällt. Knuddelmonster trifft es auch gut, einen größeren Schmuser können wir uns kaum vorstellen. Aber er hat unser Leben nicht nur bereichert, er hat es auch ein klein wenig erschwert. Würde man bei einem Kind von schwer erziehbar sprechen, bezeichnen wir seine Resistenz gegenüber diverser Erziehungsversuche gerne als starken Charakter. Was ihn aber ganz besonders auszeichnet, ist sein unglaubliches Vertrauen in uns. Noch nie mussten wir ihm bei einem Tierarzt einen Maulkorb anlegen. Solange er uns nur sieht und meine Hand an seiner Schnauze spürt, lässt er alles mit sich machen.  Er schaut mich dann nur mit seinem so unbeschreiblichen Hundeblick an, in dem alles Vertrauen der Welt liegt und der mir sagt, dass er sein Leben in meine Hand legt. Jetzt  hat er ein Leberkarzinom und einen Schatten auf der Lunge. Noch geht es ihm gut. Er hat keine Schmerzen, frisst gut und schmust wie eh und je. Nur uns ist das Herz unglaublich schwer, denn über kurz oder lang müssen wir uns seines Vertrauens würdig erweisen. Ich wünschte mir, dass ich eines Morgens aufwache und er in der Nacht friedlich gestorben wäre. Unseren Kater mussten wir mit knapp 19 Jahren nach einem Schlaganfall einschläfern lassen. Es waren lange und furchtbare Minuten des Wartens auf den letzten Atemzug.. Fast 13 Jahre begleitet uns dieser Hund. Nach ihm wird es kein Tier mehr in unserem Leben geben!

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Fastenzeit

Ganz kurz für die lieben LeserInnen meines Blogs, die sich nach meinem Befinden erkundigt haben. Es geht mir recht gut, vielen Dank. Ich nutze die Fastenzeit in diesem Jahr für eine digitale Abstinenz. Kein Twittern, keine Blogs.  Nur die E-Mails werde ich abrufen und gegebenenfalls beantworten müssen. Ich wünsche euch allen eine gute Zeit bis wir uns nach Ostern wieder lesen.

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Ost-Rock

Am letzten Wochenende wurde viel über die Mauer berichtet, die Deutschland getrennt hat. Von Menschen und ihren Schicksalen wurde geschrieben. Positive, aber auch negative Erfahrungen fanden einen breiten Raum. Eine Aussage war, dass es falsch wäre von Ost-Rock zu sprechen, da ja auch niemand den Begriff West-Rock verwenden würde. Meiner Meinung nach gibt es den auch nicht. Jedenfalls fällt mir spontan keine Band ein. Bei Ost-Rock hingegen purzeln Bands und Titel nur so in meinem Kopf herum. Karat, City, Silly und die Pudhys kennt heute wohl jeder. Solche Bands und solche Musik gab es meines Wissens im Westen nicht. Wildgans hatte letztens das Wort Trance zum Wort des Tages gewählt. Mir fiel eine Begebenheit ein, die viele, viele Jahre zurückliegt. Es gibt in Berlin ein Zentrum für Bewegung, Meditation und Therapie. Das „Zeitlos“ wirbt auch mit dem Slogan „Tanzen, einfach nur Tanzen“. Mit einer Freundin und ein paar anderen Leuten war ich, wie gesagt, vor langer Zeit dort. Es gab zwar keinen Dresscode, aber die Schuhe mussten ausgezogen werden. So stand ich mit meiner Freundin barfuß auf der Tanzfläche, als dieses Stück in seiner ganzen Länge von knapp 18 Minuten gespielt wurde, was mich wahrhaftig in Trance versetzt hat. Es gehört immer noch  zu meinen Lieblingsliedern. Gerade heute erst habe ich es auf dem Heimweg vom Einkaufen  genossen. Allerdings die kürzere Version. Gänsehaut bekomme ich immer noch!

 

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Putzen für ein langes und glückliches Leben

