1.Dezember

Der letzte Monat des Jahres hat heute begonnen, der erste Advent ist auch schon vorüber. Ich wollte nicht mit einstimmen in das allgemeine Gejammer über dieses merkwürdige Jahr. Und nun werde ich meine Gedanken und Gefühle hier doch noch in Worte fassen. Ausschlaggebend war die Diskussion unter meinen Kolleginnen und den Chefs, ob die Weihnachtsfeier stattfinden kann und darf. So, wie sie geplant war, war das nicht mehr möglich. Schließlich ging es nur noch darum, ob sie sich zum Essen in der Praxis treffen sollten. Zum Schluss siegte die Vernunft und alles wurde abgeblasen. Neun Monate konsequent mit Maske arbeiten, den ganzen Betriebsablauf umkrempeln, den vor Corona schon hohen Hygienestandard nochmals verschärfen- und dann in großer Runde ohne Maske zusammensitzen? Dadurch aufs Spiel setzen, was wir erreicht bzw vermieden haben? Vermutlich spiegelt sich hier genau das wider, was auch in vielen Familien für reichlich Gesprächsstoff sorgt. In unserer Familie ist die Entscheidung gefallen, unabhängig davon, dass in Berlin als Corona-Hotspot die Regeln für die Weihnachtsfeierei nicht gelockert werden, nicht gemeinsam zu feiern. Jede Familie bleibt unter sich. Wir müssen nur noch Zeiten für die virtuellen Treffen vereinbaren. Bin ich traurig? Ja, natürlich! Ich habe meine Kinder und Enkel das letzte Mal im Sommer „live“ gesehen. Sie fehlen mir schon sehr! Dennoch jammere ich nicht herum, wie schlimm das doch alles ist. Es gab und gibt schlimmeres! Ich muss jetzt oft daran denken, wie es wohl gewesen sein muss, als die Mauer gebaut wurde. Als Familien auseinandergerissen wurden. Wir alle kennen die Bilder von winkenden und weinenden Menschen diesseits und jenseits des Stacheldrahts, fest verankert in unserem kollektiven Gedächtnis. Niemand wusste, wann er seine Kinder, seinen Partner, die Eltern oder Großeltern wiedersehen würde. Es gab keine Möglichkeit der Kommunikation außer Briefe zu schreiben. Was ist dagegen schon ein Weihnachtsfest, das anders gefeiert werden muss als in den Jahren davor? Schenken wir uns doch Solidarität, Rücksichtsnahme und besonnenes Handeln, damit sich nicht andere schreckliche Bilder in unser Gedächtnis einbrennen müssen. In Berlin steht die zweite Ampel auf Rot, die, die anzeigt, dass  die Anzahl der Intensivbetten in den Krankenhäusern den kritischen Höchstwert erreicht hat.

Für mich persönlich steht die Adventszeit in diesem Jahr, mehr als in allen Jahren davor, im Zeichen der Hoffnung. Und manchmal, wenn auch nur kurz, empfinde ich einen tiefen Frieden. Angst, Wut und Traurigkeit treten dann in den Hintergrund.  Ich genieße das nachmittägliche Teetrinken mit meinem Mann. Wir essen Lebkuchen (ein Sohn hat uns ein großes Schmidt-Paket mit verschiedenen Lebkuchensorten geschickt), hören klassische Musik und zünden die Kerzen der kleinen Weihnachtspyramide und des Adventsgestecks an. Nach einigen Jahren mit Adventskränzen habe ich für diesen Advent unser Palmblatt aus dem Keller geholt. Mein Mann hat sich durch unser Fotoarchiv gearbeitet und herausgefunden, dass wir das Gesteck vor genau 15 Jahren gekauft haben.

Ich habe nur sehr wenig geschmückt. An der Wohnungstür hängt ein Kranz, ebenso an der Tür des Wohnzimmers. Mein Adventsquilt schmückt wieder die Wand über dem Sofa und wir haben uns einen schönen Schwibbogen aus dem Erzgebirge geleistet, der am Küchenfenster steht. Ach ja, meine großen Filethäkelsterne habe ich auch wieder hervorgeholt.

Ich wünsche euch allen eine Adventszeit, die vielleicht anders, aber dennoch nicht weniger schön sein möge.

Dieser Beitrag wurde unter Corona abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu 1.Dezember

  1. Es ist sehr gemütlich bei Euch – genießt die Advents- und Weihnachtszeit, auch wenn sie tatsächlich wesentlich anders ist als bisher gewohnt. Mit schlechtem Gewissen Weihnachten im großen Kreis feiern liegt uns nicht, die Vernunft wird siegen.
    Ihr macht es genau richtig: Das Positive erkennen und das Beste daraus machen. Eines ist wohl sicher: Dieses besondere Weihnachtsfest wird niemand von uns je vergessen ;-).
    Liebe Grüße, Birthe

    Gefällt 1 Person

  2. quiltfru schreibt:

    Du hast mir so richtig schön aus dem Herzen gesprochen. Ich muss nicht immer an den Mauerbau denken, aber wann immer ich maulende Eltern und Kinder sehe und höre, wegen der Masken etc., dann muss ich immer an meine Eltern/Großeltern denken, die jeden Abend in den Luftschutzbunker mussten. Oder an die vielen Menschen, die kein Essen, kein Dach über dem Kopf, kein Gar-Nichts haben, da ist das Weihnachten mal zu Zweit (ungewohnt vielleicht) doch „peanuts“. Und abgesehen davon: Maria und Josef hatten bei der Geburt des Christkindes auch keine Großeltern dabei. Aber alles das, was das Christentum eigentlich predigt, wird in dieser egozentrischen Zeit total vergessen. Da müssen wir nicht so weit gucken, unsere Politiker machen es uns vor. Ich wünsche Dir und Deinem Mann eine schöne Vorweihnachtszeit mit ganz viel Lebkuchen und Co. , Birgitt

