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Ich bedanke mich bei Ulli, die mit diesem Satz das umgesetzt hat, was ich zu formulieren versucht habe.

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Capturing Iran‘s Past

Ich war gestern mit meinem Enkel im Pergamonmuseum auf der Berliner Museumsinsel. Neben der Antikensammlung, dem Vorderasiatischen Museum und dem Museum für Islamische Kunst, gibt es dort auch immer wieder Sonderausstellungen. Ich hatte mich vorab nicht darüber informiert, sondern wollte meinen Enkel, der seit der Langen Nacht der Museen im letzten Jahr immer wieder davon sprach, noch mehr Museen besuchen zu wollen, mit dem Ischtartor, der Prozessionsstraße von Babylon, der Mshatta-Fassade und dem Marktor von Milet beeindrucken. Den Pergamonaltar konnte ich ihm wegen Bauarbeiten nicht zeigen. Das meistbenutzte Wort von ihm war „atemberaubend“. Im Mshatta-Saal gab es vor den mächtigen Fassadensegmenten einen Teil der Sonderausstellung „Capturing Iran‘s Past. Diese Fotos haben mich sehr beeindruckt. Natürlich fiel auch meinem Enkel auf, dass in der Obstschale etwas liegt, das dort nicht hingehört. Diesen Gegenstand kannte er nicht, hielt ihn zunächst für eine Art Flasche. Ich klärte ihn auf und machte ihn auf die Besonderheiten der beiden anderen Fotos aufmerksam. Er verstand sehr schnell deren Bedeutung und hatte viele Fragen. Da ich, wie oben erwähnt, mich vorab nicht informiert hatte, konnte ich sie ihm nicht alle beantworten. Daher habe ich seinem Papa auch diesen Link geschickt, falls weitere Fragen auftreten. Mein Enkel wollte wissen, woher ich weiß, dass das eine Granate ist. Ob ich das im Internet nachgelesen hätte. Ich weiß tatsächlich nicht, wann ich das erste Mal davon hörte oder las oder es sah. Daher sagte ich ihm, dass das wahrscheinlich so wie jetzt bei ihm war. Irgendwann werden wir mit neuen Dingen konfrontiert und speichern sie auf unserer Festplatte.
Wenn ihr gerade Berlin besucht oder hier lebt, lasst euch die Ausstellung nicht entgehen. Leider endet sie bereits am 26. Januar. Ich werde versuchen, nächste Woche noch einmal hinzugehen.

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Noch eine Jahreskarte

Zum Renteneintrittsalters hatten mir meine Sohnfamilien eine Jahreskarte für die Staatlichen Museen Berlin geschenkt. Zum Geburtstag erfüllten sie mir einen anderen  großen Wunsch: Eine Jahreskarte für den Tierpark. Diese habe ich am Mittwoch abgeholt. Das Wetter war ideal, nicht zu kalt, teils sonnig, teils wolkig. Also schnappte ich mir meinen Fotoapparat, einen Ersatzakku und das Stativ. Es ist ein gutes Gefühl, nicht durch den Park zu hetzen, um möglichst viel zu sehen. Ich habe mir nur einen Teil vorgenommen. Viel Zeit habe ich vor dem Gehege der Sekretäre verbracht.
Die Geduld wurde belohnt



Für Gudrun habe ich Waliser Schwarznasenschafe mitgebracht

Knapp 200 Fotos und ein paar Videos wurden es am Ende. Darunter einige, die mir beim Fotografieren nicht auffielen, bzw von denen ich dachte, dass ich sie zu Hause sicher löschen werde. Erst auf dem große Bildschirm habe ich dann gesehen, dass sie besonders waren. So die geschlossenen Augen des Sekretärs, durch die die beneidenswerten langen Wimpern erst richtig zu sehen sind. Oder der Rote Nachtreiher, der mit seinen Artgenossen die kalte Jahreszeit in einem Haus verbringen muss. Die Scheibe war sehr störend. Dennoch wagte ich einen Versuch und war überrascht, welchen Effekt die Spiegelung verursachte

Nun werde ich hier nicht alle Fotos zeigen, das Jahr ist schließlich noch lang. In der Galerie eine kleine Auswahl

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Ja, ist denn schon Frühling?

