Homosexuell! Na, und?

Einer meinen beiden besten Freunde stellte die Frage:

Wie lange kann es noch dauern, bis solche Meldungen nicht mehr die „Nr.1“ in den Nachrichten sind, weil es einfach normal ist?

Ich persönlich glaube, dass es noch lange dauern wird. Aber vielleicht irre ich mich auch. Vor guten 25 Jahren stand ich mit meinem Mann und unseren Söhnen auf der Rudower Höhe. Vor uns erstreckte sich die innerdeutsche Grenze. Zum Greifen nahe. Mein Mann meinte, dass er und ich es wohl nicht mehr erleben würden, dass diese Grenze fällt. Ein halbes Jahr später bröckelte die Mauer und fiel. Dass Homosexualität kein Thema mehr sein wird, weil es einfach uninteressant ist, welche sexuelle Ausrichtung ein Mensch hat, werde ich aber sicher nicht mehr erleben dürfen. Aber ich hoffe und wünsche, dass dieser Tag kommen wird.

Der Kommentar von Esther Scharia

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12 Antworten zu Homosexuell! Na, und?

  1. Christiane schreibt:

    Ich frage mich auch immer, warum man die sexuelle Orientierung in die Nachrichten bringen muss. Ich frage mich da immer „wen interessiert das?“ Weil mir selbst das so egal ist. Mit meinen Freunden und Bekannten rede ich über alles mögliche, aber nicht unbedingt, mit wem sie Sex haben, weil das einfach unwichtig ist für mich. Warum sollte ich mich dafür interessieren, mit wem irgendeine bekannte Person Sex hat? (Wobei ich zugeben muss, dass ich die meisten „bekannten Personen“ gar nicht kenne, weil ich keinen Fernseher habe, nicht fußballbegeistert bin und aus dem Popstar-Anhimmel-Alter raus bin).

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    • gerritjanappel schreibt:

      Der Punkt ist doch, dass es eben nicht nur darum geht, wer mit wem ins Bett geht. In unserer sexualisierten Gesellschaft, wo es viel um Körperkult und die damit verbundene aphrodisierende Wirkung geht, wird immer noch gerne unterstellt, dass es bei Homo- aber auch bei Heterosexualität ausschließlich um den Geschlechtsakt geht.

      Dabei geht es doch um viel mehr. Es geht auch darum, welchem Geschlecht man zugetan ist, wenn es um das Gefühl von Liebe, Geborgenheit geht und für welchen Partner man notfalls mit seinem eigenen Leben einstehen möchte, mit wem man sein Familienleben gestalten möchte. Kein Ehepaar – weder homo- noch heterosexuell – macht öffentlich, was bei ihnen hinter den Schlafzimmertüren abgeht. Aber über den Ehering, den gemeinsamen Ehenamen, das gemeinsame Girokonto, das Entscheidungsrecht über medizinische Maßnahmen im Notfall wird gezeigt: Wir gehören zusammen.

      Darüber hinaus steht Herr Hitzlsperger für einen Beruf, der als besonders männlich gilt. Nur wird Homosexuellen sehr häufig die Männlichkeit abgesprochen. Insofern finde ich die Diskussion um ihn sehr gut, um zu der Aufklärung beizutragen, dass nicht jeder Homosexuelle ein Abziehbild von Albin/Zaza aus „La Cage aux folles“ ist. Kaum ein Beruf steht so sehr im öffentlichen Fokus wie der Profifußball. Wenn aus dieser Position heraus die Aufklärung in andere „männliche“, aber weniger in der Öffentlichkeit stehende Berufe getragen werden kann, könnten bspw. auch Bauarbeiter, Bergmänner, Trucker etc. es künftig leichter haben, sich nicht vor ihrer Umwelt verstecken zu müssen.

      Leider ist – wie ich bereits in einem anderen Blog kommentierte – die Aufklärung in unserer so genannten zivilisierten Welt hoffnungslos rückständig, wodurch die o. g. Aspekte jedoch nicht so bekannt sind, wie sie es eigentlich sein müssten. Es gibt viel zu sagen zu dem Thema, viel ins rechte Licht zu rücken, viel aufzuklären. Da der so genannte Otto Normalverbraucher jedoch meist nur im kleinen Mikrokosmos seiner eigenen Familie wirken kann, sind bekanntere Menschen notwendig, um diese Aufklärung umfassend betreiben zu können. Genau darum bedarf es mutiger Menschen wie Herrn Hitzlsperger, die einfach eine etwas lautere Stimme haben.