Ihr habt richtig gelesen! Wer putzt und seinen Haushalt ordentlich hält, fühlt sich glücklich, ist gesünder und lebt länger. So jedenfalls habe ich es vor ein paar Tagen in einer Zeitung gelesen. Allerdings habe ich vergessen, wer diese Studie in Auftrag gegeben hat (mir fallen da einige Institutionen ein). Das würde auch erklären, warum Frauen länger leben. Denn Putzen ist immer noch eindeutig Frauensache. Ich erinnere mich an weniger als eine Handvoll Werbung, in der ein Mann die Böden wischt, das Klo reinigt oder Wäsche aufhängt und bügelt. Mit den richtigen Produkten ist das ja auch keine richtige Arbeit mehr. Ein paar Sprühstöße in die Wanne, das Klo oder auf den Boden und schon kommt der Glanz fast von allein. Kinderleicht! Apropos Kinder, da fällt mir eine Begebenheit ein, die sich vor fast drei Jahrzehnten zutrug. Meine Schwiegermutter war zu Besuch, als sie miterleben musste, wie ich meinem pubertierenden Sohn einen Lappen in die Hand drückte und ihn aufforderte, den Urin, den er stehenderweise nicht nur in das Toilettenbecken, sondern auch großzügig drumherum verteilte, wegzuwischen. Ich musste mir eine wahre Litanei über das Mutter- und Frausein anhören.  Nun gehörte sie, obwohl in anderen Dingen sehr fortschrittlich, bei diesem Thema einer Generation an, in der Männer mit einem Putzlappen exotische Exemplare waren. Und heute? Meines Erachtens hat sich das zwar etwas gebessert, aber nicht richtig geändert. Meine Söhne putzen ebensoviel wie ihre Frauen. Sie haben die Arbeiten nach Beliebtheitsgrad aufgeteilt. Dinge, die beide nicht mögen, werden abwechselnd abgearbeitet. Eine Sohnfamilie hat für die groben Putzaktionen eine Hilfe eingestellt, was ihnen mehr Zeit für die Kinder und den Garten lässt. Die Mehrheit der Männer aber putzt nur gelegentlich. Manche stellen sich einfach dumm an, was auch eine Art von Intelligenz ist. Es gibt auch Putzlappenallergiker. Ich kenne einen. Besonders feuchte Lappen sind eine Horrorvision für ihn. Nun frage ich mich, ob wir Frauen mit einem besonderen Putzgen geboren werden oder einfach immer noch so dumm sind, diese Angelegenheit als gottgegeben hinzunehmen. Darum empfehle ich Müttern dringend, ihren Söhnen mehr Verantwortung zu übertragen  (Pinkeln im Sitzen dürfte mittlerweile hoffentlich jedes männliche Wesen praktizieren). Nur für den Müll zuständig zu sein, ist eindeutig zu wenig! Vielleicht werden die Männer dann auch glücklicher und leben länger. Wäre doch Stoff für eine neue Studie.

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Gegen das Vergessen

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Die unsichtbare Krankheit

Wenn uns ein Mensch mit einem Gipsverband begegnet, wissen wir sofort, dass er sich einen Arm, ein Bein oder etwas anderes gebrochen hat. Wir fragen dann, wie das geschehen ist und bekunden unser Mitgefühl. Treffen wir einen Menschen mit Schniefnase, der auch unter Hustenanfällen leidet, ist uns sofort klar, dass ihn eine schlimme Erkältung erwischt hat. Gerne geben wir gute Ratschläge und berichten von unseren vielfältigen Hausmittelchen, während wir bemüht sind, uns nicht anzustecken. Doch dann gibt es noch Krankheiten, die wir nicht sofort erkennen. Von einer erfahren wir sehr selten, es sei denn, ein Prominenter ist davon betroffen. Dann wundern wir uns. Denn dieser Prominente war doch stets fröhlich oder eine Sportskanone. Lesen wir dann, dass dieser Mensch sich getötet hat, fragen wir uns, wie es dazu hat kommen können. Eine kurze Zeit ist diese Krankheit im Bewusstsein der Öffentlichkeit, bevor sie wieder in ihrer dunklen Ecke verschwindet. Die Depression hat viele Erscheinungsbilder. Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Desinteresse, Angst, Wut, andauernde Müdigkeit, Abbruch der meisten sozialen Kontakte und Scham. Je nach Grad der Depression sind die Symptome unterschiedlich schwer. Manchmal treten nur eines oder zwei auf. Das sind die leichten Episoden. Der kranke Mensch weiß meistens nichts von seiner Krankheit. Und sehr selten geht er zum Arzt. Bis er schließlich alle Symptome der mittelschweren Depression zeigt. Meistens bricht dieser Mensch plötzlich zusammen. Denn alle Kraft, die er benötigte, um seinen Alltag zu bewältigen, seine Rolle in der Familie und im Beruf gut zu spielen, ist plötzlich aufgebraucht. Schafft er es jetzt, zu einem Arzt zu gehen, hat er die Chance, dass die Depression erkannt und behandelt werden kann. Ist der Grad der schweren Depression, die häufig auch mit Suizidgedanken einhergeht, erreicht, bleibt nur zu hoffen, dass der Kranke Menschen um sich hat, die das erkennen. Denn das große Problem dieser Krankheit ist eben, dass sie nicht immer erkannt wird. Und während die Genesungswünsche bei einem Armbruch oder einer Erkältung gerne entgegengenommen werden, machen die vielen Ratschläge , die sicher alle gut gemeint sind, den Depressiven noch depressiver. Ratschläge wie: Du musst mehr rausgehen, anderen geht es noch schlechter, such dir ein Hobby, geh mal wieder in ein Konzert, draußen scheint die Sonne und du sitzt hier rum, hör auf mit Trübsal blasen, reiß dich mal zusammen und vieles mehr. Aber der depressive Mensch kann diese Ratschläge nicht befolgen. Nicht, weil er es nicht möchte, er kann es einfach nicht. Depression ist behandelbar. Es gibt sehr viele Hilfsangebote. So hat Teresa Enke nach dem Suizid ihres Mannes Robert die Robert-Enke-Stiftung ins Leben gerufen. Es gibt auch eine App mit vielen Informationen. Der erste Schritt aber ist es, diese Krankheit zu erkennen und, wenn die Diagnose gestellt wurde, diese zu akzeptieren und behandeln zu lassen. Achtet auf eure Freunde und Familienmitglieder, wenn sie sich ohne erkennbaren Anlass verändern und sich zurückziehen. Es muss nicht, aber es könnte sich um eine beginnende Depression handeln.