    Gefällt 1 Person

    • Elvira schreibt:

      Ja, auch du sprichst mir aus dem Herzen. An Kriegs- und Nachkriegsweihnachten habe ich auch gedacht. Mein Mann ist ja etliches älter als ich und wäre, hätte eine Bäuerin die ihm als Baby zugedachte Wassermilch nicht gegen leicht verdünnte Kuhmilch getauscht, mit Sicherheit gestorben. Meine Schwiegermutter, eine Spätgebärende, war der Bäuerin zutiefst dankbar. Ein Todesfall infolge einer Coronainfektion ist mittlerweile im Freundeskreis eines meiner Söhne angekommen. Ich bin so dankbar, dass die Söhne und ihre Frauen so sorgsam handeln.
      Liebe Grüße,
      Elvira

      Gefällt 1 Person

      • quiltfru schreibt:

        Ich wünschte, sie würden den Personenlockdaown , nicht mehr als 2, sofort machen. Das muss doch bundesweit möglich sein. Alles Anderen kann danach folgen. So werden alle „Idioten“ noch sagen, „lass uns feiern, ab Dienstag ist Schluss“ und dann sehen wir genauso alt aus. Bleib bloß gesund!

        Liken

        • Elvira schreibt:

          Wir haben schon lange alles runtergefahren. Im November wollte ich mir mal etwas Farbe im Haar gönnen, habe es dann aber doch beim Schneiden gelassen. Zum einen wollte ich so wenig Zeit wie nötig beim Frisör verbringen, zum anderen sehen meine Haare schon interessant aus, viel Dunkel mit weißen Strähnen durchsetzt. Fast wie beim Frisör bestellt. Mein Mann hätte auch einen Haarschnitt nötig, aber er macht keinen Termin aus und lässt auch mich nicht an seinen Kopf. Außer-Haus-Aktivitäten sind nur das notwendige Einkaufen im Supermarkt. Obwohl ich unseren Großeinkauf liefern lassen wollte, mussten wir das doch selber erledigen, da es in diesem Jahr bei Rewe keine Liefertermine mehr gab.
          Du siehst, wir bemühen uns! Bleibt auch ihr gesund und munter!
          Liebe Grüße,
          Elvira

          Gefällt 1 Person

          • quiltfru schreibt:

            Habe lange nicht mehr hier hereingeschaut. Schön zu lesen, dass es auch noch vernünftige Menschen gibt. Bei uns ist es ganz genau so. Bleib weiterhin gesund und munter, Birgitt

            Gefällt 1 Person

  3. Liebe Birgitt,
    genau so ist es ! Jammern bringt ohnehin nichts, aber hoffen wir dennoch alle, dass der Spuk bald vorbei ist !
    Morgen fange ich tatsächlich mit der Weihnachtsbäckerei an… nicht so viel wie sonst, aber irgendwie sind sie dann plötzlich doch alle leer ;-).
    Herzliche Abendgrüße, Birthe

    Gefällt 1 Person

  4. Der Emil schreibt:

    Ach, wie schön es bei Euch geworden ist.

    Neben all den Figürchen und Lichtdingern ist weihnachten bei mir heuer noch mehr im Herzen und in der Seele als sonst …

    Liken

    • Elvira schreibt:

      Ich schwanke gerade zwischen „Weihnachten? Lässt mich kalt!“ und „Weihnachten? Bei dem Gedanken wird mir richtig warm!“. Ein innerer Kampf, der wohl in mehrere Runden geht.
      Liebe Grüße,
      Elvira

      Liken

  5. wildgans schreibt:

    Beinahe zu Tränen gerührt war ich, als ich von dem Lebkuchenpaket las!!! Wie schön.
    Gruß von Sonja

    Liken

    • Elvira schreibt:

      Wir haben uns immer mit beiden Sohnfamilien an einem Adventssonntag bei uns getroffen, da Heiligabend und die Feiertage, seit zwei weitere Großelternpaare dazugekommen sind, nicht mehr bei uns stattfinden. Das fällt nun in diesem Jahr aus. Da ich auch keinerlei Lust verspürte, nur für meinen Mann und mich zu backen, kam das Lebkuchenpaket genau richtig. Sohn 2, die Schwiegereltern von Sohn 1 und der Bruder seiner Frau wurden ebenfalls beglückt. In einem Einkaufszentrum in unserer Nähe gab es seit einigen Jahren einen Stand dieser Lebkuchenfirma. Dort wurde auch Bruch verkauft. Das waren keine Bruchstücke, wie ich es zunächst annahm, sondern richtige Lebkuchen mit kleinen Schönheitsfehlern, die mir nie aufgefallen wären. Diesen Bruch konnte ich mir immer leisten. Leider gibt es den Stand in diesem Jahr leider nicht. Aber jetzt sind wir bis Weihnachten gut versorgt.
      Liebe Grüße,
      Elvira

      Gefällt 1 Person

Ich lese gerne Deine Meinung dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.