Der Blick aus meinen Fenstern zum Innenhof sieht gerade so aus:

Könnt ihr es erkennen? Ich vergrößere mal einen Ausschnitt:

Ja, die Zierkirsche steht in voller Blüte. Und nein, es ist kein Zeichen des Klimawandels oder eines viel zu frühen Frühlings. Diese Kirsche beginnt jedes Jahr im Dezember zu blühen. Es handelt sich schlicht und einfach um einen Fehler in ihrem Hormonhaushalt.

Normalerweise enthalten die überwinternden Knospen fast aller Frühlingsblüher ein Pflanzenhormon, das den Austrieb hemmt. Erst bei anhaltend niedrigen Temperaturen baut es sich ab und verhindert somit, dass die Blüten sich öffnen, bevor die stärksten Fröste vorüber sind. Die Knospen der genannten Sorten enthalten relativ geringe Konzentrationen dieses Hormons. Daher reicht schon ein kurzer Kälteeinbruch mit anschließend wieder mildere Temperaturen, um die Vorblüte auszulösen. Bleibt es mild, blühen die oft auch als Winter- oder Schnee-Kirschen bezeichneten Sorten bis zur Hauptblüte ab Ende März sogar mehr oder weniger durch.

Quelle:https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/kirsche-zierkirsche/winter-kirsche-higan-kirsche

Ihr seht, es gibt eine ganz einfache Erklärung. Ob sie auch für den Winter-Jamin zutrifft, der gerade in einem Garten in unserer Straße blüht, habe ich nicht recherchiert. Ich genieße einfach den Anblick.

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Alte Menschen

werden, wie viele andere auch, in Schubladen gesteckt. Tatterig, faltig, schlechte Erinnerungen und schlechter Geruch. Ein Apothekerin meinte mal zu mir, dass sie im Laufe ihres Berufslebens eine Allergie gegen Wollmützen entwickelt hätte. Ich konnte das nicht verstehen. Bis sie mir erklärte, dass sie damit alte Menschen meinte. Alte Frauen mit Wollmützen. Alte Frauen, die vielleicht umständlich ihre Wünsche erklärten. Alte Frauen, die wertvolle Zeit kosteten. Zeit, die nicht ganz so alte Frauen in Geld umsetzen würden. Zeit für Beratung. Welches Kosmetikprodukt lässt mich jünger aussehen? Welches Anti Aging Präparat verlangsamt meine Alterung? Zeit für diese Kunden bringt Geld. Wenn sie einige Jahre später, sichtlich gealtert, weil all diese Produkte natürlich keine Wirkung zeigten, wieder in die Apotheke kommen, sind sie lästig. Denn sie kommen nur mit Rezepten gegen ihren Bluthochdruck oder ihre Blasenschwäche. Der Verdienst an ihnen ist gleich null. Ich hatte vor vielen Jahren eine Patientin, die zeigte im Wartezimmer jedem ein Foto aus ihrer Jugend. Sie war eine sehr schöne Frau! Aber diese Frau konnte niemand mehr sehen. Niemand machte sich die Mühe, darüber nachzudenken, welche Geschichte diese Frau zu erzählen hätte. Was für ein Leben lag hinter ihr? Das wird uninteressant, sobald ein Mensch in dieser, unserer Gesellschaft, zum alten Eisen abgestempelt wird. In anderen Kulturen werden alte Menschen geehrt, verehrt. Ihr Wissen und ihr Erfahrungen sind Wegweiser für die nachkommenden Generationen.
Vor einigen Tagen entdeckte ich diesen Artikel mit Fotos von Frauen jenseits der 50.
Pedro Oliveira hat die Frauen fotografiert. Sicherlich gibt es auch irgendwo Fotos von alten Männern. Aber deren Leben hört nicht auf ab einem bestimmten Alter. Bei Frauen ist das leider immer noch völlig anders. Mir gefielen diese Fotos und ich dachte sofort an einen Beitrag in meinem Blog. Den habe ich auch geschrieben. Aber es bleibt so ein kleines Unbehagen. Werden nicht auch diese Frauen ein klein bisschen in Schubladen gesteckt? Oliveira fotografiert fast alle leicht bekleidet. Dagegen wäre nichts zu sagen, wenn nicht genau auf diese Art junge Frauen zu Sexsymbolen gemacht werden. Meistens in der Werbung. Ich bin sehr gespalten, was diese Fotos angeht. Der Aussage liegt eindeutig ein positives Motiv zugrunde. Seht genau hin! Wie schön sind diese Frauen! Alter ist relativ! Dem stimme ich zu. Dennoch bleibt ein Unbehagen. So ganz genau kann ich es nicht beschreiben. Ich bin sehr gespannt auf eure Meinung!