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Genau so

Thomas hat einen Text geschrieben, der vom ersten bis zum letzten Wort meine Gefühle und Gedanken widerspiegelt. https://thomasstieglerblog.wordpress.com/2018/01/14/wir-werden-niemals-auf/ Ich selbst bin im Moment nicht in der Lage, passende Worte für all das zu finden, was mir durch den Kopf geht und was meine Seele schwer macht. Darum nutze ich diese Plattform nur noch selten. Das Schreiben war früher mein Ventil, das Spielen mit Worten bereitete mir Vergnügen. Jetzt strengt mich schon das Lesen an.

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Mörderrevier

Mörderrevier

Gang durch die wiederbereinigte Stadt.
Am Morgen glänzen die Schaufenster
Wie der Reichstag zur Sommerpause.
Auf den Straßen mehr Autos als Menschen.

Der Proletenbaum reicht in die Tiefe
Mit rostigen Wurzeln. Bauzäune klappern
Im Ostwind, der fließend Russisch spricht.
Die Erinnerungen gehen wie Blinde umher.

Hier war es, hier, hier und hier, flüstern
Die Stolpersteine vor jedem zwölften Haus.
Manchmal das dumpfe Gefühl, wir betreten
Achtlos ein altes Mörderrevier.

Dieses Gedicht von Durs Grünbein, dass mich zutiefst beeindruckt und, ja, und auch erschüttert hat, habe ich  im Tagesspiegel Checkpoint gelesen. Veröffentlicht wurde es heute in der FAZ.

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Bücher unterm Weihnachtsbaum

gab es für mich dieses Mal nicht. Auf meinem Tisch stapeln sich noch ungelesene aus dem letzten Jahr. Aber ich habe Bücher verschenkt. The Life Of A Song werde ich mir sicher ausborgen. Gespannt bin ich, ob meine Enkeltochter zur Tagebuchschreiberin wird. Mir gefiel dieses Einschreibebuch „Für meine Gedanken“ sehr gut. Da das Kind sehr gerne liest und auch schon kleine Geschichten schreibt, ist es sicher einen Versuch wert. Sehnsuchtsfluchten ist eine Anthologie für zwei Freundinnen. Nun, da unterstütze ich aber auch meinen Sohn, der eine Kurzgeschichte beigesteuert hat, und die Mitautoren/Miatautorinnen.

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Zum Jahreswechsel oder Geistige Onanie 16:9

Eine Kollegin hat in meinem Blog gestöbert und mir geschrieben, dass ihr der folgende Artkel gut gefiel. Er ist vom Dezember 2010, einer meiner ersten Beiträge. Als ich ihn jetzt las, habe ich festgestellt, dass sich in den vergangenen sieben Jahren wenig verändert hat. Nur eine Sache stimmt nicht mehr: Ich sehe nicht ab und an in die Röhre, mein Fernseher wurde im zu Ende gehenden Jahr nur ein einziges Mal angestellt. Alles, was mich interessiert, lese ich nach oder benutze die Mediatheken auf meinem Tablet. Und nun mein unkorrigierter Artikel aus 2010 mit allen gute Wünschen für 2018 hier auf dieser Plattform und überall.

 

„Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Überall lese ich von guten Vorsätzen für das Neue Jahr. Sollte  auch ich welche haben? Ich rauche nicht, trinke maßvoll Alkohol, neige nicht zur Völlerei. Also was bliebe dann noch?