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  2. Franka schreibt:

    DAS habe ich auch gleich gedacht. Erst, wenn solche Nachrichten nicht mehr so aufgebauscht und als Sensation dargestellt werden, tritt Normalität ein. Aber vielleicht muss der Weg dorthin so aussehen, dass sich bekannte Leute ‚outen‘?
    Es kommt drauf an, was du unter ‚lange‘ verstehst. In ‚unserer‘ Generation fällt einigen das Umdenken arg schwer. Die Generation unserer Kinder ist da teilweise schon viel weiter. Meine Söhne haben ganz selbstverständlich Freunde und Freundinnen aus anderen Ländern, auch Türken und Homosexualität ist kein Thema. Aber vielleicht ist das in einigen Kreisen anders … Da hilft es vielleicht tatsächlich, dass sich ein bekannter Fußballspieler outet (womit wir wieder beim Anfang wären).

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    • Elvira schreibt:

      Meine beiden besten Freunde sind homosexuell, einer meiner Brüder auch. Dadurch wurde es für mich zum Thema, was es ansonsten nicht wäre. Denn ich erlebe hautnah, was es für sie bedeutet. In Berlin nehmen die Übergriffe auf homosexuelle Männer (und neuerdings auch Frauen) zu. Die Täter sind überwiegend Jugendliche. Und das Schimpfwort „Du schwule Sau“ höre ich regelmäßig in den U- und S-Bahnen. Ich glaube, dass es noch ein langer Weg bis zur Normalität sein wird.

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      • Franka schreibt:

        Wie schlimm! Dann sind das wohl verschiedene Welten und ich sehe alles zu rosig 😉

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        • Elvira schreibt:

          Das würde ich nicht sagen. Ich bin da einfach eingebunden und bekomme dadurch so einige unschöne Sachen eher mit. Vieles hat sich aber auch positiv verändert. Wurden früher schwule Söhne nach ihrem „Bekenntnis“ oft aus der Familie ausgestoßen (besonders schlimm traf es die HIV-Infizierten), so ist die Toleranz in den Familien tatsächlich gewachsen. Das war ein Punkt, der mich besonders traf. Er erinnerte mich an die vielfachen Rauswürfe junger schwangerer Töchter. Das habe ich nie verstanden. In Momenten, in denen die Kinder ganz besondere Fürsorge und Verständnis brauchten, wurden (und werden sie zum Teil immer noch) verstoßen.

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          • Franka schreibt:

            Das ist mir auch ein Rätsel und es klingt herzlos. –
            Ich glaube, besonders Väter haben Probleme mit ihren schwulen Söhnen, was man mir so erzählt hat.

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  3. Ulli schreibt:

    da ja vieles eher rückläufig ist, stimme ich dir in deiner Einschätzung zu, wir werden es wohl nicht mehr erleben …
    etwas anderes fällt mir auch immer wieder auf, wenn von Politikerinnen die Rede ist, wird auch immer, wie nebenbei, ihre Attraktivität, ihr Aussehen kommentiert, bei Politikern aber nicht, auch hier wünsche ich mir eine Änderung, denn so, wie es mir egal ist, wer mit wem Sex hat (Pädophilie ausgenommen), so ist mir bei PolitikerInnen das Aussehen vollkommen wurscht, ihre Politik aber nicht …

    herzliche Grüße Ulli

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  4. Ruthie schreibt:

    Dass ich die Öffnung der Grenze in Deutschland noch erleben würde, habe ich auch nie gedacht. Vielleicht sollten wir für das andere Thema Hoffnung haben? Ich bin skeptisch…

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  5. Eva schreibt:

    „Na und?!“ – das war auch mein erster Gedanke zu dieser Meldung. Weiter gedacht, scheint eine gelassene Offenheit aber besonders in der Welt der „echten Kerle“ schwieriger zu sein, als z. B. in der Modewelt, Medienbranche etc. Ich hoffe auf jeden Fall noch mitzuerleben, dass dieses Thema irgendwann kein Thema mehr ist.

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