 

 

 

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Tulpen im Winter

sind heute nicht mehr ungewöhnlich. Wer des Winters, so es einen gibt, überdrüssig ist, holt sich einen bunten Tulpenstrauß ins Haus. Wem das noch zu früh erscheint, hängt sich Tulpen an die Wand. (Nähen auf Papier)

Doch lieber gleich einen ganzen Frühlingsgarten? Gerne!

Christiane postete gestern Wintergedichte und fragte, wie es bei uns mit Schnee aussieht. In Berlin ist weit und breit kein Schnee in Sicht. Dafür werden 13° vorausgesagt. Für alle, die den Winter vermissen, hier mein Winterquilt, der auch dieses Jahr, sehr zum Missfallen meines winterhassenden Ehemannes, über dem Sofa hängt.




Ach ja, die Puppe habe ich auch genäht. Sie heißt Frieda. Ich hoffte immer, eines meiner vier Enkelkinder würde Puppenmama oder Puppenpapa werden. Aber das ist nicht der Fall. So habe ich alle Puppennähutensilien dem Nähatelier im Hort meiner großen Enkeltochter geschenkt.

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Schneckenparade im Tierpark

Gestern war meine Familie zu Kaffee und Kuchen bei uns. Alle vier Enkel lieben Biskuitrollen. Ich muss gestehen, dass ich die nicht selber backe. Wir mögen die aus der Tiefkühlung, nicht ganz aufgetaut, sondern innen noch ein bisschen gefroren. Ist ein bisschen so wie Eistorte. Diese Rollen wollte ich etwas aufpeppen. Zuerst bekamen die Miniküsse Augen, aufgeklebt mit Zuckerglasur. Die musste dann trocknen. Anschließend wurden die Mikadofühler eingesetzt. Ankleben ging nicht. Also habe ich vorsichtig kleine Löcher in die Schokohülle gebohrt. Der Rest erklärt sich von selbst.

Die Sohnfamilien haben mir einen großen Wunsch erfüllt: Eine Jahreskarte für den Tierpark. Den Gutschein dafür werde ich am Mittwoch einlösen. Das Wetter soll heiter bis wolkig werden und nicht zu kalt. Ideal zum Frischlufttanken nach halbwegs überstandenem Infekt. Und ein interessantes Buch gab es auch dazu. Das geteilte Berlin hatte ja zwei Einrichtungen. Im Westen den Zoo, im Osten den Tierpark. Und natürlich wurden beide auch politisch instrumentalisiert. Mein Favorit ist der Tierpark. Der Park im Wort hat seine Berechtigung. Denn er ist so groß, dass man sich einen ganzen Tag dort aufhalten kann und immer noch nicht alles gesehen hat.