Vielleicht sollte ich mir vornehmen dumm zu werden? Ein Blogger philosophiert über spirituelle Dummheit. Der Dumme ist glücklich, weil er von seiner Dummheit nichts weiß. Er merkt nicht einmal, wenn er Dummes von sich gibt. Heureka! Das ist es! Dummsein liegt im Trend. Aber Vorsicht! Ich möchte die Dummheit, die ich meine,  an dieser Stelle etwas differenzieren, denn mir geht es  hier nicht um den vom Intellekt her ärmeren Geist. Diesen habe ich oft als ausgesprochen klug erlebt. Wobei wiederum Klugheit in diesem Kontext nicht bedeutet, die Millionenfrage beantworten zu können. Klug zu sein setzt für mich aktives Denken voraus. Und an diesem Punkt scheiden sich die Geister.

Sapere aude? Wer denkt heute noch selber? Wer bildet sich seine Meinung durch den Mut, selbst zu denken? Meinung wird heute gemacht. Man spricht schließlich von „Meinungsbildenden Medien“. Und die Medienlandschaft ist groß. Beliebteste Meinungsschleuder neben der Gazette mit den vier großen roten Buchstaben ist das Fernsehen: Pseudo-Dokus, pseudowissenschaftliche Magazine, Talk-Shows mit nichts sagenden Teilnehmern, Interviews mit vorab eingereichten Fragen, menschenverachtende Castingshows, Reality-Soaps, Stammtischphrasen, geistige Onanie 16:9. Solange Menschen vor dem Bildschirm sitzen, gehen sie nicht auf die Straße. Brot und Spiele, Zucker für den Affen, damit er nicht beißt. Und wenn er mal beißt, kommen Wasserwerfer und Pfefferspray zum Einsatz.

Oh, ich habe nichts gegen Fernsehen, ich schaue auch in die „Röhre“. Nur kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Sender der Mattscheibe anpassen. Je flacher der Bildschirm desto  flacher das Programm. Wie gesagt, auch ich suche Entspannung durch gelegentlichen Fernsehkonsum, Filme, bei denen ich einfach abschalten kann. Die müssen keinen Bildungsauftrag erfüllen. Bei denen möchte ich  lachen können, sie dürfen romantisch sein, spannend, auch gruselig. Suche ich Anregungen, dann sehe ich politisches oder literarisches Kabarett, Infos aus der Region, Nachrichten.

Friedrich Wilhelm Heinrich Alexander von Humboldt: „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derjenigen, die die Welt nicht geschaut haben!“ Aber die Welt wird uns doch jeden Tag 24h lang frei Haus geliefert. Warum sollten wir sie uns noch in der Realität ansehen müssen? Anders als Humboldt meine ich hier mit „Welt“ nicht den ganzen Globus. Wer ist schon in der glücklichen Lage die Welt bereisen, entdecken und begreifen zu können? Aber bei vielen hört die Welt gleich vor der Haustür auf. Was um die Ecke herum geschieht, interessiert nicht mehr. Die Welt ist das, was da in dem Riesenteil an der Wand oder auf dem Multimediamöbel gezeigt wird.

Toleranz, Nächstenliebe, Menschenfreundlichkeit sind Werte, nach denen ich immer leben wollte. Ich glaubte früher, dass dieses Streben allen Menschen eigen sein müsste. Dem ist nicht so, dass weiß ich schon lange. Denn Dummheit, nicht zu verwechseln mit Naivität, macht auch dumpf. Dumpf, egoistisch, gleichgültig! Es gab einmal den Begriff „Herzensbildung“. Diese Bildung suche ich heute oft vergebens. Sie ist zusammen mit den Begriffen Moral, Loyalität, Respekt, Ehrfurcht vor dem Leben, verschwunden. Bildung ist ein kostbares Gut, an ihr darf nicht gespart werden. Sonst hat die Droge im Wohnzimmer auch bald die Jüngsten in ihren Bann gezogen.

Nein, ich werde mir nicht vornehmen dumm zu werden. Solange es mir möglich ist will ich meine grauen Zellen benutzen – es sei denn, Demenz oder Alzheimer nisten sich in meinem Hirn ein – um weiter über den Tellerrand sehen zu können.

Ich habe doch noch einen weiteren Vorsatz gefunden: Ich will mich freuen! Ich will mich daran freuen, meine Enkelkinder aufwachsen zu sehen, solange es die drei Moiren zulassen. Ich will mich meiner Söhne und ihrer Frauen erfreuen, alle kritische Geister, Denker, Querdenker. Ich will mich freuen, dass es meinem Mann gesundheitlich wieder besser geht. Ich will geduldiger werden, gelassener. Ich will keine fruchtlosen Auseinandersetzungen mit ewig Gestrigen mehr führen. Denn das raubt Lebensenergie. Und der Vorrat dieser Energie wird naturgemäß immer kleiner und ist immer schwerer aufzufüllen.

In diesem Sinne:

Adieu2010 – Willkommen  2011!“

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