Lesezeichen

Es ist ein wunderbares Buch. Ein Buch das Hunger macht und sättigt, das Neugier weckt, das hoffen lässt, dass es einen letzten rettenden Strohhalm geben möge. Und auch wenn der Protagonist an einer Stelle sagt: …Denn dies ist die Wahrheit: Leben ist Katastrophe. Die Grundtatsache das Daseins – des Umhergehens auf der Suche nach Nahrung und Freunden und all dessen, was wir sonst noch tun – ist Katastrophe. Vergesst all diesen „Unsere kleine Stadt“-Unsinn, den man sich erzählt: das Wunder eines neugeborenen Kindes, die Freude an einer einzelnen Blüte, dieses Leben-du-bist-einfach-wundervoll etc…., so straft das Buch dieser Aussage Lügen, denn es bewegt und berührt und belebt. Ich habe es  digital gelesen und werde es mir als richtiges Buch kaufen. Denn das ist eines, das ich besitzen möchte, in dem ich blättern will, in das ich meine Gedanken notieren möchte. Ich spreche hier übrigens von Donna Tartts „Der Distelfink“. Stellen, an denen ich Lesezeichen gesetzt habe:

Frans Hals hatte nicht weniger als neunundzwanzig Nuancen von schwarz!

…und irgendwann tief in der Nacht…hatte ich die Epiphanies, dass Lachen Licht war und Licht Lachen und dass dies das Geheimnis des Universums war.

…erfüllten mich die tiefbraunen Wände, dunkel und trocken wie Kakaopulver, mit einem Gefühl von Hobies und auch Weltys Stimme, ein freundliches Braun, das mich bis ins Mark durchdrang und in einem warmen altmodischen Tonfall zu mir sprach…

…im Gegensatz dazu lebte und schwebte Hobie wie ein großer Meeressäuger in seiner eigenen milden Atmosphäre voller dunkelbrauner Tee- und Tabakflecken, wo jede Uhr im Haus etwas anderes anzeigte und die Zeit sich nicht an einem Standardmaß orientierte, sondern stattdessen mit einem gelassenen Ticken dahintröpfelte und dem Tempo seines mit Antiquitäten vollgestopften toten Gewässers gehorchte, weit entfernt von der massenproduzierten, kunstharzverklebten Version der Welt….

…Für Menschen – gefangen in der Biologie – gab es keine Gnade: Wir lebten eineWeile, machten ein bisschen herum und starben dann, verrotteten in der Erde wie Abfall. Die Zeit zerstörte uns alle nur zu bald. Aber etwas Unsterbliches zu zerstören oder zu verlieren – Bande zu zerreißen, die stärker waren als das Zeitliche -, das war eine metaphysische Entkoppelung ganz eigener Art, eine verblüffende neue Variante der Verzweiflung.

Was ist, wenn vielleicht auch das Gegenteil zutrifft? Denn wenn aus guten Taten manchmal auch Böses kommen kann…? Wo steht denn, dass aus bösen Taten nur Böses kommen kann? Vielleicht manchmal – der falsche Weg ist der richtige? Du nimmst den falschen Weg und kommst trotzdem da an, wo Du hinwolltest?…ich persönlich habe nie so scharfe Grenze zwischen gut und böse gezogen. Für mich ist diese Grenze oft falsch. Die beiden Seiten sind niemals unverbunden. Das eine kann nicht ohne das andere existieren….

Bildschirmfoto 2014-08-17 um 12.32.07

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2 Antworten zu Lesezeichen

  1. leonieloewin schreibt:

    Danke für die kleinen „Leseproben“. liebe Grüße Leonie

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  2. Ulli schreibt:

    Liebe Elvira, das scheint wirklin wunderbares Buch zu sein, mir gefällt ganz besonders der letzte Abschnitt- und das Bild spricht mich auch sehr an, danke fürs einstellen
    herzliche Grüsse
    Ulli

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