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Uris, Kunst und Wein

Damit sind die Geschenke bereits aufgezählt. Die Sohnfamilien sind voll berufstätig und kommen erst am Sonntag zu Kaffee und Kuchen. So habe ich auch noch etwas mehr Zeit,  um die leidige Erkältung nach nun fast vier Wochen endlich loszuwerden.
Seit ich nur noch einmal in der Woche in die Praxis gehe, und das auch erst ab mittags, schlafen wir länger. Also ich bin zwar immer so gegen acht Uhr wach, döse dann aber noch vor mich hin oder lese oder spiele ein Spielchen auf dem Smartphone. Eine halbe Stunde später aber kann ich nicht mehr liegen. Dann stehe ich auf, gehe ins Bad, mache mich fertig und bereite das Frühstück vor. Spätestens wenn der Kaffeeduft durch die Wohnung zieht, höre ich die ersten Regungen aus dem Zimmer meines Mannes. Gestern war er aber schon kurz vor mir auf und hat im Wohnzimmer (fragt ihr euch auch manchmal, warum dieses Zimmer so heißt?) meinen Geburtstagstisch vorbereitet. Ein großer Strauß bunter Tulpen

gehörte, wie jedes Jahr, dazu. Eine gute Flasche Wein ebenfalls. Und dann das hier:


Ein Memoryspiel, klar. Aber welche Motive waren das? Mein Sohn hat von seiner Frau und den Kindern Zu Weihnachten  ein sehr hochwertiges Memory aus Familienfotos geschenkt bekommen. Ob mein Mann sich mit ihm kurzgeschlossen hatte? Aber so schnell wäre das sicher nicht gegangen. Alleine die perfekte Auswahl zu treffen, hätte sicher eine gewisse Zeit gedauert. Neugierig drehte ich die Plättchen um:


Aha! Meisterwerke der Kunst. Eine tolle Idee! Bis auf zwei Bilder konnte ich alle Werke benennen und die Maler zuordnen. Bei Monet habe ich mich vertan. Ich dachte, es wäre die Japanische Brücke. Aber laut Beschreibung ist es Der Seerosenteich von 1899. Bei den vielen Seerosenmotiven kann ja mal eine Verwechslung vorkommen.

Vor etlichen Wochen war wieder einmal die Unmenschlichkeit gegenüber den Flüchtlingen bei uns Thema. Und mir fiel ein Buch ein, das ich als junges Mädchen gelesen habe und das mich, so jung und unerfahren ich eben noch war, zutiefst berührt hatte. Es war Exodus von Leon Uris. Ich wollte es unbedingt noch einmal lesen und es bei unserem Buchhändler bestellen. Aber irgendwie geriet es wieder in Vergessenheit. Mein Mann hat es sich allerdings gemerkt. Und so lag dieser Wälzer gestern früh auch auf dem Gabentisch.

Wenn ihr also eine Weile nichts von mir hören solltet, sorgt euch nicht (das ist nur eine Floskel, man wird selten vermisst), ich stecke dann irgendwo in den 844 Seiten.

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Wie das Leben so spielt

Es war einmal vor sehr vielen Jahren ein Baby, das wurde genau zum Herbstanfang in diese Welt geboren. Einige Jahre war es alleine mit seinen Eltern und wuchs trotz des sehr strengen Vaters zu einem fröhlichen jungen Mädchen heran. Als es neun Jahre alt war, wurde ihm ein Bruder geboren, ein weiteres Jahr später eine Schwester. Die Zeiten waren keine guten. Es herrschte Krieg. Das Mädchen ging zwar zur Schule, konnte aber nicht richtig lernen, da sie sich um die kleinen Geschwister kümmern musste. Wenn die Sirenen die nahenden Bomber ankündigten, rannte sie mit den Eltern und den Kleinen in den nächsten Luftschutzbunker. Was in diesen schrecklichen Jahren genau passierte, wusste sie nicht. Auch später sprach sie nie von Politik. Aber sie erzählte, wie schrecklich diese Zeit war. Sie musste viel Leid und Tod sehen. Irgendwann war auch dieser Krieg vorbei.

Das Mädchen wurde eine junge Frau. Sie schminkte sich, wenn sie das Haus verlassen hatte, in einem fremden Hausflur. Sie rauchte heimlich Zigaretten. Sie flirtete. Sie wollte endlich leben. Frisörin hätte sie werden können. Aber ein Mann verdrehte ihr den Kopf. Sie schmiss die Lehre und heiratete. Ein Kind wollte sie haben. Aber ihr Mann mochte die Verantwortung dafür nicht tragen. Sie wurde trotzdem schwanger. Er würde sich schon freuen, dachte sie. Als er ging, brach ihre Welt erneut zusammen. Auf das Kind freute sie sich dennoch sehr. Ihr Wunschkind wurde eine Tochter. Ein Winterkind. Ihre Mutter und eine Tante kümmerten sich um das Baby. Sie musste Geld verdienen. Ihr Vater war vor Jahren gestorben. Die Mutter hatte einen neuen Mann. Einen lieben Mann. Ihre kleine Tochter liebte den Opa.

Die Frau lernte einen Mann kennen. Einen stillen, fleißigen. Einen Arbeiter. Sie heirateten. Als die Wunschtochter drei Jahre war, wurde der erste Bruder geboren, ein Jahr später der zweite. In der ersten Klasse wurde die Tochter sehr krank. Sie war lange von zu Hause fort. Sie musste in die Berge fahren um wieder ganz gesund zu werden. Die Frau konnte ihre Tochter nicht besuchen. Sie hat so sehr darunter gelitten. Aber der Opa fuhr den weiten Weg mit dem Zug zu dem Mädchen.

Einige Jahre später bekam die Frau noch einen Sohn, einen Nachzügler. Sie wurde schwer krank. Die Kinder lebten einige Zeit getrennt bei Verwandten. Die Frau veränderte sich. Sie wollte so gerne ein schönes Familienleben leben. Aber es fehlte immer am Geld. Sie stritt sich oft mit dem Mann. Immer öfter. Laut. Der Mann schwieg die meiste Zeit. Er sammelte seine Wut. Und plötzlich explodierte er. Unerwartet. Dann schlug er die Kinder, wenn sie nicht da war. Aber das kam nicht oft vor. Trotzdem tat es weh. Auch der Frau rutschte die Hand aus. Wenn sie wieder Schmerzen hatte. Wenn sie ungeduldig wurde. Ihre Tochter wurde immer schwieriger. Ein Sohn machte nur Unfug.

Die Jahre vergingen. Als die Kinder erwachsen waren, trennte sich die Frau von ihrem Mann. Sie lernte einen anderen kennen. Einen lustigen. Einen, der sich um sie bemühte. Der sie wieder aufblühen ließ. Während ihre Kinder eigene Wege gingen, fand auch sie einen neuen Anfang. Es folgten schöne, intensive Jahre. Sie verreiste mit ihm. Verbrachte Monate auf einem Campingplatz mit diesem Mann. Sie hatte wieder Spaß am Leben. Doch der Mann starb. Und mit ihm starb etwas in ihr.

Sie war plötzlich alleine. Musste sich wieder neu einrichten im Leben. Dann wurde ein Sohn krank und ein anderer Sohn starb.  Ein Sohn war vor vielen Jahren weg gezogen aus der Stadt. Die Wunschtochter hatte selber Kinder und lebte das Leben, das sie sich doch so sehr gewünscht hatte. Nur der jüngste Sohn verließ sie nie. Er wohnte immer in der Nähe. Hatte immer Zeit für sie. Doch dann zog er weit fort. Weil es seiner Gesundheit gut tat.

Die Frau flog oft zu ihm. Sie liebte das Land, in dem er jetzt lebte. Sie liebte die Wochen mit dem Sohn. Und sie liebte es, ihn zu bemuttern. Für ihn zu kochen. Er gab ihr das Gefühl, gebraucht zu werden.

Die Frau lebte alleine. Sie hatte einen Garten, der ihr viel bedeutete. Jede freie Minute nutze sie für ihre Blumen und ihren Rasen. Dann saß sie im Gartenstuhl, rauchte eine Zigarette und war zufrieden. Mit ihrer Tochter spielte sie gerne. Scrabble und Kartenspiele.  Sie war pfiffig. Aber sie zankte auch. Denn die Tochter konnte es ihr oft nicht Recht machen, hatte zu wenig Zeit.

Dann starb die Frau. Ganz plötzlich. War einfach weg. Und die Tochter räumt mit ihren Brüdern die Wohnung aus. Sie sind traurig. Und müssen doch oft lachen. Sie sehen sich die alten Fotos an. Eigentlich hatten wir eine schöne Kindheit, werden sie sagen. Wir hatten doch viel Spaß. Und sind immer verreist. Weißt du noch und sieh mal hier und das war vielleicht was und wie hast du denn da ausgesehen?. Und dann finden sie ganz alte Fotos. Sie können es zuerst nicht glauben. Aber doch! Diese junge Frau, die da so lacht und ausgelassen Silvester feiert, ist wirklich ihre Mutter. Eine Frau, lebenshungrig und voller Zukunftspläne.

Ich, ihre Wunschtochter, hätte diese Frau, die dort zwischen den Freundinnen auf das neue Jahr wartet und die mich  heute vor vielen Jahrzehnten zurWelt brachte,  gerne kennengelernt.

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Modern Family & Co.

Es gibt nur zwei Newsletter, die ich per Mail abonniert habe, das vom ZEITmagazin gehört dazu. Zum Jahresende wurde ich etwas nervös, denn es war nichts mehr im Postfach. Manchmal ist GMX ja etwas paranoid und verschiebt von heute auf morgen Mails in den Spamordner. Aber der Spamreport meines Mailprogramms zeigte nichts verdächtiges. Am Montag  war er wieder da und mit ihm ein interessanter  Beitrag, der mein Gewissen erleichterte.

„Hurra, hurra, Ihr Newsletter ist wieder da! Sie finden diesen Jubel etwas zu selbstbezogen? In der topseriösen New York Times haben wir heute den Ratgeber „Acht Wege, wie Sie 2020 freundlicher zu sich selbst sein können“ gelesen, und einer dieser acht empfohlenen Wege ist: “Lernen Sie, ein Kompliment anzunehmen – selbst wenn Sie es sich selbst gemacht haben.“ Überhaupt wartet der Ratgeber mit wertvollen Tipps auf. Man soll auch seine guilty pleasuresgenießen: Trash-TV-Serien, Filme, die eigentlich ziemlich schlecht sind, peinliche Lieblingssongs – all das sollen wir auskosten, empfehlen gleich mehrere Ärzte, weil sie uns dabei helfen, in der Freizeit leichter abzuschalten. Man solle es mit den guilty pleasures nur nicht „übertreiben. Für die Qualitätsempfehlungen haben Sie ja uns. In diesem Sinne: Fröhliche Zwanziger!“

Was daran nun mein Gewissen erleichtert hat? Nun ja, ich sehe gerne Serien im Stream. Nicht nur Dokus und den Geist und das Bewusstsein erweiternde Filme.  Nein, ich sehe auch sehr gerne leichte Unterhaltung. Eine meiner absoluten Lieblingsserien ist „Modern Family“. Einfach köstlich! Und ja, manchmal vergesse ich die Zeit, während einer spannenden Serie.

Hier ist der Link zu dem Ratgeber der New York Times

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Etüden

 

 

Also ich weiß nicht, ob ich  das jetzt richtig mache. Bei Ulli habe ich heute über Etüden von Christiane gelesen. Früher habe ich gerne beim Wortbeflügler geschrieben. Ist das hier so ähnlich? Etwas anders ist es schon. Während der Wortbeflügler Texte begann, die man weiterschreiben sollte, oder Bilder als Textvorlage postete, so sind es hier drei Wörter, die in einen Text eingebunden werden sollen. So etwas mag ich! Also würde ich es gerne versuchen.


Skiurlaub
? Was sollte das sein? Was Urlaub war, wusste sie. Eine Woche im Jahr hatte sie frei. Ihre Herrschaften fuhren dann immer nach Wien zum großen Bankett. Sie überlegte weiter. Skier hatte sie, natürlich. Schon als Kind musste sie auf diesen mickrigen Holzteilen zu ihrem Großvater  fahren. Wenn im Winter der Schnee fensterhoch lag und er den Kamin nicht mehr selbst befeuern konnte, musste sie ihm helfen. „Kind, hol noch mehr Holz!“, bellte er von seiner Küchenbank aus. Kommandieren konnte er gut. Im Krieg musste er Befehlen gehorchen. Jetzt drehte er den Spieß um. „Nur das trockene, du dummes Ding. Wozu bist du überhaupt  zu gebrauchen? So ein Jammer, dass mein Sohn dieses Hurenweib geheiratet hat. Nicht mal einen Sohn hat sie ihm geschenkt. Weiber!“. Der Großvater war schon lange tot. Getrauert hat sie nicht um ihn. Ihre Herrschaften waren gut zu ihr. Sie hatte eine warme Kammer, immer reichlich zu essen und saubere Kleidung. Aber Urlaub und Skier konnte sie einfach nicht miteinander in Verbindung bringen. Skier erinnerten sie an Armut und Kaltherzigkeit. Sie waren zweckgebunden. Urlaub bedeutete, in ihrer warmen Kammer bleiben zu können. Sie durfte die Zeit vergessen und den  Urlaub  in fernen Ländern verbringen. Sie fühlte die Sonne auf ihrer Hut, schmeckte exotische Speisen, bebte vor Leidenschaft, liebte und trauerte. Die Bücher aus der Bibliothek ihrer Herrschaft waren ihr wahrer Urlaub.

 

226 Wörter

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Schreien

Ich bin des Winters Leidenschaftslosigkeit so leid. Dieses graue Allerweltsgesicht. Nicht mal weiße Haare. Nur aschgraues Gehängsel und triefende Nase. Überall Horrornachrichten. Die Schreie der verbrennenden Tiere verfolgen mich. Krefeld, Australien. 30 oder Hunderte Millionen. Alle schreien sie. Zum Himmel schreiend. Ich träume von ihnen. Erwache schweißgebadet. Will keine Nachrichten mehr hören. Feuer, Kriege. Und lese sie doch. Himmelslaternenverkäufer, die in Gedenken an die 30 verbrannten Affen damit werben, dass jeder 30 Himmelslaternen steigen lassen soll. Gehts noch? Ein Premierminister, dem die Kohle wichtiger ist als Menschen und Tiere. Ein Präsident, der einen Krieg in Kauf nimmt. Ihn provoziert. Halbgare Schüler, die aus Lust oder Frust Türen ihrer Schule eintreten (eben gehört von einer Lehrerin). Ich bin es so leid! Eigentlich wollte ich etwas lustigeres schreiben. Über Leidenschaft. Und bin doch beim Leid hängengeblieben.

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Auf der anderen Seite

Erinnert ihr euch? Wie ihr als Kinder fasziniert von Spiegeln gewesen seid? Bei meiner Oma befand sich ein großer Spiegel im Flur. Wenn ich am Küchentisch saß, konnte ich mich sehen. Unzählige Male ermahnte mich die Oma: „Guck nicht immer in den Spiegel. Du wirst hässlich davon!“ Aber ich musste immer wieder gucken. Das ging einfach nicht anders. Machte das Spiegelbild genau das, was ich vormachte? Wurde ich hässlich? Wenn ich mein Spiegelbild drehen würde, wäre mein rechter Arm plötzlich links. Das erschien mir unlogisch. Ich wurde nicht hässlich. Ganz im Gegenteil. Aus mir wurde ein sehr hübsches Mädchen. Männer sagten mir, wie schön ich wäre. Nur konnte ich das nie glauben.  Fotos bestätigen heute die Aussagen dieser Männer.  Aber sie sahen nur das Äußere. Die großen Augen, die schlanke Figur, die Versuchung. Aber ich habe immer mehr gesehen. Schon als Kind im Spiegel meiner Oma.


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